WM und die Sache mit der Hymne


Dass u. a. vor internationalen Sportwettkämpfen die Titelmelodie der jeweiligen Nationen – genannt Hymne – erklingt, wissen wir ja alle.

Dass man sich dabei unterschiedlich verhalten kann, ist auch nichts neues.
Dass jemand, der bei einem Fußballspiel „Deeeeeeeutschland“, resp. „Schlaaaand“ ruft, nicht zwingend ein Nationalist ist, sondern er oder sie das eher ruft, weil „Deutsche Nationaaaalmannschaaaft“ sich sehr sperrig ruft, hat sich ja sogar zu mir herumgesprochen.

Ich bemerke allerdings schon, dass man mitunter ein wenig pikiert angeschaut wird, wenn man sitzenbleibt und die eigenen Fingernägel studiert, während um einen herum alles aufsteht, möglicherweise sogar eine Hand auf dem oberen linken Thorakalquadranten platziert und evtl. gar mitsingt.

Allerdings erschließt sich mir nicht der Grund für das beschriebene Verhalten.

Sicherlich stehe ich auf, wenn eine gebrechliche Person im Bus einen Sitzplatz braucht.

Und im Theater, für eine standing ovation, da muss mir allerdings schon eine wirklich tolle Leistung gebracht werden.

Aber für ein Lied? Höchstens stehe ich für ein Lied auf, um danach zu tanzen. Aber zur Titelmelodie von Deutschland? Die kann man doch gar nicht tanzen. Macht ja auch niemand, habe ich jedenfalls noch nicht gesehen.

Und zum Mitsingen ist mir der Text absolut zu sülzig.

„Einigkeit und Recht und Freiheit“ – ja, sicher: Schöne Grüße nach Berlin, an Frau Merkel und Herrn Westerwelle und alle ihre Freunde!

Man könnte zwar auch die Glocke von Schiller auf die Melodie der Titelmelodie für Deutschland singen, weil das Reimschema dasselbe ist, aber das klingt wirklich albern. Außerdem singe ich trantütige Melodien ohnehin aus Prinzip nicht – von Leierigkeiten werde ich müde.

Sie sehen, liebe Leser: Für Hymnenritualverhalten fehlt mir komplett das Verständnis – ich begreife das einfach nicht.
Vielleicht, weil jegliche Ritualgymnastik irgendwie an Religion erinnert, und die verstehe ich ja auch nicht.

Trotzdem werde ich beim nächsten Deutschlandspiel wieder zuschauen, mitfiebern, mitgröhlen, und hoffentlich ganz oft vor Freude aufspringen und Tooooor! brüllen.

Aber nicht, weil ich stolz auf Deutschland bin, sondern weil die Fußballspieler, die der Herr Löw ausgesucht hat als beste des Landes, in dem ich nun einmal wohne, dieses Jahr einen schönen Fußball spielen, der kein bißchen langweilig ist, und weil ich mich mit ihnen freue, wenn das Runde ins Ecke geht, weil sich all das Üben gelohnt hat.

Auch einen schönen Artikel über Nationalgedöns, Hymne und Politgeeiere findet man bei telegehirn

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6 Antworten to “WM und die Sache mit der Hymne”

  1. Himmelhoch Says:

    Ich muss mal gucken, ob ich unterm Schrank doch noch ein wenig Fußballbegeisterung finde, die ich vor 4 Jahren dorthin weggeräumt habe.

  2. buchstaeblich Says:

    Wo sonst, wenn nicht beim Fußball, darf man gesellschaftlich akzeptiert herumschreien und zappeln, ohne dass besorgte Mitbürger oder weiß oder andersfarbig Uniformierte auftauchen?

  3. Frankie Says:

    Dazu sage ich erst nach dem Endspiel etwas, ich möchte nicht vorgreifen. Was rede ich da, ich kann ja gar nicht greifen, ich bin ja angeschnallt, die Zäpfchen gibt mir der Pfleger. Noch 84 Minuten bis zum nächsten Spiel!

  4. Dr. No Says:

    Hm. Angesichts des Spielkultur-Niveaus der Nationalkicker vor 25 Jahren würde „Auferstanden aus Ruinen“ ohnehin besser passen.

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