Nancy, Donald und ein Inder


Dieser Artikel fällt unter „Blogging on Demand“ und wurde hier beantragt von Joulupukki.

Auch wenn der US-Wahlkampf in aller Munde ist, handelt dieser Text nicht von einer Prügelei zwischen Donald Rumsfeld mit Nancy Pelosi, was auch wenig aktuell und obendrein erfunden wäre. Und in das Lied, das den Kandidaten Obama als „Reinkarnation“ von Mahatma Gandhi feiert, werde ich auch gewiss nicht einstimmen.

Wie interessant ist es dagegen, Lebenswege nachzuzeichnen, während in den USA die Wahlurnen dampfen!

In den USA wohnt z. B. Nancy Sinatra. Ihre Großeltern waren aus Italien zugewandert, und auch ihr Papa Frank, the Voice, hatte lebenslang eine gewisse Affinität zu seinem Ursprungsland und dessen Sitten und Gebräuchen.

Viele ihrer Songs gingen um die Welt, manche Kindlein denken bis heute, „Something stupid“ sei ein Song von Robbie Williams, was zum Glück nicht stimmt.

Nancy Sinatra stammt genau so aus den USA wie Donald Fauntleroy Duck, der ebenso einen italienischen Zeichner Vater hatte, nämlich Charles Alfred Taliaferro, der zwar ebenfalls in Nordamerika geboren wurde, aber nicht umsonst so ähnlich wie Tagliatelle heißt, auch wenn Näheres nicht überliefert ist von der Herkunft des Entenzeichners.

Nancy Sinatra hatte es zeitlebens mit dem Laufen, denn der Song, der ihr an den Hacken klebt wie kein zweiter ist „These Boots are made for walking!“. Ob der Salzmarsch, den Mohandas Karamchand Gandhi und 78 seiner Anhänger gemeinsam absolvierten, flotter vonstatten gegangen wäre, wenn dieses Lied sie damals schon begleitet hätte, werden wir nie erfahren, aber 385 Kilometer sind eine Strecke, die so manches Wanderlied verschleißen kann. Gandhi, dessen Name „Gemüsehändler“ bedeutet, obwohl er in die 3. Kaste geboren wurde, was gleichzusetzen ist mit dem deutschen Schimpfwort Oberschicht, hatte also genau wie Nancy Sinatra bei Geburt recht privilegierte Startbedingungen. Viele Jahre seines Lebens verbrachte er allerdings sonstwo in der Welt und nicht in Indien, so dass er genug Gelegenheit hatte, andere Versionen von Kastendenken, nämlich Rassismus am eigenen Leibe zu erfahren.

Wie anders dagegen begann an einem Freitag, dem 13. die Existenz Donald Fauntleroy Ducks, der nur der Neffe des Fantastilliardärs Dagobert ist, und von diesem stets nur für niedere Arbeiten herangezogen wird, in dem mit einem eines Tages zu erbenden Geldspeicher gewinkt wird. Duck, der im Gegensatz zu Nancy Sinatra keine Boots hat und deshalb stets barfuß geht, blieb zwar in Ermangelung guten Schuhwerks in Entenhausen, aber wäre er ein Neufünfländer, würde man ihm sicherlich vorwerfen, nicht flexibel genug zu sein für eine ordentliche Berufskarriere.

Der einzige Vorteil, den Donald Fauntleroy Duck für sich verbuchen kann ist die Unsterblichkeit, wogegen Nancy Sinatra („You only live twice“) den indischen Weg der Reinkarnation erhoffen muss, sofern ihr die Zeit eines Erdenlebens nicht reicht. Da geht es ihr wie Gandhi, der muss wegen seines hinduistischen Glaubens, den er obendrein mit einer guten Prise Buddhismus würzte, wiederkommen und aufs Neue Nachttöpfe leeren und Garn für seine Windel spinnen, die er aus Gründen der Überzeugung in den letzten Jahren vor seinem Tod trug, bevor ein Schuss aus der Pistole eines Attentäters sein Leben beendete.

Doch auch Nancy Sinatra entschloss sich recht spät im Leben, nämlich mit 54 (!), dazu, die Kleidung abzulegen, indem sie sich 1995 für den Playboy ablichten ließ. Donald Fauntleroy Duck hingegen trägt Zeit seines Lebens den Bürzel offen, sofern er nicht nachts die mystische Verwandlung in Phantomias vollzieht und sich mittels Diebstählen an den Reichen rächt.

Eine Sängerin, die vielen Menschen auf der Welt Freude bereitet, ein Friedenskämpfer, der den Nobelpreis nur knapp verpasste und Ben Kingsley die Rolle seines Lebens verschaffte, und eine Ente, die – obwohl ungebraten! – von Kindergenerationen in allen Ländern der Welt geliebt wird: Drei beliebige Schicksale, aber in ihrer erheblichen Unterschiedlichkeit sind alle Drei leicht bekleidet weltberühmt geworden.

So, Jou, ich hoffe, Deinen Geschmack getroffen zu haben!😉

Und mir gruselt jetzt schon vor den Suchbegriffen, die ich mir damit wieder einhandele …

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8 Antworten to “Nancy, Donald und ein Inder”

  1. joulupukki Says:

    Was soll ich sagen? Ich bin sprachlos!
    Alle Erwartungen noch übertroffen! Drei Schnäbelchen vereint und ineinander verwoben, als wären sie nie getrennt gewesen…

    *meinen allerbesten Hofknicks hinlegend*

  2. buchstaeblich Says:

    Vielleicht steht mir noch eine Karriere als Verschwörungstheoretikerin bevor – bei den Zusammenhängen, die mir immer ins Auge springen.😉

  3. ruediger Says:

    a la bonheur … oder auch „Chapeau“ wie die holde Maid auszurufen pflegt.

    [Das leihe ich mir mal aus, weil sie heute entschuldigt hat und außerdem wollte ich schon immer mal.]

    Doch vorsicht Fr.Dr.Buchsteablich-Seltsam, das kann schneller kommen als bedacht. Sie sollten alsbald ein geheimes Domizil in den bayrischen Bergen erkunden, nur für den Fall Sie schnell das Weite suchen zu müssten. Nicht jeder mag im Ahnen von Verschwörungstheorien ein Talent sehen.😉

  4. buchstaeblich Says:

    Aber irgendwer muss doch die Welt aufklären!
    Z. B. über das Ding mit Heintje und der Sockenindustrie. Oder die Verstrickung von Tuvalu mit den Machenschaften der Schwimmflügelhersteller im Hinblick auf die Erderwärmung. Und. Und. Und!

  5. joulupukki Says:

    Und schon wieder legt sie einen heimtückischen Köder aus!
    *angebissenhab*

  6. buchstaeblich Says:

    (haut die Finger vor den Mund)
    Oh, Mist, ich glaube, ich habe mich verplappert.

  7. rdps Says:

    Schöne Sache.
    Nur eines stieß mir übel auf:
    „Donald Fauntleroy Duck hingegen trägt Zeit seines Lebens den Bürzel offen, sofern er nicht nachts die mystische Verwandlung in Phantomias vollzieht und sich mittels Diebstählen an den Reichen rächt.“
    Phantomias mag so einiges sein, aber ein Robin Hood-Verschnitt ist er nicht. Er ist – wie viele us-amerikanische bzw. in den USA erdachte Superhelden – eine Art „verlängerter Arm des Gesetzes“. Und mit stehlen bringt man es in jenem Gewerbe nicht allzuweit.
    Trotz alledem: Schöne Sache.

  8. buchstaeblich Says:

    Dann habe ich das wohl irgendwo falsch abgeschrieben.😉
    Noch einmal bei der Quelle nachgesehen – wikipedia schreibt:
    „Dort lebte der verarmte Edelmann Phantomias (auf italienisch „Fantomius“), der die Reichen seiner Zeit bestahl, um sich an ihnen zu rächen. Donald entdeckt in der Villa das „geheime Tagebuch des Phantomias“ und beschließt, in seine Fußstapfen zu treten.“

    Aber Du hast Recht, Phantomias hat sich später zu einem echten Superhelden gemausert.

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