Das Bestseller-Geheimnis


Sind nicht viele unter uns, die davon träumen, einmal ein richtiges Buch zu schreiben? Liest nicht manch Einer in der Wanne oder vor dem Einschlafen gern einen tollen Roman und ärgert sich, dass ihm so etwas nicht einfällt?

Wie, so fragt man sich sich, kommt Autor/in XY auf das schmale Brett die Mordsidee dieser unglaubwürdigen unglaublichen Geschichte?

Mir, liebe Leser, ist es so ganz nebenbei gelungen, während ich eigentlich nach interessanten Angeboten für mein Unternehmen, den Medien-Markt, suchte, dieses Geheimnis zu lüften.

Bislang hat man als Bücherkonsument gedacht, so ein Autor ginge hin und würde sich intensiv in der Welt umschauen, Menschen und ihr Verhalten beobachten, recherchieren, nachschlagen, nachdenken, und sich inspirieren lassen, um sodann nach Erlangen einer halbwegs zündenden Idee sein Autorenhandwerkszeug zu benutzen, um daraus eine schöne, in sich schlüssige Geschichte zu konstruieren. Diese würde er dann womöglich nach bestem Wissen und Gewissen ein wenig ausschmücken und in möglichst schöne Sätze packen:

Ha! Kein Wunder, dass Otto und Ottilie Bücherverbraucher nur lesen, aber keine Bücher schreiben können – denn meilenweit gefehlt war diese Annahme!

Das macht man nämlich in echt ganz anders:

Dass man einen sogenannten Plot braucht, wenn man einen Roman schreibt, hat sich ja bis zum Endverbraucher herumgesprochen, das ist wie beim Film oder im Fernsehen.

Aber wo man einen Plot herbekommt, das ist das eigentliche Geheimnis, und ich – jawoll: Ich! – lüfte das jetzt:

Da legt man Tarotkarten! So, ätsch, nun ist es heraus.

Wenn nämlich der König der Schwerter links neben dem Gehängten und über dem Stern, aber unterhalb der Königin der Münzen liegt, dann muss man die Krankenschwester mit einem Doppel-D-Körbchen ausstatten, damit Frauenarzt Dr. René von Sülzbachtal seine tiefblauen Augen auf ihr Antlitz richtet und sein Herz auf immer an sie verliert.

Soweit, so gut.

Blöd ist nur, dass die Krankenschwester eine 1,53 m kleine magersüchtige Trulla auf Highheels ist und justament bei Erlangen ihres Vorbaus die Gravitation die Oberhand gewinnt und die Trulla vornüber mit dem Gesicht in einer Matschpfütze landet, aber wer sagt denn, dass man zum Schreiben eines Romans Logik braucht, nicht wahr? Die Karten sagen es jedenfalls nicht.

Wenn Sie, liebe Leser, jetzt denken, ich wolle nichts weiter als Ihre Zeit verschwenden und Sie verarschen, dann darf ich diese Arschkarte aber mal gleich weiterleiten zum eigentlichen Ort des Geschehens.

Ich bin schließlich dafür bekannt, dass ich es stets mit der Effizienz habe. Deshalb finde ich, dass für ein Wochenendseminar „Plotten mit Tarot“ 552 € plus Getränke beim Essen (Stilles Kraneberger Wasser wahrscheinlich nur 3,80 €/Gläschen) viel zu billig sind.

Wenn Sie wirklich lernen wollen wie man effizient plottet, dann belegen Sie doch bei mir das Open-Air-Plotting-Camp auf der Wiese hinterm Haus (nur 2.500 €/Wochenende, Zelt und Verpflegung bitte selbst mitbringen!), und lernen Sie, wie man eine Schüssel Buchstabennudeln so schüttelt, dass garantiert ein Bestseller daraus abzuschreiben ist, wenn man nur tüchtig daran glaubt.

Denn wenn Sie wüssten, dass ich in Wirklichkeit Dan Braun, Dieter Pohlen, und Carlotta Frosch sowie der eigentliche Autor der Bibel in Personalunion bin, dann wüssten Sie, dass Ihr Geld bei mir gut angelegt ist – Qualität hat ihren Preis.

Und wenn Sie so dämlich sind, zu glauben, dass ich tatsächlich verraten würde, wie man sich reich schreibt, um mir Konkurrenten auf den Markt zu holen, mit denen ich die ganze Kohle teilen müsste, dann sind Sie so bekloppt, dass Sie nichts Besseres verdient haben als mir haufenweise Geld in den Hals zu schieben!

Anmeldungen im untigen Kontaktformular – ich freue mich auf Ihr Geld Sie!

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38 Antworten to “Das Bestseller-Geheimnis”

  1. joulupukki Says:

    Wie jetzt? NICHT im Kaffeesud???
    Damn, ich bring den Kerl um, der mir das falsche Geheimnis verraten hat. Bzw. das richtige Geheimnis falsch verraten … bzw … überkommt mich akut der leise verdacht, dass für einen Bestseller vielleicht auch ein bisschen Fähigkeit benötigt wird einen Gedanken konstruktiv zu Ende zu führen … bzw. … vielleicht auch nicht, wenn ich mir ansehe, wie in Regeners „Der kleine Bruder“ dreiviertel des Plots damit gefüllt werden Gedanken eben nicht zu Ende zu führen und dieses Nichtzuendeführen peinlich genau zu dokumentieren … bzw. unterhält mich sogar DAS, was dann wieder heißen könnte, dass ich besser beim Bestseller lesen bleibe, anstatt selbige zu schreiben … bzw. … wo muss ich einzahlen?

  2. buchstaeblich Says:

    Kaffeesud? Daraus liest man nur Plots für Daily-Soaps im Fernsehen.
    Einfach die Bildschirmfolie mit dem Cutter einritzen und das Bargeld dahinterdurch zu mir herüberschieben.

  3. juf Says:

    waren sie das nicht auch, die den kurs „zechprellen, aber richtig“ angeboten hat, den dann keiner bezahlt hat?

  4. carluv Says:

    Schon bei den ersten Zeilen fühlte ich mich ertappt.
    Das angepriesene Seminar mit der viel gepriesenen Schächterin sollte am Preis nicht scheitern. Man kann da bestimmt die eine oder andere Begine oder Wanderhure oder was diese Leute so verplotten noch käuflich erwerben, mit der unschätzbaren Signatur der Gepriesenen.
    Könnten Sie es bitte so einrichten, dass sich beide Termine nicht überschneiden? Das Camping in den Januar gelegt, steigert auch den Glühweinumsatz (4,50€/0,1 l).

  5. buchstaeblich Says:

    Juf,
    das haben Sie aber sowas von richtig erkannt!

    Carl,
    natürlich liegen meine Seminare im Winter! Im Sommer brauchen wir den Platz zum Grillen. Außerdem laufen da dann dauernd die Musen nackend über den Rasen.

    Besonders gut verkauft sich übrigens meine Lieblingsformulierung „immer noch schön“, die seinerzeit Hedwig Courths-Mahler im Dauer-Abo von mir bezogen hatte. Und Frauen über 35 mit zu großer Nase und Buckel sind immer „apart“.

  6. elphaba Says:

    Erwicht, Du hast also die Bibel, diesen brutalen Schinken verbrochen…

  7. Ansku Says:

    Soso, die Bibel hast Du auch geschrieben. Aber mir noch scheinheilig erzählen, wie plöd die Bibel eigentlich und überhaupt ist. Interessant interessant, was man so nebenbei alles erfährt…

  8. joulupukki Says:

    Ich hab jetzt Deinen Anweisungen getreu meinen Bildschirm aufgeschlitzt, hab aber das Problem, dass meine Hand im Stromschlag so zittert, dass ich das Geld nicht durchbekomme. Jetzt ist mir schon der 3. Fuffi verschmort … mannomannomann!

  9. weltdeswissens Says:

    Ich komme dann im Sommer, vorausgesetzt, Sie haben auch männliche Musen auf dem Rasen 😀

  10. buchstaeblich Says:

    Elphaba, Anksu,

    Shakespeare war auch nicht Hamlet in persona, oder Othello höchstselbst – der hat nur Dinge aufgeschrieben, von denen er wusste, das Publikum würde deswegen Tickets kaufen.

    Jou,

    einfach weitermachen – das wird!

    Oh, Wunderbare,

    Logisch. Gibt es auch andere?

  11. weltdeswissens Says:

    In meinem Universum nicht, liebste Friederike 😀

  12. buchstaeblich Says:

    Eben: Kenn‘ wa nich.

  13. zuckerbrot - Literatur, blog, Kreatives Schreiben, Verlagssuche » Blog Archive » Tagesfunde vom 06.11.2008 Says:

    […] mit Tarotkarten. Im buchstäblichen Sonderangebot. Tags: Hörspiel. stream, mankell, mp3, Sedarin, Tarot, […]

  14. Frau W. Says:

    Oh nein. Nun weiß ich, warum mich eine kreative Blockade nach der nächsten heimsucht. In einem Anfall von völliger, geistiger Umnachtung habe ich meine alten Tarotkarten verschenkt! Verschenkt! Weil ich dachte, dass das eh alles nur Humbug ist. Und nun lese ich sowas. *seufz*

    Könnte ich mir jetzt die Karten legen, ich würde es tun.

  15. buchstaeblich Says:

    Nehm‘ Se Buchstabennudeln, Frau W.! Die sind effizienter.

  16. Alexander Says:

    Hallo Herr/Frau Buchstäblich seltsam,
    danke für die Kommentare in meinem Blog.
    Wollen wir uns verlinken?
    Alexander

  17. buchstaeblich Says:

    Äh, ich habe mal nachgesehen: Ich habe nicht kommentiert, aber jemand hat Ihnen einen Link auf diesen Artikel hier in die Kommentare gesetzt.

  18. Alexander Says:

    Ähm, wusste ich nicht.
    Darfst mich aber trotzdem verlinken….
    Alexander

  19. buchstaeblich Says:

    Nö. Nicht auf Kommando.

  20. Alexander Says:

    … war nur eine freundliche Anfrage und kein Kommando.

    Aber das Missverstehen-Wollen gehört vielleicht zum erfolgreichen Konzept dieses Blogs…

  21. elphaba Says:

    Mimimimimi

    *schmoll*

  22. buchstaeblich Says:

    Elphaba,
    😉

  23. elphaba Says:

    Sorry, aber wenn einer SO dämlich daher kommt…

  24. weltdeswissens Says:

    Da kann man auch gern sagen „Wäwäwäwäwä“ 😀

  25. Marco Says:

    Ah, schön, endlich ein Blog in dem gepflegt über seine Besucher gelästert wird! Das hat dem Internet noch gefehlt.

  26. buchstaeblich Says:

    Werter Herr,
    was erwarten Sie denn auf einem Blog, dessen Betreiberin sich selbst als gemeine Westfälin vorstellt und sich zu Misanthropie und Boshaftigkeit bekennt? Ich bin ein schlechter Mensch!
    Soll ich Sie auch ein wenig bashen, damit Sie es mir glauben?

    (geht kopfschüttelnd wieder hinaus, murmelnd)

    Manchen Leuten muss man aber auch wirklich eine Zeichnung anfertigen …

  27. weltdeswissens Says:

    Also ehrlich 😯

    Dabei ist die Gleichung so einfach: Buchstäblich = Böse.

  28. buchstaeblich Says:

    Soweit kommt es noch, das ich hier anfange, Nettigkeiten zu verteilen!
    Und meine wahren Fans rennen mir weg, weil sie sich verraten fühlen? Nie und nimmer!

  29. elphaba Says:

    Ha, ich bin seit gestern

    „Der sich “Elphaba” nennende Inbegriff von Dummheit und Ignoranz“

    wie ich nett in einem anderen Blog tituliert wurde…

  30. weltdeswissens Says:

    Boah, das ist auch ein beeindruckender Titel, elphaba 😯

  31. buchstaeblich Says:

    Ich bin neidisch. Mich betitelt man nur als rüde. Dabei könnte ich maximal eine Rüdin sein.
    😉

  32. weltdeswissens Says:

    Na, wir werden Ihnen schon noch einen schönen Titel basteln, gemeine Westfälin 😀

  33. buchstaeblich Says:

    „Gemeine und rüde Westfälin mit eigenem Medienmarkt und Kontakt zu Agent 13“?

  34. weltdeswissens Says:

    Schützen lassen! Sofort schützen lassen!

  35. buchstaeblich Says:

    „Gemeine und rüde Westfälin mit eigenem Medienmarkt und Kontakt zu Agent 13″TM

  36. elphaba Says:

    Junge, dieser Tage fliegen die Schimpfworte aber nur so 😉

  37. elphaba Says:

    Junge, dieser Tage fliegen die Schimpfworte aber nur so 😉

  38. Tagesfunde vom 06.11.2008 | Original Zuckerbrot Says:

    […] mit Tarotkarten. Im buchstäblichen Sonderangebot. Dieser Beitrag wurde unter Tagesfunde abgelegt und mit 325, 347, 429, 460, 463, Hörspiel. […]

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