Von Hosen und der Würde des Menschen


Im mittelalterlichen Mailand war es üblich, in Ungnade gefallene Händler mit heruntergezogenen Hosen auf den Stein der Gescheiterten zu setzen, auf dass das Volk den Einzelnen verlachen konnte, bevor er ins Gefängnis verbracht wurde.

Man betrachtete das entblößte Hinterteil als Sinnbild für Peinlichkeit, Scham, Verlust der Würde.

Und ich frage mich manchmal, ob die Jugend von heute (jaha, ich gehöre zur Altergruppe „Wir früher!) nicht ganz schnell die Buchsen wieder hochzögen, wenn sie sich bewusst wären, dass sie sich selbst ihrer Würde entledigen, wenn sie ihre baggy jeans um die Knie schlottern lassen, ihre Unterschlüpper der Öffentlichkeit präsentieren und sich der Lächerlichkeit preisgeben, indem sie auftreten, als hätten sie den Schließmuskel nicht unter Kontrolle und daher ein entsprechendes Pfund in der Hose, sowie keinen Funken Selbstwertgefühl und Stolz. Man kann da schon das Fremdschämen bekommen.

Doch, ja, wann immer solch ein fehlgeleitetes Kind mein Blickfeld kreuzt, ist die erste Assoziation „Hosenscheißer“ – wenn das nicht das Gegenteil von „cool“ ist!

Insofern finde ich den Versuch von US-Senator Eric Adams aus dem Staate New York gar nicht so übel. Was dieser Mensch sonst so treibt und vertritt – keine Ahnung! Aber die lieben Kleinen mit der Nase darauf zu stoßen, dass sie sich keinen Gefallen tun, wenn sie aussehen, als hätten sie vollgeschissene Pampers ist eigentlich nett von ihm.

Zumal doch gerade die Jugend sonst immer so erpicht ist, möglichst erwachsen zu wirken. Auch will es mir nicht in den Sinn, wie Jüngelchen in solchem Aufzug gelingen kann, adäquate Partnerinnen für den Matratzensport zu erhaschen.

Ganz ehrlich, liebe Jugend:
Bei uns früher haben die jungen Damen aber sehr auf Knackigkeit von Herrenhosen geachtet und ob sich ein ansehnlicher Pöter darin verbirgt. Letztendlich wollte man seine Körpersäfte, oder – im Falle langanhaltender gegenseitiger Zuneigung – seine Gene ja nicht mit einem Schlaffarsch mischen, nicht wahr? Und mit so einem Hängehosenträger hätte man sich damals nicht nur nicht sehen lassen können, es ist ja auch schwierig, wenn der Partner nicht mit einem Schritt halten kann, weil er ständig mit seltsamen verdrehten Beinen laufen muss, weil ihm die Buchse sonst gleich um die Knöchel schlottert.

Allerdings habe ich schon sehr schöne, würdelose Stürze gesehen, die durch diese Mode verursacht worden sind und die Gestrauchelten natürlich nach Herzenslust ausgelacht, nicht ohne zu kommentieren, dass, wenn er mein Sohn wäre, dieser Sturz ausgeblieben wäre, weil meinem Sohn garantiert nicht gestattet gewesen wäre, sich dergestalt vor der Gesellschaft selbst herabzuwürdigen.

Aber ich bin ja auch alt und spießig.
Nur soviel: Ich habe mir keine Mogelpackung andrehen lassen müssen – Männer sollten einen Arsch in der Hose haben. Auch diese Redewendung kommt nicht von ungefähr! Und wenn der Arsch über der Hose rausguckt, dann hat man keinen Arsch in der Hose, aber was das eigene Ansehen angeht, ist man dann ziemlich schnell am Arsch, nicht wahr?

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9 Antworten to “Von Hosen und der Würde des Menschen”

  1. Himmelhoch Says:

    Na, hier zieht ja jemand vom Leder. So deutlich ist es mir noch nicht aufgefallen – oder ich gucke da gar nicht erst genau hin, weil es nicht meine Altersklasse ist. Ich bevorzuge auch eher mit Knacka… als mit Welka…, und das sieht man am besten in einer schönen, knackigen Jeans. – Ich stelle mir gerade vor, die Mailänder Bestrafung würden wir hier mit unseren Politikern machen – da müsste man aber bei vielen Schmerzensgeld ans Volk zahlen. Unseren lieben Altbundeskanzler K. hätte ich nicht so sehen wollen. – Weiter will ich jetzt nicht darüber spekulieren.

    • buchstaeblich Says:

      Hin und wieder muss ich in die benachbarte Großstadt – also München – und wenn man da öffentliche Verkehrsmittel benutzt, passiert es häufig, dass auf der Rolltreppe unmittelbar vor einem ein Unterhosenpöter über der heruntergelassenen Buxe regelrecht ins Auge sticht:

      Ich will das nicht sehen, ich muss aber.😯

  2. nömix Says:

    Früher nannte sich sowas „Maurerdekolleté“.

  3. Frankie Says:

    Wie tief kann eine Jeans noch sinken, ohne zu fallen?

  4. Richard Synn Says:

    Tja, als jemand, der selbst Besitzer – und ja auch Träger – von solchen Hosen war, sehe ich die Sache natürlich etwas anders. Das ist bei mir zwar schon zehn Jahre her, aber dennoch.

    Ich finde, so lange es sich dabei um eine „Jugendsünde“ handelt, ist das in Ordnung. Genau wie Piercings und Tattoos. Wenn jemand das nicht ansehnlich findet: Um so besser! Darum geht es doch in der Pubertät. Der Vorteil von hässlichen Klamotten im Gegensatz zur permanenten Körperbemalung ist halt, dass sie schnell in die Tonne getreten werden können, wenn das Leben anklopft…

    Naja, egal ob Männlein oder Weiblein: Ich will das mittlerweile auch nicht mehr sehen. Weder das Muster der XXL-Boxershorts noch den String, der bis unter die Arme gezogen zu sein scheint.

    Den Vorschlag des Senators kann ich verstehen, ich als alter Idealist (?) hätte mir aber auch vorstellen können, das genaue Gegenteil zu tun: Nämlich nicht zu sagen: tief sitzende Hosen sind scheiße, sondern: Nicht jedem, der tiefsitzende Hosen trägt, sollte man weniger Respekt zukommen lassen. Aber mir soll’s egal sein: Meine Hosen waren irgendwann durchgescheuert und sind lange Vergangenheit (*schnief*)😉

    Einen Hintern hab ich als Spargeltarzan aber so oder so nicht in der Hose…

  5. 6kraska6 Says:

    Unter uns, den Alten und Spießern, Du weißt aber schon, welche symbolische Ebene diese Kleidung (Hose auf Halbmast, offene Turnschuhe) zitiert? Knastinsassen nimmt man in us-amerikanischen Gefängnissen Gürtel und Schnürsenkel ab. Wer dann so herumläuft, offenbart sich, wenigstens symbolisch, als gaanz harter Knochen…

  6. lakritze Says:

    Ha! So schlimm ist die Jugend doch gar nicht, es gibt Lösungsansätze aus den eigenen Reihen:
    http://www.kimberlilyonline.com/
    (Vorsicht, grottenschlechtes Webdesign)

  7. rolandschwarzer Says:

    So ganz grundsätzlich betrachtet ist mir das Auftreten und Aussehen fremder Menschen ja gänzlich gleichgültig, jedenfalls insofern sie mir nicht auf den Sack gehen. Andererseits sollte vielleicht mal jemand den jungen Läusen sagen, daß körperlliche Anziehung einen Gutteil dadurch gesteigert werden kann, wenn man noch das eine oder andere Geheimnis am anderen entdecken kann. Mit anderen Worten: Das was man nicht sieht, ist oft reizvoller als das was einem unverhüllt dargeboten wird.
    Ich weiß ja nicht wie es anderen so geht, aber wenn ich die Farbe der Unterbüxen einer Frau schon sehen kann, bevor die Hose verschwunden ist, finde ich das nur wenig reizvoll.
    Aber ich bin ja auch ein Spießer.

  8. Frankie Says:

    Solche Hosen haben auch ihre Vorteile. Man kann mehrfach einscheißen, ohne dass es jemandem auffällt.

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