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München und der Gipfel der Medientage

29. Oktober 2008

Die Medien tagen in München.

Deshalb läuft heute auf dem Sender, der so heißt wie der leicht entflammbare Vogel, die Übertragung des Mediengipfels der Medientage. Das ist so aufregend, dass ich nach ca. drei Minuten Streichhölzer zwischen meine Lider klemmen musste, damit mir vor lauter Aufregung nicht schwarz vor Augen wurde.

Hier eine Zusammenfassung der unglaublichen Neuigkeiten:

Öffentlich-Rechtlich … blah … Online … blah … Private …blah … Gugl …blah …Staatsvertrag … blah … Journalismus … blah … Medien … blah … Intendanten … blah … Sendung …blah … Portal … blah … Internet … blah … Verleger … blah … Reichweite … blah … Quote … Sender … blah … Prozente … blah … Kanal … blah … Rundfunk … blah … Angebot … blah … Werbung … blah … Fernsehen … blah … Senderechte … blah …

In einer freundlichen schwarzen Kulisse sitzt eine Horde unglaublich temperamentvoller frischer Herren und ein XX-Chromosom-Exemplar in Anzügen in fröhlichem Grau, grellem Schwarz und Unterhaltsam-Dunkelblau und murmelt sensationelle Worthülsen, schiebt sich gegenseitig Phrasen herüber, und schaut so mitreißend sauertöpfisch, da klebt man geradezu lechzend am Bildschirm, weil man darauf wartet, dass einer von ihnen verrät, welches Beruhigungsmittel die genommen haben mögen.

Auch wüsste ich gerne, in welcher Rhetorik-Schule man lernt, so bewegend sonor in den nicht vorhandenen Bart zu salbadern, so betonungsfrei von einem Schachtelsatz in den nächsten zu gleiten. Ebenso spannend wäre zu wissen, wieviel der Focussierer mit der hässlichen Haarmatte vom Suchmaschinenriesen dafür bekommt, dass er ständig dessen Namen ausspricht.

Mir werden schon die Finger schwer vor lauter Enthusiasmus, so reißt mich diese von unglaublich genialen Tontechnikern so lebendig mitgestaltete Sendung vom Hocker.

Sollten Sie, liebe Leser, gleich seltsame Geräusche vernehmen, die entfernt an Sägen erinnern: So klinge ich immer, wenn vor lauter Mitgerissensein mein Temperament überschwappt!

krrrch … krrrch … krrrch … krrrch …

Was das Schlimme daran ist? Da wird in einer Verächtlichkeit der Medienkonsument, also ich, Sie, Du da hinten, die da vorn und auch der neben dir als Klick- und Kuckvieh durchgereicht, dass man nicht übel Lust hat, seine gesamte Unterhaltungselektronik plus Gedrucktes auf die Müllkippe zu bringen und künftig nur noch leeres Papier zu kaufen, auf dem man sich seine Unterhaltung selbst zusammenkritzelt – da hätte ich dann wenigstens garantiert gute Unterhaltung.