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Der finsterste Ort Europas

15. Dezember 2008

Zu früh gefreut hat sich, wer denkt, ich würde jetzt spannende Geschichten über sizilianische Mafiaspelunken erzählen.

Am dunkelsten Ort Europas, der geografisch aber ohnehin eher Afrika zuzuordnen ist, scheint obendrein dauernd die Sonne – zumindest tagsüber. Er liegt nämlich erstens auf dem kanarischen La Palma, zweitens über den Wolken. In fast zweieinhalb Kilometern Höhe über dem Meeresspiegel ist zwar die Freiheit nicht völlig grenzenlos, aber die Freiheit von Lichtverschmutzung hat dafür gesorgt, dass da oben ein paar äußerst wichtige wissenschaftliche Einrichtungen residieren. Natürlich haben die Menschen auf La Palma abends auch das Licht an, aber die wohnen alle ziemlich weit weg und durch die zwischen 1000 und 2000 Metern oft vorkommenden Wolkenschichten wird das Licht, dass die Observatorien stören könnte, im Zaum gehalten. Dort oben am Roque de los Muchachos allerdings ist es meist klar, die Luft schneidend scharf.

Weil ich so gerne auf Astrodicticum Simplex lese, wo Florian Freistetter immer Spannendes aus der Welt der Wissenschaft berichtet, habe ich natürlich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen, wenn ich schon einmal auf dieser Insel war, dort oben nicht nur eine kleine Wanderung mit atemberaubenden Ausblicken zu machen, sondern obendrein ein Auge auf die Himmelsbeobachter zu werfen und extra für den Florian ein paar Bilder mitzubringen:

schön links halten ...

schön links halten ...

Auf der (schmalen) Strecke da hinauf ächzte sich unser treues Mietgefährt ab dem Ort Mirca 34 km weit aufwärts durch 433 Kurven, und ein paar Mal war ich kurz davor, die Reisetabletten zu zücken. Im Nebel, bzw. den  Wolken, immer vorbei an imposanten Kiefern, landet man irgendwann doch dort oben:

Den Topf voller Gold fanden wir aber nicht.

Den Topf voller Gold fanden wir aber nicht.

Da oben ist es so schön, dass es einem die Tränen in die Augen treiben kann:

Ist das toll?

Ist das toll?

Und wenn man sich wieder eingekriegt hat von dem unweigerlichen Begeisterungsanfall, dann wandert man immer schön an einem mächtig steilen Abhang entlang und fragt sich, wie die Damen und Herren Weltallinspizienten es hinkriegen, in einer solchen Umgebung brav in ihren Obervatorien zu sitzen und das Universum abzuklopfen – das nenne ich Disziplin!
Andererseits ist das Gelände, auf dem die diversen Sternenguckmaschinen stehen, aber auch eine Augenweide. Man kommt sich dort nämlich vor wie in einem Science-Fiction-Film:
dscf2999
Wie es sich für einen finsteren Ort gehört, trieben sich dort oben aber auch finstere Gestalten herum, die ein wenig zutraulicher waren, als man es als Touri, der von Hause aus jetzt nicht sooo das Naturkind ist, geheuer findet. Denn das Gelände schien fest im Griff zweier Gesellen, die die Gestänge der Observatorien als ihren persönlichen Spielplatz auserkoren hatten, aber aufgrund von naturgegebener Neugier auch gern auf Tuchfühlung mit uns wollten:
Ups.

Ups.

Der da hopste in typischer Rabenvogelmanier zwischen unseren Füßen herum, und war ein wenig unheimlich, zudem er bewaffnete Füße hat:
Respekt!

Respekt!

So, wie dieser Vogel sich aufgeführt hat, stellten wir uns die Frage, ob er für die Menschen, die hier oben arbeiten eine Plage oder ein Maskottchen ist. Leider lief dort niemand herum, den ich hätte fragen können. Aber vielleicht liest hier jemand mit, der das weiß? Wenn nicht ,werde ich wohl mal ganz frech eine Mail an die Leute da oben schicken – Sternengucker sind ja nur Sternengucker, wenn sie Sterne gucken, ansonsten ganz normale Leute, wie ich finde.
So richtig beeindruckend mit der Tendenz „das haut mich um“ fanden wir dann das Magic II, das u. a. auch von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt wird und (habe ich das richtig verstanden?) das Weltall auf Gammastrahlung
untersucht.
Aktualisierung 18.12.2008:
Näheres zu den Teleskopen erzählt Dr. Wagner von den Scienceblogs hier.
 Falls jemand sich fragt, warum jemand, der überhaupt keine Ahnung von oder Verwendung für Astronomie hat, sich trotzdem hin und wieder an das Thema hängt: Die Bilder von Spiralnebeln, Galaxien und Gaswolken sind so wahnsinnig schön – die schaue ich mir immer wieder gern an. Wahrscheinlich ist das der schlechteste Grund, den man haben kann, aber ich genieße es!
Und hier Bildchen vom Magic II:
dscf3069
Wie in einem Film, gell?

Wie in einem Film, gell?

Das ist das Verrückte dort oben:
Man steht auf Lavabergen, die aus dem Inneren der Erde gespuckt wurden, aber über den Wolken, also im Himmel, und guckt sich diese Mordsdinger an, die in die Tiefen des Weltalls lauschen um zu gucken, was es da noch alles gibt und wie es da zugeht: So ganz normal fühlt sich das nicht an. Vielleicht für die Leute, die da oben arbeiten und deren Alltag es ist. Aber für so einen unkundigen Touri wie mich?
Ich weiß nicht, wie oft ich an diesem Tage „Boah, ist das irre!“ gesagt habe. Wahrscheinlich ungefähr so oft wie: „Scheiß die Wand an, das ist ja unglaublich!“

Ach, Du Heilige …

11. Dezember 2008

Fährt irgendwer noch bis Januar 2009 nach La Palma?

Falls ja: Besuchen Sie Los Llanos de Aridane!

Nicht, dass man Los Llanos, die heimliche Inselhauptstadt und Kulturmetropole der Isla Bonita nicht ohnehin und überhaupt dauernd besuchen sollte, aber noch bis in den Januar hinein kann man im dortigen Kulturhaus eine Weihnachtskrippe bewundern, die man gesehen haben will – da muss man weder Weihnachtsfreund noch christlich veranlagt sein!

Denn diese Krippe ist ein Gesamtkunstwerk – da beißt die Maus keinen Faden ab! Eine riesige Modellbaulandschaft, detailgetreu bis hin zur einzelnen Tomate, perspektivisch grandios gestaltet, stellt einen Teil der Insel dar. Neben der eigentlichen Krippenszene findet man eine Abbildung kanarischer Kultur von Landwirtschaft über Architektur, traditionelle Lebensführung und Bekleidung, etc. Das Ganze eingebettet in eine wundervolle Lichtgestaltung, im Rhythmus weniger Minuten geht hier die Sonne auf und unter, gehen im entfernten Bergdorf im Hintergrund die Lichter in den winzigen Hausmodellen an und aus, erscheint in einer Höhle unweit der Krippenszene eine Projektion eines Engels, die aufgrund der Tatsache, dass sie technisch so gekonnt durchgeführt ist, auch Menschen begeistert, die es mit Engeln genau so wenig haben wie ich.

Wer es bis Januar nicht mehr nach La Palma schafft und auch nicht bis zum nächsten deutschen Winter warten will – wenn eine neue Version aufgebaut werden wird, der kann in meiner Fotostrecke für einen ersten Eindruck spinxen, auch wenn nicht alle Bilder so gelungen sind, aber man kann schlecht gleichzeitig vor Begeisterung quieken und Meisterfotos machen – also, ich jedenfalls nicht.

 

Klappt das mit der Fototstrecke? Ich hoffe das jetzt mal.

Nebentischgespräche

28. November 2008

Fast richtig lag die liebe Joulupukki mit ihrer Vermutung. Aber ein paar Schwimmzüge weiter als bis nach La Gomera haben wir es dieses Mal schon geschafft.

Fährt man hier hinunter an die Küste und springt ins Wasser, schwimmt man immer geradeaus nach Amerika – Kolumbus hat es vorgemacht, ich mache es nicht nach.

Auch wenn die Sonne hier unterzugehen vermag, ohne dass sie ins Meer getrommelt werden muss, ist dieses Eiland nicht anekdotenfrei.

Wir wissen nicht, ob es die Nachbarschaft zu den USA macht, oder ob die Tatsache, dass da unten an der Küste die Sonne so doll scheint, dazu führt, dass Menschen Sätze von sich geben, die bei mir ein zwanghaftes Zücken des Notizblocks zur Folge haben.

Warum ich lieber nicht so lange in der Sonne sitze?

Nun, das hier dürfte als Erklärung taugen:

„Wenn ich den kleinen Hafen sehe, denk‘ ich an die Caprifischer.“

„Das is‘ vom logischen her.“

„Papas fritas, das ist hier was Fritiertes.“

„Das sind hier alles Geheimrezepte!“

„Das kommt ja nicht von sonst.“

„Das sind in Meeressalzwasser gekochte Kartoffeln.“

„Bargeld macht keine peinlichen Blicke!“

„Zwei bis drei Angebote, und oftmals hat man nur spanische Beschreibungen.“

Wundert es einen nun noch, wenn der spanische Kellner solche Leute fragt: „Y trinki?“

Weitere Notizen aus der kanarischen Provinz und feine Fotos, sobald ich wieder Lust habe oder spätestens aus der bayrischen Heimat.

Insel der Beknackten

1. Februar 2008

Wer mich kennt, kennt auch meinen Spleen.

Wer mich nicht kennt, weiß spätestens jetzt, dass ich einen solchen mein Eigen nenne.

Habe ich noch am Montag im Theater mein Satirengift über Gomera im Allgemeinen und das alljährliche Geschehen im Valle Gran Rey zum Amüsement des Publikums verspritzt, (more…)