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Sternsinger oder Sternseher?

5. Januar 2009

Morgen ist Feiertag. Jedenfalls hier in Bayern. In den letzten paar Wochen habe ich das höchstens 23 Mal wieder vergessen, da in der westfälischen Heimat der 6. Januar kein Grund zum Feiern ist, und so bin ich nun einmal aufgewachsen und es ist obendrein logisch.

Wie sollte es ein Grund zum Feiern sein, wenn irgendwelche Horden von Rotznasen, in Gardinen gewickelt, mit Papphütchen auf dem Kopf und teilweise übelst im Gesicht beschmiert, anschellen und stören.
Für die nichtpöttischen Leser: Schellen sacht der Pötter für Klingeln oder Läuten.
Ich nehme an, dass die Übernahme des Wortes Schellen für Klingeln mit dem Dreikönigstag in Zusammenhang steht, denn wenn mich jemand durch unerwünschtes Läuten an der Tür stört, läuft er ja auch Gefahr, sich bei mir eine Ohrschelle einzufangen, dass er Sterne sieht. Ja, Kaspar, Melchior und Balthasar – scheiß‘ die Wand an!

Vor allem, wenn es sich um penetrante Bälger in Bettlaken handelt, die vor meiner Tür herumbrüllen: Da finde ich es eine geradezu perfide Unverschämtheit von Seiten der Legislative, das Hauen von Kröten zu verbieten – das ist doch schließlich Notwehr, finde ich.

Richtig schlimm ist, dass die Brüllbanden obendrein Geld haben wollen. Wofür? Fürs Wiederaufhören? Wir sind hier ja nicht in Sizilien, ich glaube, ich spinne!

Die Krönung bei der Sache ist ja, dass die Brut einem obendrein nach dem Stören, dem Brüllen und dem Geldabknöpfen auch noch auf den Türen rumsaut und Graffiti hinterlässt.

Das hat vor Jahren so eine Drückerkolonne des Herrn an der Haustür des von mir bewohnten Hauses gewagt: Ich wusste aber, wo die Rotzgören sonntags mit Muttern zum Beten hinpilgerten:
Ich den Pastek angerufen: „Hören Sie, Ihre perfiden kleinen Störenfriede haben 24 Stunden Zeit, die Sauerei da wegzuputzen, bevor die Angelegenheit zu meinem Anwalt wandert …!“.
Das mit der richtigen Dezibelzahl in den Hörer gebölkt, so als Gegenfeuer zur erfolgten Störung, und fortan war es am Dreikönigstag aber sowas von ruhig an der Haustür!

Möglicherweise kann man ein System ableiten für den Umgang mit der Partei, deren Dreikönigstreffen so legendär berüchtigt albern bekannt ist.

Dem hiesigen Klerus sei jedenfalls empfohlen, die Landplage nicht zu mir zu schicken, da die lieben Kleinen sonst Wörter lernen könnten, die dem Pfarrer im Beichtsuhl einen Hirnschlag bescheren könnten.

Außerdem muss ich morgen außer Eislaufen auch Fernsehen gucken, denn ich will ja wissen, ob Guido, die Westerwelle, morgen beim FDP-Gruppenhäkeln die Heilige Dreikönigin gibt und nicht herumkaspart und ob er die Haare schön hat. Wenn dem Gold der Prä-Finanzkrisenära hinterhergejault wird, dann wird es bestimmt eine Menge Weihrauch erfordern, die wahren Ursachen des Dramas zu vernebelkerzen. Hoffen wir, dass der Bundes-Guido immer ordentlich Myrrhe aufträgt, damit er nicht irgendwann mal so richtig alt aussieht – einbalsamiert hält ja angeblich länger.