Posts Tagged ‘2008’

Notleidende Banken

20. Januar 2009

… so lautet das Unwort des Jahres 2008.
Es geistert gerade durch alle Medien, ich wähle als Tageskandidaten fürs Zitiertwerden via Losverfahren die Deutsche Welle.

So ganz schlecht finde ich die Wahl nicht, da der Begriff impliziert, in leeren, ungeheizten Tresorräumen seien arme Kassierer bei Wasser und Brot eingesperrt, und abgehärmte Bänker und andere Zocker stünden an Ecken in Fußgängerzonen, barfuß und halbnackt in Lumpen, während der Wind ihnen das Vaterunser durch die Rippen pfeift.

Und das entspricht nun einmal nicht so ganz den Tatsachen, nicht wahr?

Der Dünenwanderer ist übrigens auch tief bewegt!

Take five

28. Dezember 2008

Oh, no: Dr. No, in all seiner wohlbekannten Gnadenlosigkeit, hat mich beschmissen, und nun muss darf ich meine 5 Favoriten des Jahres 2008 präsentieren.

Mein emotionales Highlight – also, aus der Gruppe der nicht äußerst privaten Ereignisse, versteht sich:

Wählen gehen in Bayern und der Ausgang der Landtagswahl 2008.

Mein blogkünstlerischer Höhepunkt war unbedingt der Besuch der Wunderbaren Welt des Wissens und des Wiesels, der mir ermöglicht hat, zu einem Teil des blogosphärischen Kunstprojekts zu werden.

Die Peinlichkeit des Jahres war in meinen Augen die Kopfschuss-durch-die-Finger-Kamikaze-Nummer von Elke Heidenreich, die mit ihrem öffentlichen Arschkriech in Richtung Reich-Ranicki dann aber doch nicht die Kultur im Sinn hatte, sondern letztendlich nur auf einen fahrenden Zug aufspringen wollte, um für ihre damalige Sendung im ZDF einen besseren Fahrplan absahnen wollte. Blöderweise hat sie aber den Zugführer dumm angemacht, worauf hin der kurz und knapp ihren Waggon abhängte: Ooooch.

Mein Fremdschämen des Jahres fand sicherlich im Zusammenhang mit dem Ableben Jörg Haiders  statt: So fehlinterpretiert wurde das Wort Pietät sicherlich noch nie, so wilde Verschwörungstheorien hat mein cerebrales Vergnügungszentrum selten zu begackern gehabt, und Brillen, die dermaßen rosa das Bild einer Persönlichkeit verfälschten, sind mir auch kaum begegnet. Ebenso wenig wie die Sülztiraden, die eimerweise über das Ereignis ausgegossen wurden. Und all das nur, weil ein zweigleisig orientierter Mensch sich bei Nacht und Nebel sturzbesoffen selber totgefahren hat.

Das Augenbrauen-Ausdauertraining 2008 verdanke ich aber eindeutig dem öffentlichen Selbsttötungsakt auf Raten der SPD. Das Geeiere von Kurt Beck samt seinem glanzlosen Abdanken, das Parteigevatere von Münte, das Theater um das Ypsilanti und dann die Nachfolge durch diesen Thomas Konturlos-Doppelnamig, oder wie der heißt. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben, die Braue überhaupt wieder aus dem Haaransatz zu zerren – das lohnt ja nicht!

Es gäbe sicherlich noch viel mehr zu erzählen über das vergangene Jahr, aber erstens soll ich nur 5 Punkte abarbeiten, zweitens habe ich heute abend noch Stuhlkreis mit meinen Patienten. Letzterer ist ist übrigens mein Lieblingsbaby 2008: Weil ich selbst dabei so schön lachen kann, und weil ich stolz darauf bin, dass ich auf meinem Blog etwas etablieren konnte, dass richtige Fans hat – damit hatte ich nicht gerechnet, als ich vor fast genau elf Monaten meinen Laden hier aufgemacht habe.

Ich reiche dies Stöckchen weiter an LeseLustFrust, den Medizinalrat Dr. von Pé, Boff vom Sockenblog, Petra van Cronenburg, sowie an die Freunde des Handlichen vom manualBLOG: Freunde, gebt mir 5!

Wer noch Freude an einer persönlichen Jahrenshitliste mit 5 Punkten hat, darf natürlich einfach den Holzprengel einstecken und damit spielen, ist ja klar.

München und der Gipfel der Medientage

29. Oktober 2008

Die Medien tagen in München.

Deshalb läuft heute auf dem Sender, der so heißt wie der leicht entflammbare Vogel, die Übertragung des Mediengipfels der Medientage. Das ist so aufregend, dass ich nach ca. drei Minuten Streichhölzer zwischen meine Lider klemmen musste, damit mir vor lauter Aufregung nicht schwarz vor Augen wurde.

Hier eine Zusammenfassung der unglaublichen Neuigkeiten:

Öffentlich-Rechtlich … blah … Online … blah … Private …blah … Gugl …blah …Staatsvertrag … blah … Journalismus … blah … Medien … blah … Intendanten … blah … Sendung …blah … Portal … blah … Internet … blah … Verleger … blah … Reichweite … blah … Quote … Sender … blah … Prozente … blah … Kanal … blah … Rundfunk … blah … Angebot … blah … Werbung … blah … Fernsehen … blah … Senderechte … blah …

In einer freundlichen schwarzen Kulisse sitzt eine Horde unglaublich temperamentvoller frischer Herren und ein XX-Chromosom-Exemplar in Anzügen in fröhlichem Grau, grellem Schwarz und Unterhaltsam-Dunkelblau und murmelt sensationelle Worthülsen, schiebt sich gegenseitig Phrasen herüber, und schaut so mitreißend sauertöpfisch, da klebt man geradezu lechzend am Bildschirm, weil man darauf wartet, dass einer von ihnen verrät, welches Beruhigungsmittel die genommen haben mögen.

Auch wüsste ich gerne, in welcher Rhetorik-Schule man lernt, so bewegend sonor in den nicht vorhandenen Bart zu salbadern, so betonungsfrei von einem Schachtelsatz in den nächsten zu gleiten. Ebenso spannend wäre zu wissen, wieviel der Focussierer mit der hässlichen Haarmatte vom Suchmaschinenriesen dafür bekommt, dass er ständig dessen Namen ausspricht.

Mir werden schon die Finger schwer vor lauter Enthusiasmus, so reißt mich diese von unglaublich genialen Tontechnikern so lebendig mitgestaltete Sendung vom Hocker.

Sollten Sie, liebe Leser, gleich seltsame Geräusche vernehmen, die entfernt an Sägen erinnern: So klinge ich immer, wenn vor lauter Mitgerissensein mein Temperament überschwappt!

krrrch … krrrch … krrrch … krrrch …

Was das Schlimme daran ist? Da wird in einer Verächtlichkeit der Medienkonsument, also ich, Sie, Du da hinten, die da vorn und auch der neben dir als Klick- und Kuckvieh durchgereicht, dass man nicht übel Lust hat, seine gesamte Unterhaltungselektronik plus Gedrucktes auf die Müllkippe zu bringen und künftig nur noch leeres Papier zu kaufen, auf dem man sich seine Unterhaltung selbst zusammenkritzelt – da hätte ich dann wenigstens garantiert gute Unterhaltung.

Deutschland-Elf ist Vize

30. Juni 2008

Die Löw-Elf ist nach 10 Minuten vor spanischem Machismo eingeknickt:

Der brave Beta bleibt Beta, wenn Alpha laut genug Alpha, Alpha macht.
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