Atomkonzern hat Grund zur Klage – Ölmultis zittern


Ein nicht unbekannter süddeutscher Energiekonzern erwägt, Klage zu erheben gegen die Fortzahlungsanordnung der Regierung hinsichtlich der Brennelementesteuer trotz Laufzeitverkürzung ihrer AKWs.

Nun, Juristen müssen ja auch ihr Brot verdienen, mal sehen, ob es ein netter Versuch wird.

Aber der Energieriese hat noch mehr Gründe zur Klage, und da hilft kein juristischer Beistand:

Letzten Monat haben meine Nachbarn schon den Ausstieg aus der Atomenergie vollzogen, und justament am gestrigen Tag habe ich mit einigen Mausklicks erledigt, was ich schon seit vier Jahren vor mir hergeschoben habe: Lethargie überwunden, Anbieter gewechselt. Demnächst wird hier der Kühlschrank nur noch mit Ökostrom aus Wasser befeuert.

Der CO2-freie Strom kommt nicht nur meinem Umweltgewissen zu pass, sondern obendrein auch meinem Sparbrötchen-Gen: Der Öko-Saft ist nämlich billiger als die schmutzige Ramschware aus dem Landkreis Landshut.

Rein emotional kann ich übrigens bestätigen, dass es sich ganz behaglich lebt mit erneuerbaren Energien: Das Ferienhaus, in dem ich den letzten Urlaub verbrachte, war nicht nur ein Designer-Sahnestück (in so was macht man Ferien, dauerhaft drin wohnen will man gewiss nicht!), es war dank Solartechnologie und anderem High-Tech-Gedöns obendrein komplett energie- und wasserautark, das hat weder dem privaten Pool noch dem separaten Whirlpool unterm freien Himmel einen Abbruch getan.

Denn ganz ehrlich: In einer Holzhütte ohne Dusche, Badewanne, HD-Satelliten-Fernseher und WLAN wollen doch maximal die Grünen oder Kirchentagsbesucher ihre Ferien verbringen, aber ich doch nicht! Ich bin doch nicht umsonst ein überzeugter Zivilisationskrüppel, schrieb ich nicht dieser Tage erst „Camping ist doof!„!

Nachdem nun also ein gewisser Atomstromproduzent dabei ist, sich sein Firmenlogo in den Allerwertesten zu beißen, können aber die Ölmultis denen schon einmal zuschauen, wie man das macht.

Denn die Monate sind gezählt, in denen hier die Heizung mit fossilem Brennstoff betrieben wird. Die Bagger und Buddler nähern sich Schritt für Schritt, und irgendwann demnächst wird es hier laut, aber lustig: Dann wird nämlich auch meine Gegend mit Geothermie versorgt. Wenn man schon Heizkosten bezahlen muss, dann doch lieber in die gemeindeeigene Versorgerkasse, die sitzen vor der Tür und ich kann ihnen auf die Finger schauen!

Ja, stimmt, ich habe gut reden, ich wohne in einer privilegierten Gegend. Aber ich freue mich nun einmal darüber.

Was mich an eine Anekdote erinnert.

Im Frühjahr, in der S-Bahn, rein zufällig am bayrischen Derbleck’n-Tag, also dem Starkbieranstich am Nockherberg:

Zwei Wichtigtuer enge Mitarbeiter eines CSU-Ministers in München waren dumm genug, sich ausgerechnet zu mir setzen.

Der Eine: „Gestern hat ja angeblich die S-Bahn wieder stundenlang auf freier Strecke festgehangen!“

Ich: „Nix angeblich! Ich saß drin. Sie wissen schon, dass der ÖPNV in Bayern was für Leute ohne Hobby ist, ja?“

Der Andere: (schaute ängstlich)

Sie reckten sich in gefährliche Nähe der Fensterscheiben, als wir die Gemeindegrenze Richtung Unterföhring überfuhren und die nicht eben winzige Photovoltaik-Anlage rechts der Schienen zu bewundern war. Mit Glotzaugen und langen Hälsen: „Solar ….!“

Ich: „Toll, ne! Wir in Unterföhring machen sogar Strom selber!“

Der Eine: „Ach, Sie sind von hier!“

Ich: „Nee, aber wohn‘ hier. Das allerdings aus Überzeugung!“

Der Andere: „Ja, ja, Wohlstandsgemeinde Unterföhring …!“*1

Ich: “ Wohlstand? Pfff … Wir*2 sind reich! Rot und reich! Fragen Sie mal unseren Bürgermeister, vielleicht erzählt der Ihnen ja, wie reich geht!“*3

Wenn sich nun noch jemand fragen sollte, warum es von Vorteil sein kann, in Bayern zu wohnen, weiß ich auch nicht: Wo sonst kann man seine politischen Antipathen noch selbst mit Häme übergießen, dass der halbe S-Bahn-Waggon lacht? Von solchen Momenten zehrt man monatelang, das, liebe Leser dürfen Sie mir glauben!

*1: München träumt seit Jahrzehnten davon, Unterföhring eingemeinden zu können: Die Gemeinde zählt zu den reichsten Bayerns und hat mehr als eine Viertelmilliarde auf der hohen Kante – das fuchst die Münchner total, weil Ufö nicht mitspielt und Ufö bleibt! Ey, wir hier lieben das!

*2: Unterföhring ist reich. Also, die Gemeinde. Aber natürlich nicht alle Unterföhringer.

*3:  Der Bürgermeister von Unterföhring lässt zu Kommunalwahlen gern plakatieren „Wählt Schwarz!“ So heißt der Franz nämlich mit Nachnamen. Aber sein Parteibuch ist natürlich SPD-rot. Im Gegensatz zu diversen SPD-Persönlichkeiten auf Bundesebene macht er eigentlich ziemlich viel richtig. Das fängt schon damit an, dass er nicht nur seine Bürger grüßt, sondern er grüßt sogar zuerst!

Aus Dortmund kannte ich das anders. (Gell, Herr Langemeyer, nicht nur mit dem Grüßen hatten Sie es nicht so!)

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6 Antworten to “Atomkonzern hat Grund zur Klage – Ölmultis zittern”

  1. wahrsagercheck Says:

    Danke für die Informationen über Unterföhring.
    Gibt’s da auch ein schickes kleines Hotel, von dem aus man mit öffentlichen Verkehrsmitteln fix nach Schwabing Nord kommt?
    Wenn ich in der Gegend schon Reisespesen aus dem Fenster werfe muss, dann möchte ich mir den Empfänger eines kleinen Steueranteils doch gerne aussuchen mögen.

  2. joulupukki Says:

    hihi, gut gebrüllt, Löwin!
    Jetzt versteh ich auch das schlechte Rating dieses Artikels, da hat sich wohl ein CSUler auf deinen Blog verirrt?

  3. Lakritze Says:

    Was für ein Schützenfest.😀

  4. buchstaeblich Says:

    Das war wie Schiffe versenken: Getroffen und versenkt.

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