Comeback als Religiöse?


Falls es irgendwen gibt, der mich während meiner Blogpause vermisst hatte: Wenden Sie sich bitte mit Dankschreiben an Florian Freistetter, auch bekannt als Astrodicticum Simplex und SPON.

They made my day. Ich habe mich über die Artikel und die dazugehörigen Kommentare (bei SPON im Forum) dermaßen amüsiert, dass ich mich inspiriert fühle, darüber nachzudenken, ob Religion nicht vielleicht doch ein tolles Hobby wäre.

Jetzt habe ich natürlich schon zu oft Kritik an den bereits existierenden Religionen geübt, als dass man mich dort mitspielen ließe. Aber findig, wie ich bin, kam mir beim Balkonrauchen (Nein, ich rauche keine Balkone, ich rauche auf dem Balkon!) die Idee, einfach eine neue zu gründen.

Ich könnte ja vielleicht eine Grimmianerin werden. Grimms Märchen sind schließlich auch eine Legendensammlung. Hoffentlich erreiche ich vor dem für morgen geplanten Weltuntergang noch meine Vermieter, damit sie mir erlauben können, ein Lebkuchenhaus im Garten aufzustellen zwecks Ausübung meiner Religion. Dann muss ich noch den Glaser anrufen: Ich brauche unbedingt einen Glassarg für religiöses Schlafen und Glas-Pumps, die ich an Festtagen – z. B. am Zwergen-Gedenktag – auf der Treppe vorm Haus rituell verlieren könnte.

Meinem Friseur muss ich leider die Gefolgschaft kündigen, denn hey, als ordentliche Grimmianerin muss ich natürlich den Rapunzel-Look tragen. Das ist unpraktisch und sieht scheiße aus, aber wer je Kirchentagsbesucher gesehen hat, kann sich ein Beispiel an ihnen nehmen. Was die rein äußerlich auf sich nehmen …

Wo ich die zwölf Brüder hernehmen soll, weiß ich nicht, aber ich könnte meinen Mann auf Fischer umlernen lassen und im Ruderboot auf dem Feringasee „Manntje, manntje, timpe tee“ gröhlen. Das macht bestimmt fast soviel Spaß wie Fangesänge für Borussia Dortmund.

Wenn der Gatte Fischer wird, ist das besser, als wenn er ein tapferes Schneiderlein wird, weil ich kein Pflaumenmus mag. Schon gar nicht mit totgequetschten Fliegen drauf.

Ich selbst könnte mir noch zwei Gefährtinnen suchen, denn Spinnerinnen arbeiten ja laut Grimms zu dritt. Und wenn eine spinnen kann, dann bin das unstreitig ich. Nicht umsonst trage ich mich mit dem Gedanken, mir Religion als neues Hobby zu suchen.

Ein wenig schreckt es mich ja ab, mich künftig mit Lumpengesindel abgeben zu müssen, aber mei, wenn der Glaube es verlangt. Christen müssen freitags Fisch essen und gefolterte Leichen angucken, das kann ja auch nicht nur lustig sein.

Aber das rote Köppchen könnte mir stehen. Wenn ich die Großmutter zusammen mit dem großen bösen Wolf zu den sieben Geisslein schicke, wäre es auch gleich gar nicht mehr so überfüllt im Garten, zumal Hänsel und Gretel laut den Gebrüdern Grimm wieder bei ihren Eltern leben, glaube ich.

Drei goldene Haare, nun, dafür müsste ich die aufgekündigte Gefolgschaft zu meinem Friseur dann doch wieder rückgängig machen, sonst kann ich unmöglich zum Konzert der Bremer Stadtmusikanten gehen! So zwischen den Hörnern, das müsste kleidsam sein.

Aber halt: Ich müsste regelmäßig rituell den fetten Frosch in unserem Garten aus seinem Erdloch fischen und abknutschen. Das ist ja fast so widerlich wie in Jesusfleisch verwandeltes Esspapier zu Lutschen und „Trinke, dies ist SEIN Blut“ zu schlürfen.

Iiiiiiiihpfuibah. Ne. Da bleib ich doch lieber Atheistin, mache morgen im Garten mit den Nachbarn Rudelgucken bei „Weltuntergang, die 178.000-ste“.

Falls es aber doch klappt, dass all die guten Christen morgen wie Luftballons gen Himmel fahren, dann winke ich fröhlich den C-Parteien samt Herrn Seehofer und Frau Merkel hinterher, und das wäre ja auch schön. Das FDP-Problem wird sich dann wohl auch endgültig erledigt haben, soweit ich weiß, sind die meisten von denen getauft. Frau Koch-Mehrin wird wohl bleiben. Die hat schließlich abgeschrieben, und Plagiateure sind keine guten Menschen. Aber sie kann alle verwaisten Ämter unter sich aufteilen oder zu Guttenberg überreden, ihr zu helfen. Die ticken ja ähnlich, die müssten sich verstehen.

Und die CSU gibt es dann ja nicht mehr – sind ja alle im Himmel.

Fürs Blogiversum wäre ein Abschweben der C(hristen)-Menschen aber schlecht. Wir hätten viel weniger zu lästern. Und das will man ja auch nicht, oder?

Und dann war da noch ein guter Tipp aus Dulsberg-Nord.

Bernd Harder von der gwup empfiehlt, den Haustieren der Entrückten Asyl zu gewähren.

Auch schön.

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30 Antworten to “Comeback als Religiöse?”

  1. cimddwc Says:

    Ich finde Grimmianismus auch aus einem anderen Grund schlecht: Es würden bestimmt heftige Streitereien und Kriege darüber ausbrechen, welche(s) der Märchen und der dazugehörigen Rituale die wichtigsten, höchsten, wahrhaft seligmachenden wären. Und wenn man sieht, was schon die abrahamitischen Religionen und ihre diversen Varianten so anstellen…

    PS: Willkommen zurück aus der Pause!

  2. buchstaeblich Says:

    Ja, wahrhaftig, Grimmianismus ist genauso gewaltauslösend wie alle anderen Religionen auch.
    Und Glaspumps können auch eigentlich nicht bequem sein.

  3. Harald E Says:

    Liebe Mädchen kommen in den Himmel….böse Mädchen kommen überall hin.

    Und ob die schwarz-gelbe Banausenbande wirklich im Himmel ankommt, wage ich zu bezweifeln.
    Mir würd’s ja schon reichen, wenn die 100 Meter hoch fliegen und ihnen dann vom Kontroll-Engel der Ballon abgenommen wird („SIEEEEE ???… ganz sicher nedd !!“)

  4. buchstaeblich Says:

    Oh, Herr E!
    Nun haben Sie mich ja doch gefunden – willkommen!

  5. rolandschwarzer Says:

    Herzlich Willkommen zurück!
    Das Tragen von Glaspantoffeln ist übrigens nicht nur unbequem und unpuschlig, sondern außerdem seit der europäischen Glaspantoffelverordnung von 1764 nur dann zulässig, wenn der Glaspantoffel zu mindestens 100% aus Leder besteht. Und wir wollen uns doch nicht mit der EU anlegen gell?
    Dem Grimmianismus finde ich von der Grundidee her lobenswert, wenn es Ihnen denn gelingt, einige dogmatisch-fundamentlaistische Tendenzen daaus zu entfernen. (Sonst brennen bald überall s.g. Hexen in Backöfen, was nun eindeutig gegen die europäische Backofennutzungsverordnung verstoßen würde.) Außerdem läßt der PKHF™-Beauftragte für interreligiösen Dialog darauf hinweisen, daß die PKHF™ Anspruch auf das Schlaraffenland erhebt.
    Aber sonst ist alles i.O.

    • buchstaeblich Says:

      Herr Schwarzer,
      dann bin ich aber echt froh, dass ich nun doch keine Grimmianerin geworden bin, puh! Unpuschligkeit und die EU im Nacken – nee, das wäre mir zuviel.

  6. Fellmonsterchen Says:

    Eine Religion, in der Nougat und Caipi eine zentrale Rolle spielen, wäre übrigens auch eine sehr gute Idee. Eine treue Gläubige wäre Ihnen auf jeden Fall sicher.

  7. bee Says:

    Oh, Schokolade! Die Frau Doktor ist wieder da🙂

    Zweidrei Glaubensgrundsätze und so müsste man natürlich noch ein bissel ausarbeiten, ich wäre beispielsweise dafür, Sankt Hänsel und Gretel als mehrtägiges Hochfest zu feiern mit Lebkuchen, bis der Kardinal kommt. Auch eine Erhebung der drei Männlein im Walde zur Dreifaltigkeit 3.0 wäre okay. Und in die Grimmianischen Andachtsräume kommt statt der üblichen Altaltäre ein hübsches Tischleindeckdich.

    Abgesehen davon akzeptiere ich ab sofort keine aus dem englischen Originaltext der Bibel hergeleiteten Enthüllungen mehr, die ich nicht selbst gefälscht habe.

  8. Perlenschwein Says:

    Liebe Frau Seltsam,
    so musste ich Sie denn gestern wieder in meine Blogrolle auf nehmen, oder hätte ich „durfte“ schreiben sollen?! Sie sind ein bisschen wie Lippenherpes, das geht auch immer weg und kommt dann nach einem Jahr wieder. Ja, deutlich erfreulicher als Lippenherpes, natürlich. Anyway, welcome back!

    Ich würde mich ja gern zum Grimmianismus äußern, aber leider fehlt die Zeit, den bekanntlich geht heute die Welt unter. Und ich muss noch das Bad putzen und Einkaufen, nur für den Fall, dass dem 89-jährigen US-Prediger Harold Camping ein Rechenfehler unterlaufen ist. Wir sehen uns dann sicher im Jenseits.

    Falls vorher noch Zeit ist, können Sie ja mal meinen Beitrag
    http://www.kassandrus.de/blog/jesus-und-mohammed-gleich-hitler-und-stalin lesen. Ansonsten wünsche ich einen fröhlichen Weltuntergang und grüße wie immer freundlich aus dem Umfeld der Klönnestraße.

    • rolandschwarzer Says:

      Sie sind ein bisschen wie Lippenherpes

      Charmant, charmant Sie alter Schwerenöter. Nicht wahr, die Weiber rennen Ihnen die Hütte ein? Und ich Idiot versuche es jahrelang mit allerlei Liebesgesäusel…:mrgreen:

    • buchstaeblich Says:

      Lippenherpes? Sie alter Charmeur!
      Weltuntergangstechnisch ist hier übrigens niemand irgendwohin gefahren – Belegschaft vollzählig!

  9. Camping ist doof « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] Buchstaeblich seltsam! Man macht sich ja so seine Gedanken, ne? « Comeback als Religiöse? […]

  10. Lakritze Says:

    Ah, da isse wieder! Wie schön!😀
    Grimmianer müssen übrigens zölibatär leben. Mit der Hochzeit enden bekanntlich die meisten Märchen.

  11. nagelneuestestament Says:

    Mist, schon wieder einen Weltuntergang und die Rückkehr von Frau Buchstäblich verpasst. Wobei beides nicht unbedingt in ursächlichem Zusammenhang stehen muss.

    Grimmianer kann ich nicht werden, leider, bin schon Andersenianer. Eine Untergruppe der Hans-Christen. Die sind wiederum mit den Hans-Würsten verwandt. Aber Ihre Idee ist nicht schlecht. Kirchlich verordnetes FKK mit neuen Kaiserskleidern hat was. So eine Prozession, wenn man Jesus Nagel in echt sieht, dazu die Stelle, an der Maria genagelt wurde. Also ich rede natürlich von den sieben Geißleinstationen auf dem Leidensweg Christi. Und dazu Choräle, intoniert von den Bremer Stadtmusikanten…

  12. 6kraska6 Says:

    Schön, das Sie wieder mal da sind! Als Andersenianer (Apostel Zwerg Nase) grüßt: Mag. Kraska

  13. Schaps Says:

    Was ich mich immer frage. Was ist nötig, um eine Religion zu gründen? Und bekommt man dann auch was von der Kirchensteuer? Bestimmt herrscht auf dem Gebiet schlimme Diskriminierung!
    Grimm als Ansatz für eine neue Religion zu wählen klingt recht schlau. Gibt da ja wirklich genug Mythen und Erzählungen. Die allesamt auch um einiges interessanter sind als die in der Bibel🙂

  14. richensa Says:

    Juhu! Du bist wieder da und gleich mit dem Paukenschlag einer angekündigten Religionsgründung!

    Die deine wäre auf alle Fälle sehr bunt, manchmal etwas kriegslastig, dafür hätte frau manchmal sieben kleine behaarte Männer an der Backe… oder auf Hüfthöhe oder so…

    Ist wirklich ne Überlegung wert, als gelernte Ex-Katholikin hatte ich schon immer Spasss an den Geschichten aus nem dicken Buch, die nur im ersten Teil etwas spannender waren!

  15. joulupukki Says:

    Na sowas, die Welt ist klein. Da läßt doch ausgerechnet der Herr Freistetter die Mensch gewordene Scharfzüngigkeit wieder auferstehen. Den kenn ich noch aus Zeiten, als er bestrebt war virtueller Kanzler zu werden und der durchgeknallten NetzpolitikerInnen Szene den Weltraum zu erklären. Guter Lehrer Prophet, der Mann!

    Zur Gründung des spiriuellen Merchandising Shops empfehle ich die Froschtasche im Reliquien Look (muss nicht geküsst werden, lässt sich auch gut an die Wand werfen) passend zum Bösewolf-Mantel für die kühleren Jahreszeiten. Dann führen wir noch die Büßermischung aus der Aschenbrödel Edition und den hygienischen Rapunzel-Dispender fürs Fensterbrett.

    • buchstaeblich Says:

      Frau Joulupukki,

      Sie verstehen das Geschäft! Mit Grimmianer-Devotionalien lässt sich einfach mehr Geld machen als mit Hostien. Allein die Ballroben-Kollektion der Aschenputtel-Edition lässt mich ins Schwärmen geraten – zumal man ja stilecht die passende Kutsche zum Kleid brauchen wird.

      (kaut mit vollen Backen an einer Prinzenrolle)
      Ich gehe dann jetzt mal Schlösser entwerfen …

  16. DasSan Says:

    Wie wärs damit: http://de.wikipedia.org/wiki/Wicca
    Das hat auch Berührungspunkte mit Grimms Märchen, ist aber als Religion schon anerkannt.

    • buchstaeblich Says:

      Die sind keinen Deut besser als Esos. Davon kriege ich Ausschlag. Außerdem: So doll kann ich gar nicht Wechseljahre haben, dass ich mit alten Eulen um ein Feuer hopsen möchte.

  17. Himmelhoch Says:

    Ich merke, mir hat doch was gefehlt, dass ich so lange nicht mehr hier gelesen habe. – So eine zweite Hexenkarriere wäre schon eine Überlegung wert.
    Clara, die Himmelhohe

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