Ein schöner Tag zum Sterben?


Lesenswerte Gedanken zum Thema moderne Medizin und Sterben liest man bei SpOn in einem interessanten Interview
mit Michael de Ridder (Leiter der Rettungsstelle des Urban-Krankenhauses in Berlin-Kreuzberg).

Herr de Ridder verweist auf die Grausamkeit, die es bedeuten kann, in die Mühlen des Gesundheitssystems zu geraten und auf Teufel komm ‚raus „gerettet“ wird.
Wobei „Rettung“ oftmals meint, dass Herz und Atmung und die eine oder andere weitere Vitalfunktion ihre Funktion nicht, bzw. nicht dauerhaft verlieren.

Ob das, was da „gerettet“ wird, Leben, resp. lebenswert ist, scheint oft genug nicht von Belang für Mediziner zu sein. Vom Willen des Patienten ganz zu schweigen.

Spontan musste ich an eines meiner Lieblingsbücher denken. „House of God“ ist zwar schon ein „alter Schinken“ aus den 1970ern, hat aber offensichtlich an Relevanz nicht verloren.

Man schluckt anfangs ein wenig angesichts der Darstellung des Krankenhausbetriebs in den USA der 1970er und der damit zusammenhängenden Ausbildung junger Ärzte und der damit einhergehenden Entmenschlichungsgefahr.
Aber Samuel Shem meinte es mit der Definition der Gomer (Get out of my Emergency Room!) genau so wenig schlecht wie wenn er die hysterischen sexuellen Eskapaden der angehenden Ärzte schilderte, in die diese flüchten ob der Umstände, unter denen sie arbeiten mussten.

Das Buch hat seinerzeit mit dazu beigetragen, Zustände in den USA zu verändern.

Nach der Lektüre des Interviews mit Herrn de Ridder war mir dringend danach, wieder einmal über dieses Buch zu sprechen – es hat Bezüge zur Gegenwart:

Gomer sterben nie. Sie gehen zu Boden.

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2 Antworten to “Ein schöner Tag zum Sterben?”

  1. Schaps Says:

    Das Problem bei Sterbehilfe ist zum Beispiel. Wer entscheidet welches Leben es noch wert ist verteidigt zu werden. So sehen viele die Abtreibung aufgrund von Behinderungen genauso kritisch. Ist nicht leicht, das Thema.

  2. buchstaeblich Says:

    Leicht nicht, nee. Aber mehr Mitsprache für Patienten wäre schon schön. Und wenn Rettung nur Leidensverlängerung oder Reanimation lediglich Koma nach sich zieht, ist das auch so eine Sache.

    Nur, weil es nicht leicht ist, so lange zu reanimieren, bis definitiv nichts mehr zurück zu holen ist, ist auch keine Lösung.

    Die am würdigen Sterben – gleich welcher Konstellation – Gehinderten, die mir bislang so unterkamen, wären allesamt froh gewesen, wenn man sie nicht zu so elendem Krepieren gezwungen hätte.

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