Fußballwelt trauert um Robert Enke


Nationaltorwart Robert Enke (Hannover 96) wurde gestern von einem Regionalzug erfasst.
Laut Aussage seines Beraters Jörg Neblung habe der 32-jährige Suizid begangen.

Die Fußballwelt ist erschüttert, die Medienwelt ist beschäftigt.
Überall hört, sieht, liest man davon.

Und davon, dass Robert Enke eine Ehefrau und eine acht Monate alte Adoptivtochter hinterlässt. Der nun das Mitgefühl von Sportfunktionären etc. gehört. Was natürlich richtig so ist. Es ist schlimm, wenn eine junge Frau, die vor einigen Jahren ihr leibliches Kind wegen einer Herzkrankheit verlor, nun auch den Ehemann verliert und ein sehr kleines Kind allein großziehen muss.

Aber davon, dass er auch einen traumatisierten Lokführer hinterlässt, der nun damit zurechtkommen muss, nicht nur überhaupt einen Menschen, sondern obendrein einen Fußballstar unfreiwillig vom Leben in den Tod befördert zu haben, spricht leider niemand.

Das ärgert mich.

Update:
Wenigstens ärgere ich mich nicht ganz allein.
Der Pendler ist da auch nicht unbetroffen.

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21 Antworten to “Fußballwelt trauert um Robert Enke”

  1. entegutallesgut Says:

    Gut aufgezeigt!
    Aber das ist der Egoismus eines Selbstmörders. Daran denkt er nicht. Und die Fußballwelt auch nicht, weil sie jetzt Angst hat, wieder mehr Tore zu bekommen.

  2. buchstaeblich Says:

    Danke.
    Wenn jemand für sich keinen Ausweg mehr sieht, und sein Leben beendet, muss er das selbst wissen.
    Aber völlig Unbeteiligte wie Lokführer in die Rolle des Erfüllungsgehilfen zu zwingen, finde ich unglaublich grausam. Das ist genau so furchtbar, wie mit dem Auto in den Gegenverkehr zu rasen und wildfremde Leute mit in den eigenen Abgang hineinzuziehen.

    Wer sich selbst vom Leben abmelden möchte, kann auf andere Methoden zurückgreifen.

  3. juliaL49 Says:

    Japp, war auch mein erster Gedanke, als ich von seiner feigen Art Selbstmord zu begehen erfahren habe.

  4. T.M. Says:

    Ich hab mal einen Lokführer im TV gesehen, der sagte, es sei jetzt bei ihm das siebte Mal gewesen … Was man sich in der Situation sagen muss, ist, dass man wirklich nichts dafür kann, nicht einmal mehr bremsen.

    Viel schlimmer finde ich allerdings diese elenden Betroffenheitswellen, die bei solchen Anlässen durch die Medienwelt geprügelt werden. Es ist ja nun damit zu rechnen, dass die Persönlichkeit des Opfers (er ist ja nur Opfer) bis in den hintersten Winkel vor aller Öffentlichkeit seziert wird, von selbsternannten Experten, die alles ganz genau wissen. Wir werden bald über seinen Mageninhalt und über die Anabolika-Konzentration in seinem Urin bescheidwissen. Und wir werden nicht weiterleben können ohne diese wichtigen Informationen.

  5. Tobinger Says:

    Darüber machen sich wohl die meisten Suizidenten die wenigstens Gedanken. Ist leider so und sehr schade😦

    Vielleicht spielt (insbesondere beim Überrollen lassen) tatsächlich der Gedanke mit, dass man sich absolut sicher sein will, dass es klappt.

    Ich hoffe, dass der Lokführer die ganze Geschichte gut verarbeiten kann.

    Mein Mitgefühl gilt vor allem der ganzen Familie des Lokführers sowie Frau Enke und er kleinen Leila. Sie konnte wohl Roberts verstorbene leibliche Tochter nicht ersetzen.

  6. buchstaeblich Says:

    „Sie konnte wohl Roberts verstorbene leibliche Tochter nicht ersetzen.“

    Autsch! Das klingt mehr als gruselig.

  7. quadratmeter Says:

    Ich habe das auch spontan kommentiert, als ich die Nachricht hörte. Die armen Menschen, die die Überreste einsammeln durften, der arme Lokführer, Polizei etc.

    Ich wäre aber generell vorsichtig mit Aussagen á la „feige Art Selbstmord zu begehen“. Wohl dem, der hoffentlich niemals in die Situation kommen möge, dass es ihm so scheisse geht, dass er keinen anderen Weg mehr sieht.

    Der Medienhype nervt und wird sich wohl noch eine Weile hinziehen.

  8. buchstaeblich Says:

    Ob ein Selbstmord feige oder mutig ist, kann man nur im Einzelfall entscheiden. Und als Außenstehender ohnehin nur schwer – ich mag mr da nichts anmaßen, bei egal wessen Suizid.
    Ich unterstelle Herrn Enke auch nicht, dass er bewusst dem/einem Lokführer oder anderen Beteiligten schaden wollte.
    Trotzdem ist dem Lokführer (und anderen) eine Grausamkeit zugefügt worden – so etwas traumatisiert.

    Und wie schon im Artikel erwähnt:
    Mich nervt speziell, dass jeder nur über Herrn Enke und seine Hinterbliebenen spricht und niemand über die anderen Beteiligten.

  9. Lorenz Meyer Says:

    Wer denkt eigentlich an all die unschuldigen Bahnreisenden, die durch die Zugverspätung zu spät (z.B. zum Abendessen) gekommen sind?

  10. buchstaeblich Says:

    Die denken an sich selbst.

  11. redwolf2222 Says:

    RRRR. Dein Argument läuft eigendlich gegen Selbstmord an sich. Wenn jemand eine Person findet die sich selbst getötet hat, könnte dieser auch traumatisiert werden. Die Frage ist ob eine Traumatisierung hier stattgefunden hat. Hier Egoismus zu unterstellen halte ich für abwegig.

    It is a capital mistake to theorize before one has data. Insensibly one begins to twist facts to suit theories, instead of theories to suit facts.

    – Sherlock Holmes

  12. buchstaeblich Says:

    Redwolf,
    den vorletzten und letzten Kommentar haben Sie nicht verstehen können – das hat mit Interna zu tun – wir haben nur die Emoticons für den Ironiemodus vergessen.

    Ich habe nichts gegen Selbstmord an sich, obwohl es immer furchtbar st, wenn jemand einen erfolgreichen Selbstmörder findet. Deshalb bin ich der Meinung, man sollte sich gut überlegen, wie und wo man Suizid vollzieht.

    Tatsächlich finde ich es nicht so klasse, wenn Menschen sich vor Züge werfen, weil man damit willkürlich den in der Regel wildfremden Lokführer zum unfreiwilligen Erfüllungsgehilfen für das eigene Ableben macht.

    Wenn Sie wiederum das okay finden, steht es Ihnen selbstverständlich frei. Sie dürfen fühlen, was Sie möchten.

    • joulupukki Says:

      Hab mir anlässlich dieses Suizidhypes auch überlegt, welche Art Selbstmord denn nun eigentlich gesellschaftlich akzepatbel sein könnte. Bin eigentlich nur auf nächtlichen Sprung vom Kreuzfahrtschiff weit weit draußen gekommen. Alles andere wird wohl immer auf die eine oder andere Weise Unschuldige in Mitleidenschaft ziehen. Gibts eigentlich eine pietätsbefreite Ebene auf der solche Themen diskutiert werden können?

  13. kormoranflug Says:

    So ein Zug ist eben eine sichere Sache.

  14. er ist da Says:

    Nun auch ich war geschockt,vom tode robert enkes,aber was zur zeit abläuft ist nur noch nervent,so traurig es auch ist…er wolte es so…es hat ihn keine dazu getrieben…also nun macht ganz deutschland so als wäre der messias des fussball gestorben,es machen immer wieder menschen solch eine tat…und keiner redet davon..und nun auch noch eine staatstrauer daraus zu machen…ist doch ein witz…er hat es gemacht..warum sollen wir uns nundafür auch noch bedanken…mit eine beerdigung…wie für einen könig oder kaiser…..er war nicht diana oder der papst…er war nur ein torwart……

  15. Julian Says:

    Ich bin extrem genervt von dem ganzen Medienrummel. Nur weil ein labiler obendrein stinkreicher Fußballer keinen Sinn mehr in seinem Leben sah und sich dann vor nem Zug schmeißt, für so Menschen habe ich kein Mitleid, so etwas ist einfach nur schwach und verdient auf keinen Fall noch beweihräuchert zu werden. Würden wir in einer nicht so fernen Vergangenheit leben, gäbe es für so nen Abgang nicht mal ne Beerdigung. Ich mein gibt es nix wichtigers? Was ist mit den gefallenen Bundeswehrsoldaten? Die werden nur kurz erwähnt, dabei sind das die wahren Helden. Die hinterlassen meistens mehr als nur Frau und Adoptivtochter, dafür aber kein Millionenvermögen. Die Familien der Soldaten sind meist allein gelassen mit einer mikrigen Abfindung.

    • Frank J. Says:

      Ich bin über diesen schneidigen Kommentar gestolpert, aber nicht gefallen. Und ich bin „extrem genervt“ von Menschen, die dem Kriegshandwerk nachgehen und sich über die naheliegenden Folgen mokieren.

      Wahre Helden — ich muss Schluss machen und mich übergeben.

      -Frank

  16. atomias Says:

    robert enke nervt!
    ich kann es nicht mehr hören und lesen. überall werd dieses thema aufgegriffen und es nervt. berechtigt ist es eh nicht einen selbstmörder auch noch zu ehren und so ein tam tam drum zu machen. wenn dieser sportler ein vorbild war, was is wenn sie da ein paar idioten ein beispiel dran nehmen und auch den freitod wählen um da endlich die aufmerksamkeit zu bekommen die sie die ganze zeit vermissen. also finde es sehr überzogen. sry für seine frau und der kleinen, was ich nicht verstehe wenn er schon so lange ein prob wie kann man dann solchen psychischen problemen noch ein kind adoptieren.
    naja wollt nur mal meinen ärger bissl luft machen..

  17. Perlenschwein Says:

    Neidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneidneid!

    Worauf? Ruhm, Geld, Medienrummel. Aufmerksamkeit. Freunde. Eine Frau, die ihren Mann liebt. Oder einfach nur auf den verzweifelten Mut, sich vor einen heranrasenden Zug zu schmeißen. Diesen Mut hat ja wohl von den Klugscheißern, die sich hier und anderswo ausmähren, noch keiner gezeigt. Seid froh. Auch dass ihr, trotz Tamtam-Allergie und schleichendem Hirnschwund, nicht wisst, wie sich echte Depressionen anfühlen.

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