Williamson: Au, fein, Beweise!


Es gibt Nachrichten, wenn man die hört, will man ins Essen hauen. Dann ist es gut, wenn grad keines dasteht:

Der rekatholisierte Nicht-Bischof Williamson zeigt dem Papst eine lange Nase, denn er werde seine Holocaust-Leugnung erst wiederrufen, wenn ihm schlüssig bewiesen werde, dass dieser stattgefunden hat. So rauscht es durch den Medienwald, so steht es auch in der Zeit.

Ja, das ist doch einmal eine Aussage. Der will Beweise. Der. Der Ober-Hardliner, der in die katholische Kirche zurückkehren wollte, weil er und seine Freunde denen mal zeigen wollen, wie katholisch richtig geht. Denen das, was seine Hartleibigkeit Ratzinger so von sich gibt, als Sissikram erscheint.

Wir erinnern uns: Die katholische Kirche erhebt wie alle anderen Religionen den Anspruch darauf, etwas zu vermelden zu haben mit der Argumentation, ein planetenerschaffendes Fabelwesen wolle das so und nur, wenn man zum Club gehört und entsprechende Rituale mitspiele und den Club sponsore, sei alles gut, und sonst eben nicht.

Sagt also Williamson:

„Wo die Menschenrechte als eine objektive Ordnung verstanden werden, die der Staat durchsetzen soll, da kommt es immer zu einer antichristlichen Politik.“

Ja. Ja, ja. Wie kommt das bloß? Nicht etwa davon, dass das mit den Menschenrechten im Christentum nicht ganz so, äh, also:  Sie wissen schon? Da muss ich doch den Herrn Wowereit zitieren, der in einem anderen Zusammenhang „Und das ist gut so!“ sagte. Denn die Menschenrechte auszuhebeln, weil die Kirche das so wünscht, kann wohl irgendwie nicht so ganz angehen, nicht wahr?

Der Herr Williamson wünscht, Frauen mögen bitteschön keine Hosen tragen. Weil Gott das so wolle.

Man stelle es sich vor: Frauen sollen keine Hose anziehen dürfen, weil eine Sagengestalt aus einer antiken Legendensammlung von einem Mittelalter-Fan so verstanden worden ist!

Man bemühe die Suchmaschine mit dem Satz: Frauen dürfen keine Hosen tragen.

Da kommt keine Online-Ausgabe der Legendensammlung, in der das so steht. Und selbst wenn, wäre es immer noch ein Ausschnitt aus einer Legendensammlung. Nicht mehr. Wer von uns schläft im Glassarg, weil er Schneewittchen gelesen hat?

Nun, die Austrittswelle rollt. Da sind Deutschland, Österreich und die Schweiz einmal privilegiert: Hier sind Austritte aus der Gemeinschaft möglich. Woanders geht das nicht. Und es zeichnet sich ab, dass es empfindliche viele Leute werden könnten, die den Vatikan nicht mehr via Kirchensteuer dafür bezahlen, Holocaust-Leugner in den Verein zu lassen. Aber vielleicht fällt denen etwas Anderes ein, dem Club in Rom zu demonstrieren, was sie davon halten, dass sie mit „so einem“ im selben Glaubensboot sitzen sollen.

Vielleicht machen die es ja ganz perfide, stellen ebenfalls sämtliche Zahlungen ein und handeln im Sinne Williamsons:

„Der Vatikan kriegt solange keine müde Münze, keinen Besuch in den Gotteshaus-Filialen, bis wir mal einen eindeutigen Beweis für die Existenz Gottes haben.“ und bis die Leugner des Todes von Millionen Menschen den Stuhl vor die Tür gestellt bekommen haben.

2010 will der Herr Ratzinger nach Deutschland kommen für seine übliche Pop-Show. Aber wer hat nach der Nummer noch Lust, sich ein Pappplakat zu basteln mit : „Ratze, ich will ein Kind von dir, Du geile Heiliger Sau Vater!“?

Ich freue mich jedenfalls über die Nachricht, dass der Verfassungsschutz aufwacht, um einmal etwas Nützliches zu tun, indem die Pius-Brothers nun ordentlich durchleuchtet werden sollen.

In solchen Momenten kann man es direkt genießen, in Deutschland zu leben.

Zum Thema Beweise allgemein fand ich übrigens im Merkur noch ein sehr lesenswertes Interview mit dem Kabarettisten Vince Ebert, das man jetzt vielleicht zum Abregen ganz gut brauchen kann.

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19 Antworten to “Williamson: Au, fein, Beweise!”

  1. 6kraska6 Says:

    Ich habe im Netz das inkriminierte Video des schwedischen Interviews gesehen. Man kann sehr deutlich studieren, daß sich da nicht ein Kretin in einen versehentlichen Rausch faselt, sondern die revisionistischen Provokationen kommen äußerst überlegt, präzise formuliert und klar positioniert. Zu Schluß sagt der fromme Faschist zu den Interviewern: Aber bitte Vorsicht! In Deutschland ist, was ich sage, verboten – da käme ich ins Gefängnis. – Ach, wär das nicht schön? Williamson begleitet 2010 den Papst beim Deutschlandbesuch und wird verhaftet! Er kommt in einen Knast zusammen mit mit 2000 muslimischen Haßpredigern und HAMAS-Heinis und… wie? Na, man wird doch träumen dürfen!

  2. juliaL49 Says:

    Hach, Frau BuStä, Sie sprechen mir mal wieder aus der Seele! Beweise fordern dürfen natürlich nur diejenigen, die aus historischen Gründen („das war schon immer so“) die Macht haben.
    Ich würd ja gerne nochmal eintreten in die Kirche, damit ich austreten kann, aber das könnte das falsche Signal senden, oder?!

  3. buchstaeblich Says:

    Ich habe den Vatikan samt Katholizismus, aber auch die Rundherum-Relgionen mein Lebtag noch nicht so genossen: Welch grandiose Show! Das ist besser als Mittelalter, denn dank Internet und modernen Medien kann jeder mitspielen und sein Team anfeuern.

    Und es macht so tief empfundene Freude, weil sie sich gegenseitig erledigen.

  4. Dr. No Says:

    Das Schlimme ist ja, dass man den Verein auch nach einem Austritt mitfinanziert, nämlich über den ganz normalen Steuertopf . Noch so’n Überbleibsel aus der Nazizeit. Naja – passt ja auch zum Thema.

  5. Hundslila Eskapist Says:

    „Und sie dreht sich doch nicht! Und eine Scheibe isse auch!“
    Heidenei, der ultimative Anti-Galileo bleibt „standhaft“.

    Wo doch ein lehrreiches Fortbewegen angebracht wäre, …wie etwa eine Klassenfahrt zu den Vernichtungslagern. Sollte problemlos aus der Sektenkasse zu finanzieren sein, in Anbetracht dessen was die Dumpfbrüder an Spenden seitens Wirrköpfiger einnehmen.

    Um letztere geht es Williamson vermutlich auch. Er bedient wohl bewußt die Nischenzielgruppe spendungskräftiger fanatisch-dummbrauner Schäfchen aus dem „“Die Juden“ haben unseren Messias umgebracht und müssen sühnen“-Milieu.

    Dem muß Ben16 nichts „beweisen“ – der behauptet eh zu glauben was er behaupten zu müssen glaubt. Ein rein ideologischer Akt.

    Ratze sollte vielmehr seiner Glaubensgemeinschaft erklären warum da (angeblich) kein Background Research bzgl. dieser Leute betrieben wurde, bevor man deren Exkommunikation aufhob.

    Diese Brüder wurden damals exkommuniziert, weil sie gegen den ausdrücklichen Willen des Vorgängerpapstes zu Bischöfen geweiht worden waren. Dafür gab es offenbar Gründe – ich tippe auf die kotfarbenen „Irrlehren“, aus welchen diese Bande ja keinen Hehl macht.

    Aus der Fachliteratur* über den „kirchlichen Strafanspruch“ (ja, ich habe sowas…don’t ask) geht immerhin hervor, daß die „Lossprechung von der Exkommunikation (…) und die Lossprechung von den Sünden (…) aufeinander abgestimmt werden“ muß. Exkommunikation ist nämlich eine „Sühnestrafe“, zu deren Strafzwecken auch die „Besserung des Täters“ gehört (can. 3 § 1). Auch ist vom „Zwecke der Beseitigung des Ärgernisses“ (can. 27 Schema 1973) die Rede.

    Den Holocaust leugnen ist – sehr, sehr gelinde gesagt – ein „Ärgernis“…selbst für den Klerus. Die kath. Kirche (deren Dogma auch ich für an mehreren Stellen menschenverachtend halte) erkennt offziell an und verurteilt (inzwischen/offiziell) eindeutig, daß der Massenmord an Millionen Menschen stattgefunden hat.
    Dem zu widersprechen ist folglich eine zu sühnende Sünde. Nicht widerrufen und auch noch trotzig werden (à la „ey, soll doch der Ratze erstmal beweisen, daß er Recht hat…bäh!“) geht garnicht.

    Ergo: Keine Reue = kein Erfolg der Sühnestrafe = keine Lossprechung von den Sünden = keine Basis für eine Rekonziliation. Erscheint mir so jedenfalls logisch.

    Na, das wird doch mal spannend ob sich eine der größten Weltreligionen hier an ihre eigenen Regeln („Codex Iuris Canonici“) hält und ihre braunen Schafe samt Leithammel gebührend abwatscht.

    Darüber werde ich dann mit Vorliebe zuerst hier im buchstaeblich seltsamen Blog lesen. Immer wieder sehr schön geschrieben!🙂
    ____________

    *Vgl. Schaaf, Der Kirchliche Strafanspruch: Die Begründung der kirchlichen Strafgewalt vom Jus Publicum Ecclesiasticum bis zum CIC/1983, 177, 187-188

  6. Hundslila Eskapist Says:

    Ei verflixt!!! Das war ja ein ellenlanger Sermon. (Jaja, wenn ich erstmal Wörter aneinanderreihere…).
    Ich widerrufe ohne Umschweife die Ausschweifungen meiner Weitschweifigkeit und gelobe stilistische Besserung.

  7. Dr. No Says:

    Beim Schweife des Propheten…

  8. buchstaeblich Says:

    Gut, dass der Herr Williamson mich nicht kennt, sonst müsste ich am Ende noch annehmen, dass ich und solche wie ich der Grund sind für seine Haltung zu Bildungsmöglichkeiten für Frauen:
    http://tinyurl.com/aqgnx9😆

  9. Hundslila Eskapist Says:

    …und dies spie der Prophet Williamson in seinen Schweife:

    „Dass Mädchen keine Universitäten besuchen sollten, liegt in der Natur der Universität und der Natur des Mädchens begründet. Echte Universitäten stehen für Ideen, Ideen sind nichts für richtige Mädchen, demzufolge sind echte Universitäten nichts für richtige Mädchen.“

    Au weia… LOL. Tun wir dem Jungen unrecht? Ist er nur ein wandelndes Comedy-Format, eine hervorragende Karikatur auf nix gutes? Man möchte meinen sowas meint niemand ernst.

    Hast Du eine Idee(!) dazu…(Du unrichtiges) Mädchen?😉

  10. juliaL49 Says:

    Na, die Comedy erkennt man schon an der Wortwahl „Mädchen“ (bzw. im Original wahrscheinlich „girl“) und es dürfte Usus sein, dass man äh frau beim Eintritt schon Frau ist.
    Aber ansonsten bin unheimlich geschockt und noch merh geschockt, dass ich geschockt bin, weil der Ratzinger ja als Ultrakonservativer bekannt ist.
    Ich freu mich jedenfalls über meine Hosen und meinen Universitätsabschluss und die verteidige ich mit meinem Leben!

  11. buchstaeblich Says:

    Sagen wir so:
    Würde man jetzt auf die Straße hinausgehen und diese Sätze laut sprechen, käme ganz schnell ein Auto mit weißgekleideten Herren, die einen der notwendigen ärztlichen Behandlung samt Medikation zuführten.
    Da, wo der Herr Williamson wohnt, scheint die umgebende Bevölkerung nicht so fürsorglich zu sein, die Notrufnummer zu wählen.
    Da ruft man aber auch lieber den Exorzisten, wenn jemand psychotisch ist. Außer, derjenige trägt eine Kutte.

  12. joulupukki Says:

    Bravo Buchstäblich! Ein leidiges Thema wiedermal auf den Punkt gebracht und dabei auch noch meine Lachmuskeln aktiviert! Was soll man dazu noch sagen: eine Meisterin halt!

  13. buchstaeblich Says:

    (hochrot)
    Na ja, wenn man nicht sagt, was gesagt werden muss, kann man ja nicht hinterher sagen, man hätte es ja gleich gesagt.

  14. Doktor Peh Says:

    Der Herr Williamson sagt ja, dass es gar keine Gaskammern gab, damals. Im Zuge seines Kuttenbrunzervereins, der ja auch mal dereinst fuer das Barbequeuing unliebsamer Frauenspersonen einstand, sollte man vielleicht mal diese nicht existenten Relikte auf Unfunktion pruefen. Mit Herrn Williamson drin. So, wie damals Frauen in einen Fluss geworfen wurden, um zu beweisen, dass sie Hexen waren. Gingen sie unter und ersoffen: keine Hexe, Pech gehabt, tut uns leid. Kollateralschaden. Schwammen sie oben, waren sie eine Hexe und wurden auf kirchliches Geheiss ebenso, naemlich ziemlich heiss, getrocknet. Meist ein wenig zu trocken. Und so koennte man ja bei Williamson testen, ob das nun Gaskammern waren oder nicht. Waren es keine, kann ihm ja gar nichts passieren, kommt er wieder raus. Ist aber das Zyklon B seiner Gesundheit weniger zutraeglich, dann haette er den Beweis, der ihm dann allerdings hoechstens Posthum was nuetzt.

  15. Schaps Says:

    Es ist ja auch bemerkenswert, dass eine Instition die von sich selbst meint höchst moralisch und menschenachtend zu sein, gleichzeitig so unmoralisch und menschenverachtend sein kann. Das will nicht in meinen Kopf!

  16. buchstaeblich Says:

    Das oben im Artikel eingefügte Williamson-Zitat erklärt die Haltung der Instution doch sehr schlüssig.😉

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