Cooler Bandname


Ja, das Musikgeschäft ist ein Haifischbecken, und die vordersten Plätze sind hart umkämpft, der Wind bläst von Jahr zu Jahr heftiger.

Reichte es ganz früher noch, drei Gitarrengriffe zu kennen, um Rock ’n Roll zu machen, und genügte es in der Ära des Punk, wenn man wusste, wo eine Steckdose für die E-Gitarre und die Verstärker waren, so ist es heutzutage nicht mehr so leicht, in der Branche Fuß zu fassen.

Heutzutage ist es für den modernen Superstar wichtig, möglichst keinen Schulabschluss zu haben, und nicht einen einzigen gescheiten Satz von sich geben zu können, und diesen dann auch keinesfalls geradeaus aussprechen zu können. Zudem muss der werdende Popstar der absolut festen Überzeugung sein, die Buchstabenkombination „ich“ spräche sich in der deutschen Sprache auf jeden Fall „sch“ aus, egal, ob einzeln, am Wortanfang (Ichthiosaurus) aber auch in der Wortmitte oder am Wortende (wschtsch, äh: wichtig). Sch wie Scheiße.

Wer über diese wichtigen Voraussetzungen verfügt, garantiert noch nie eine Stunde Musikunterricht hatte, keine einzige Note kennt und nicht nur nicht singen kann, sondern es auch in diesem Leben niemals lernen wird, hat eine Chance im Musikgeschäft.

Natürlich nur, wenn er oder sie sich konsequent bei Hunger & Magersucht einkleidet, obwohl er oder sie möglicherweise so aussieht, als ob er längere Zeit sehr oft sehr hungrig war, aber jeweils nicht für lange. Nicht Dazu passend werden  aus der Palette der Produktpiraterie die richtigen Fälschungen von kitschigen Gürteln und Sonnenbrillen ausgewählt. Wer dann noch eine Frisur zu Markte trägt, die ihn oder sie garantiert wie ein grenzdebiles Vollpföstchen wirken lässt. Dazu – ganz wichtig! – tonnenweise Make-up, und – für Herren unerlässlich! – sorgfältig feminin gestutzte Augenbrauen und ein Fass Haargel im schlecht gefärbten Schopf. Am Ende muss auf jeden Fall der Eindruck entstehen, man würde sich jederzeit für 5 Mark nachts von fremden Onkels am Straßenrand aufpicken lassen.

Wer auch diese Voraussetzungen erfüllt, der gründet eine Band. Also, der geht zu einer Casting-Show und lässt sich Mitjauler Mitstreiter zuweisen.

Aber da gibt es noch das Problem des richtigen Bandnamens. Cool muss der sein. Und marktfähig. Und dem nächstbesten Aufsteiger in den Pophimmel gebe ich hiermit Nachhilfe:

Der coolste Bandname, der zur Zeit für den deutschen Markt erfolgsverdächtig ist, lautet

Funda und die Mentalisten!

Denn mit diesem Namen wird man garantiert zur Uri-Geller-Show oder zur Next-Uri-Geller-Show, oder zur Übernäxt-Uri-Geller-Show eingeladen, wenn man nicht gar zur Hausband auserkoren wird.

Nein, eine tolle Quote hat die Show nicht. Sie wird nur von einigen komplett Verstrahlten angeschaut, die auch sonst jeden Scheiß anschauen und gern jeden Mist glauben, nur weil er über den Bildschirm flackert. Aber genau die sind dumm genug, Euer elektronisch aufgepepptes Gejaule auch zu kaufen. Und die werden Euren Namen in sämtliche Esoterik-Foren streuen, wo er aufgegriffen werden wird von spinxenden Skeptikern, die unter Nennung Eures Namens darüber diskutieren werden.

Ansonsten sind die meisten Zuschauer aber Journalisten, die das aus Berufsgründen gucken müssen, sowie bloggende Skeptiker, die den Blödsinn genüsslich in genau der Luft zerreißen, in die der Quatsch gehört.

Deshalb würde dieser Bandname, liebe Nachwuchs-Nichtskönner, natürlich eine Streuung im weltweiten Netz finden, die ihresgleichen sucht. Spätestens eine halbe Stunde nach Ausstrahlung der Sendung wäre Du-Tube-du gespickt voll mit Mitschnitten Eures Auftrittes, am nächsten Tag würden sämtliche Boulevardmagazine und die Bildzeitung und der BildBlog Euren Namen in die Welt vor den Monitoren hinaustragen, und Detlef Soost, Dieter Bohlen, und jedes andere amtierende oder ehemalige Jurymitglied von Casting-Shows würde Interviews verkaufen können, bis ihre Banken aus der Krise hüpfen. Alles nur wegen Euch – berühmt über Nacht – da könnte nicht einmal Paul Potts gegen anstinken, und den No Angel(a)s samt Mo(h)nrose würde vor Neid die Sonnenstudiobräune aus dem Gesicht fallen.

Noch am selben Abend ruft dann einladend der Mann mit dem Gebiss vom Klavierbauer, Stefan Raab an und schon in der nächsten Bravo erscheint ein Poster, das beim übernächsten Auftritt zehntausend kreischende Gören hochhalten, die brüllen: „Sch fiell ein Kind von dir, Du geiles au!“. Bloß Dogg Jodäll können Euch dann nicht leiden, aber da müsst Ihr durch.

Deutschland sucht den Superstar? Deutschland hat seinen Superstar:

Funda und die Mentalisten!

Ich weiß zwar jetzt noch nicht, wer das ist, aber das kommt schon noch. Und über den Preis für den Namen werden wir uns sicher einig.

Was Ihr dann überhaupt singt? Wen interessiert das denn?  Scheißegal, Ihr seid doch berühmt.

Interessenten melden sich bitte hier in der Kommentarspalte, oder drüben in der anderen Casting-Agentur.

Nachtrag vom 06.02.209:

Dass ich mit meiner Sichtweise auf die Generation Unerzogen nicht so ganz daneben liege, bestätigt die Hirnschmiede Sennerin.

 

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7 Antworten to “Cooler Bandname”

  1. Donkys Freund Says:

    Sie haben den Geist der Zeit erkannt! Unter den ganzen Talentfreien jetzt noch jemand zu finden, der „Funda“ heißt, wird jedoch schwierig. Rein mental schon.

  2. buchstaeblich Says:

    Auch wenn es keine Künstler sind und mental nicht sehr weit unterwegs, dürfen sie Künstlernamen haben. Dschungelkrampf-Lorielle heißt ja auch im Personalausweis anders. Und der Herr Fari.an hieß sogar Ponny X, äh Boney Dingsbums.

  3. offensichtlich Says:

    „Funda und die Mentalisten“ – hiessen die nicht früher mal „Huge und die Notten“?

  4. buchstaeblich Says:

    Ach, was! Sie meinen wohl Hugo Egon Baldnimmer und die Zeit, als er „Alles mit Obst“ moderierte.
    Das war aber lange nach Cosi fan tutte.
    Die Mottenkugel war seinerzeit schon lange erfunden, aber die Studie, dass Schwalben an Bordsteinen nisten, erwies sich als nicht völlig zutreffend wegen einer Verschiebung der Parameter.

  5. bee Says:

    Ich gebe zu bedenken, dass der Deutsche bei Funda und… spätestens nach der ersten Silbe fertig hat, weil: Fun, mehr will er nicht, kann er nicht, braucht er nicht, und alles danach wäre so, als verlangte ich von meinem Wackeldackel, Kant vorzulesen. (Immanuel, nicht Hermann.) Oder sollte das etwa eine der abgefeimteren Mindfuck-Strategien sein, dass der Zucker, den die Generation Instant sonst in den Darmausgang geblasen bekommt, auf einmal im Tank landet und der Wagen an der Wand? Dann will ich nichts gesagt haben. If music be the food of love, play on.

  6. Dr. Buchstaeblichs Worte zum Sonntag XXVIII « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] bandname Funda & die Mentalisten. Die Gründe dafür findest Du hier, […]

  7. Dr. Buchstaeblichs Worte zum Sonntag XXIX « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] bandname   Herr Bohlen, selber denken macht schlau! Der Name Funda und die Mentalisten ist […]

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