PR: Die Davos-Methode


Es gibt Momente, da wünscht man sich Torwartprotektoren für die Schädeldecke, weil der präfrontale Cortex wummert wie ein Presslufthammer vor lauter Seltsamfinderei.

So geschehen vorhin bei der mittäglichen Entspannungslektüre namens Teletext, auch bekannt als die Omm-Methode für Informationsbegeisterte.

Doch eine Recherche im weltweiten Informationsnetz bestätigte, was man kaum glauben mag.

Im schweizerischen Davos findet bekanntlich der Betriebsausflug der Weltwundertäter aus Wirtschaft und Politik, WEF, statt. Eine findige Händlerin namens Margrit Merz wusste dieses Ereignis für sich zu nutzen.

Wohl wissend, dass da auch Wen Jiabao, der chinesische Premierminister, aufschlagen würde, hat die gute Frau ihr Schaufenster mit Tibetflaggen und Büchern ausgestattet, woraufhin die schweizerische Polizei in vorauseilendem Gehorsam natürlich bei ihr auftauchte mit dem Ersuchen, man möge doch das Tibetzeugs aus dem Fenster nehmen.

Theoretisch könnte es ja immerhin sein, dass der Herr aus dem Reich der Mitte einen Spaziergang unternähme, der zufällig durch die Straße mit dem Laden führte, und dann könnte der ja durch den Anblick einer Tibetflagge in seinem empfindsamen Seelchen verstört werden.

Nicht, dass ich mich durch Tibet-Gedöns nicht gestört fühlte, zumal dann auch gleich immer Bilder von einem gibbelnden alten Mann mit Impfnarbe am Arm im roten Badelaken auftauchen und wer will das schon sehen? Aber man kann ja auch einfach wegschauen, oder?

Nun, die gute Frau Merz hat natürlich lieb gehorcht, aber  nicht versäumt, die Sache an die Presseglocke zu hängen:

Ja, und jetzt ist die natürlich voll beliebt und ist weltbekannt geworden als Tibet-Gutfinderin. Es gibt ja kaum etwas schickeres, als Tibet-Gutfinder zu sein, möglicherweise wird ihr Name künftig in einem Atemzug mit diversen schlechten Schauspielern wie Richard Gähn Gier Gere aus Hollywood genannt werden, und das ist ja auch etwas.  Obendrein ist eine Demo geplant, weil Tibet-Gutfinder sich ja immer gegenseitig promoten.

Ich finde, das Beispiel sollte Schule machen. Rein wirtschaftlich. Und um Wirtschaft geht es ja beim Weltwirtschaftsgipfel.

Also, das geht so:

Wenn eine Gegend Geld braucht, dann sollte sie einen halbwegs wichtigen Chinesen einladen. Bevor der ankommt, schmücke man seine Ladenlokale mit Tibetgedöns und rufe die Polizei an, damit die einem zu verbieten versucht, die Schaufenster mit Flaggen und Buddhazeugs zu schmücken, damit der potenziell Spaziergänge machen wollende Chinese nicht beleidigt werden könnte.

Und dann rufe man die Presse an und erzähle das, und schon ist man ein offiziell anerkannter Held, Märtyrer und Tibet-Gutfinder, bei dem sich sämtliche Tibet-Gutfinder und die, die sich als solche ausgeben, weil das ja total schick ist, dort zu Solidaritätseinkäufen, Pilgerausflügen und Gruppen-Omm einfinden, und die Kasse klingelt, dass es nur so kracht.

Noch geschickter wäre es allerdings, den einen oder anderen Kandidaten aus dem Dschungelcamp einzuladen, bevor man der Polizei und der Presse den heißen Tipp mit der Tibetbeflaggung gibt. Das sind Y-Promis, die kosten nicht viel, und die bringen notfalls selbst das Fernsehen mit, damit sie in die Mikrofone heucheln können, wie entsetzt sie sind, und schon flimmert der eigene Laden durch sämtliche Boulevard-Magazine. Billiger kann Werbung nicht sein.

Falls Lorenzo-Lorielle aber wegen eines Schönheits-OP-Termins verhindert sein sollte, oder die Frau van Bergen ihre Tiere füttern muss, dann kann man ersatzweise auch die Frau Rütting anrufen: Wenn man der erzählt, der Dorfpolizist kenne jemanden, dessen Cousin einmal ein Karnickel schief angeguckt haben soll, dann kommt die nicht nur selber für die Fahrkarte auf, dann heult die sogar vor laufender Kamera. Schauspieler können sowas. Auf Kommando.

So, liebe Leser, und damit hätten wir für heute gelernt, dass der Weltwirtschaftsgipfel ja wohl zu mehr gut ist, als dass ein Haufen Wichtigtuer im Landhausstil für lau Sekt säuft und krumme Dinger auskungelt, sondern dass hier sehr wohl Strategien entstehen können, die die Wirtschaft anzukurbeln imstande sind.

Und nun muss ich los, bevor der Bürgermeister Feierabend macht – der muss heute noch in China anrufen!

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9 Antworten to “PR: Die Davos-Methode”

  1. Hessens Sozialministerium zieht Konsequenzen aus Behördenpanne | News Adhoc Says:

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  2. weltdeswissens Says:

    Eine super Idee und absolut tauglich sowohl für den Medienmarkt als auch die Meckerei😀

    Mal was anderes: was macht eigentlich Ihr Rechner? Weil ich manchmal tagelang ohne Beiträge von Ihnen auskommen muss, mache ich mir so meine Gedanken, ne. Falls Sie nur wichtigeres zu tun haben, wünsche ich dabei viel Spaß!

  3. buchstaeblich Says:

    Dem Rechner geht es gut. Außer, dass er es verflucht, dass manche Tage nur 24 Stunden haben, und manchmal nicht genug Zeit für den Blog bleibt.
    Aber da bin ich mit ihm einer Meinung.

    Vielleicht müsste ich öfter Chinesen einladen zum Tibet-Flaggen schockierend finden.

  4. weltdeswissens Says:

    Noch besser: Tibeter einladen, die alles „Made in China“ schockierend finden.

  5. buchstaeblich Says:

    Oder die Tibeter und die Chinesen zum gleichen Treffpunkt einladen und zuschauen, wie sie auf einander losgehen, während man selbst im Versteck bleibt und lacht.

  6. weltdeswissens Says:

    Und dazu noch die Japaner, die alles fotografieren, und ein paar Koreaner zum Karaokesingen😉

  7. SPD-Linke warnt vor Koalitionsbruch wegen Mindestlohn | News Adhoc Says:

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  8. Umfrage: Union verliert erneut | News Adhoc Says:

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