Letale Redewendung


Auf dem Jantarblog geht es heute um hellseherische Fähigkeiten, und da fiel mir spontan ein ganz olle Kamelle ein.

Vor etlichen Jahren, anlässlich einer Veranstaltung, die ich zu besuchen hatte, begab es sich, dass ich eine gute Bekannte traf und mit ihr die Pause zum ausführlichen Getratsche in einer Ecke nutzte.
Irgendwie kam das Gespräch auf eine entfernte Vorfahrin von mir und auf die Anekdote, dass sie zeitlebens auf widerfahrendes Unbill zu entgegnen pflegte, ein Beinbruch sei schlimmer. Auf die Frage der Bekannten nach der Todesart meiner Vorfahrin folgte meine Erklärung, dass diese sich am Ende ihres Lebens einen Beinbruch zuzog, aber kurze Zeit später an einer Embolie verstarb.

Dummerweise offensichtlich fragmentarisch mitgehört hatte eine unschwer am christbaumartig über dem Wallegewand verteilten Behang mit dem typischen Kristall- und Silbergedöns erkennbare Vertreterin der esoterischen Zunft, die mir beim Betreten des Gebäudes bereits unangenehm aufgefallen war, als sie einer Schrottkarre mit offensichtlich bedenklichen Abgaswerten entstieg. Muss ich erwähnen, dass das Auto nur so strotzte vor Friedens-, Tierschutz- und Anti-Atomkraftemblemen, die sich um den Platz auf dem Lack stritten mit Bioladen-, Reformhaus- ,Greeenpeace- und Free-Tibet-Plaketten? Nein?
Nun, dann wird es die geneigte Leserschaft auch nicht wundern, dass die Dame etwas Buntes aus Filzbommeln um den Hals trug und eine zusammengerollte Decke über eine Schulter geworfen hatte. Sie fragen sich ebenfalls, warum in aller Welt sich jemand eine zusammengerollte Decke über eine Schulter wirft? Dann sind wir ja schon zu zweit.

Selbige Dame jedenfalls kam direkt auf uns zugestürzt und bläkte, dies sei ja wohl offensichtlich ein Zeichen und meine Vorfahrin habe ja wohl ganz klar ihr Schicksal vorausgeahnt, wenn sie ihren Standardspruch abgelassen hatte.

Damals war ich noch nicht altersmilde wie heute, erschwerend kam der vorherige Genuss eines großen Glases Pils hinzu sowie die Tatsache, dass die ohnehin nicht zum Vergnügen erfolgte Teilnahme an einer äußerst nervigen Veranstaltung meine Laune nicht gerade gehoben hatte. An meine Bekannte gewandt: „Erinnerst du dich, dass ich weitere Gesprächsteilnehmer eingeladen hatte?“ – „Nö!“. Zack! Umgedreht.

Doofe lässt man ja gerne doof sterben.

Aber die Sache ist ja nun einmal die:
Im Laufe der Jahrzehnte begegnen einem Menschen recht viele andere Menschen. Einige sterben, so auch in meinem Umfeld (es liegt nicht an meinem bösen Blick!), viele aber auch nicht.

Ein Teil der Menschen, die ich im Laufe meines Lebens kennenlernte, benutz(t)en die Redewendung „Ein Beinbruch wär‘ schlimmer!“.
Einige davon sind inzwischen gestorben.
Nicht ein einziger jedoch an einem Beinbruch.
Nicht einmal meine Vorfahrin starb an einem Beinbruch, denn die Todesursache war eine Embolie.

Und:
Wenn meine Vorfahrin tatsächlich „geahnt“ hätte, dass sie an einem Beinbruch sterben würde, wäre sie gewiss nicht so blöd gewesen, in einem halsbrecherischen Manöver von einem Stuhl aus auf das Fensterbrett zu klettern, um die gewaschenen Gardinen wieder aufzuhängen, wenn sie für denselben Nachmittag ihre Weiberclique zum Kaffeeklatsch eingeladen hatte.

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9 Antworten to “Letale Redewendung”

  1. weltdeswissens Says:

    Ich finde, das zeigt nur, dass Ihre Vorfahrin recht hatte: manchmal ist ein Beinbruch eben schlimmer. Das Sprichwort „Ist doch kein Beinbruch“ kommt ja nicht von ungefähr.

    Und Leute, die sich ungefragt in anderer Leute Gespräche einmischen, hasse ich wie die Pest!

  2. Gina Says:

    Darf ich mich mal eben einmischen? Ich wüßte auch eine ganz nette Geschichte… – JAJA, ich geh‘ ja schon! Bin ja schon weg!!
    😀

  3. zimtapfel Says:

    Ach, fällt das nicht nur mir auf, das die dollsten Hardcore-Ökos oft die fiesesten Dreckschleudern fahren?

  4. weltdeswissens Says:

    Sie dürfen das, Gina😀

    Und Okös und Autos, das geht gar nicht!

  5. Gina Says:

    Danke. Verneig. Ich behalte meinen Sermon trotzdem lieber für mich. Ist besser fürs Raumklima.

    Eine Frage: Was ist, wenn die Ökos ihre Autos schieben? Und wieso fallen mir jetzt spontan Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer ein? 😀

  6. Doktor Pé Says:

    Antwort auf Ginas Frage: dann machen sich Ökos strafbar. Autoschieberei ist verboten. (Jetzt wird mir auch klar, weshalb auf den Autobahnen Richtung Polen immer Stau ist – wenn vorne jemand schiebenderweise den Verkehr blockiert…)

    Nur nicht den Kopf verlieren!

  7. weltdeswissens Says:

    Gnihihi… Sie sind albern😀

  8. Gina Says:

    Ärgerlich. Mir fällt nichts adäquates ein… Mist. Ich werde alt.

  9. weltdeswissens Says:

    Was ja immer geht: SELBA!😀

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