Sternsinger oder Sternseher?


Morgen ist Feiertag. Jedenfalls hier in Bayern. In den letzten paar Wochen habe ich das höchstens 23 Mal wieder vergessen, da in der westfälischen Heimat der 6. Januar kein Grund zum Feiern ist, und so bin ich nun einmal aufgewachsen und es ist obendrein logisch.

Wie sollte es ein Grund zum Feiern sein, wenn irgendwelche Horden von Rotznasen, in Gardinen gewickelt, mit Papphütchen auf dem Kopf und teilweise übelst im Gesicht beschmiert, anschellen und stören.
Für die nichtpöttischen Leser: Schellen sacht der Pötter für Klingeln oder Läuten.
Ich nehme an, dass die Übernahme des Wortes Schellen für Klingeln mit dem Dreikönigstag in Zusammenhang steht, denn wenn mich jemand durch unerwünschtes Läuten an der Tür stört, läuft er ja auch Gefahr, sich bei mir eine Ohrschelle einzufangen, dass er Sterne sieht. Ja, Kaspar, Melchior und Balthasar – scheiß‘ die Wand an!

Vor allem, wenn es sich um penetrante Bälger in Bettlaken handelt, die vor meiner Tür herumbrüllen: Da finde ich es eine geradezu perfide Unverschämtheit von Seiten der Legislative, das Hauen von Kröten zu verbieten – das ist doch schließlich Notwehr, finde ich.

Richtig schlimm ist, dass die Brüllbanden obendrein Geld haben wollen. Wofür? Fürs Wiederaufhören? Wir sind hier ja nicht in Sizilien, ich glaube, ich spinne!

Die Krönung bei der Sache ist ja, dass die Brut einem obendrein nach dem Stören, dem Brüllen und dem Geldabknöpfen auch noch auf den Türen rumsaut und Graffiti hinterlässt.

Das hat vor Jahren so eine Drückerkolonne des Herrn an der Haustür des von mir bewohnten Hauses gewagt: Ich wusste aber, wo die Rotzgören sonntags mit Muttern zum Beten hinpilgerten:
Ich den Pastek angerufen: „Hören Sie, Ihre perfiden kleinen Störenfriede haben 24 Stunden Zeit, die Sauerei da wegzuputzen, bevor die Angelegenheit zu meinem Anwalt wandert …!“.
Das mit der richtigen Dezibelzahl in den Hörer gebölkt, so als Gegenfeuer zur erfolgten Störung, und fortan war es am Dreikönigstag aber sowas von ruhig an der Haustür!

Möglicherweise kann man ein System ableiten für den Umgang mit der Partei, deren Dreikönigstreffen so legendär berüchtigt albern bekannt ist.

Dem hiesigen Klerus sei jedenfalls empfohlen, die Landplage nicht zu mir zu schicken, da die lieben Kleinen sonst Wörter lernen könnten, die dem Pfarrer im Beichtsuhl einen Hirnschlag bescheren könnten.

Außerdem muss ich morgen außer Eislaufen auch Fernsehen gucken, denn ich will ja wissen, ob Guido, die Westerwelle, morgen beim FDP-Gruppenhäkeln die Heilige Dreikönigin gibt und nicht herumkaspart und ob er die Haare schön hat. Wenn dem Gold der Prä-Finanzkrisenära hinterhergejault wird, dann wird es bestimmt eine Menge Weihrauch erfordern, die wahren Ursachen des Dramas zu vernebelkerzen. Hoffen wir, dass der Bundes-Guido immer ordentlich Myrrhe aufträgt, damit er nicht irgendwann mal so richtig alt aussieht – einbalsamiert hält ja angeblich länger.

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6 Antworten to “Sternsinger oder Sternseher?”

  1. Donkys Freund Says:

    Echt jetzt? Vorschlag: Dann würde ich morgen am besten arbeiten, damit ist allen gedient!😉

  2. cimddwc Says:

    Bei mir haben sie vor ein paar Tagen geklingelt (sind ja i.d.R. mehrere Tage lang unterwegs) – ich konnte ihnen aber bequem über die Sprechanlage den Weg in den 3. Stock ersparen, und anscheinend war auch sonst niemand im Haus interessiert (oder anwesend); Kreide war über der Tür hinterher auch nicht zu sehen.

  3. Donkys Freund Says:

    Mach‘ mal bitte ein Zwinker-Smilie hinter meinen Kommentar. Hatte ich vergessen.🙂

    Dr. Buchstaeblich antwortet:
    Schon passiert!

  4. Ansku Says:

    Jaja, und die die sich dann über den Feiertag beschweren, sind dann genau die, die sich heute morgen gemütlich noch mal umgedreht haben, wohlig geseufzt haben und weitergeratzt haben.

    Stattdessen könnte man ja mal daran denken, dass es in direkter Nachbarschaft Leute gibt, die heute keinen Feiertag haben und die trotz Feiertag und Kindergejaule arbeiten bzw. lernen müssen und man könnte sich Sorgen machen, dass diese armen Leute niemals Erholung und Feiertag haben und man könnte besorgt fragen, ob man diesen armen Leuten irgendetwas Gutes tun kann, z.B. eine Riesenportion Schokolade vorbeibringen oder so. Aber das tut ja keiner. Stattdessen wird darüber gemeckert, dass man heute einen Tag mehr zum Ausschlafen hat. Tststs…

  5. Sennerin Says:

    Danke, Sie sprechen mir aus der Seele!!! Sollen die Blagen ruhig klingeln/schellen, werde bei Bedarf die passenden Worte in die Sprechanlage zischeln. Aber ich denke, das Gebiet hier wurde schon abgegrast und ich befand mich außer Haus. Ich schließe mit einem Zitat aus Brian „wir folgten einem Stern“ – „Waaas? Sternhagelvoll seid ihr, sturzbesoffen… los raus! Raus, raus!“.

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