Lebenszeichen von Agent 13


Ich hatte ja lange nichts mehr von Agent 13 gehört, nachdem er todesmutig in den geheimen Laboren des Suchmaschinenriesen spioniert hatte, um mich mit Neuigkeiten aus der Welt der Technik zu versorgen und seine dramatische Flucht erforderlich war, um nicht enttarnt zu werden.

Doch vorhin klingelte mein Telefon:

„Buchstaeblich-Seltsam!“

„M.U.T.T.E.R.! Sie werden es nicht glauben …!“

„13?! Sind Sie eigentlich irre? Ich warte seit Monaten auf ein Lebenszeichen! Nicht einmal eine
Weihnachtskarte haben Sie mir geschickt, Sie Unflat!“

„Ja, aber, M.U.T.T.E.R.! Sie werden es nicht glauben …!“

„Agent 13, Sie werden nicht glauben, was ich mit Ihnen mache, wenn ich Sie in die Finger kriege! Sich einfach monatelang nicht zu melden …!“

„M.U.T.T.E.R.! Ich war bei den Äpfeln!“

„Sie sollen sich nicht auf Bäumen herumtreiben, wenn ich Sie brauche, verdammt!“

„Nicht bei den Äpfeln – bei denen mit den Computern, die mit dem I-Phone! Die haben was zu verbergen!“

„Logisch! Die müssen ihr Spiegelbild vor sich selbst verbergen – den Leuten für so viel Geld so einen Schmarrn anzudrehen – pff!“

„Nein, M.U.T.T.E.R.! Schlimmer: Die haben den I-Mann unter den Tisch gekehrt!“

„Was?“

„Also:
Ich war damals in Italien bei dem gestörten Typen mit dem Schnitzmesser vom Nasenloch der Marionette aus plötzlich durch die Gegend geschleudert worden – und laut war es da! – als ich durch das offene Fenster auf dem Fahrradkorb eines Postboten landete, in dem ein Luftpostbrief nach Amerika unterwegs war. Und weil ich die Italiener ohnehin nicht leiden kann, kroch ich hinein.
Drei Tage später blendete mich das Licht einer Schreibtischlampe in einem geheimen Forschungslabor von der Firma mit dem Apfel. Ich konnte so gerade noch unter einem Stapel geheimer Konstruktionspläne verschwinden, bevor der Assistent des Chefs mich entdeckte. Zum Glück ging der dann in die Mittagspause!
Ich sah mich um, und nun halten Sie sich fest:
Die arbeiten immer noch am I-Mann, dem Informationsroboter und humanoiden Erklärbar für Zuhause, der stets mit dem Internet verbunden ist, mit Wikipedia als Startseite und ständigem Suchmaschinenzugriff, der auf Zuruf alles, aber auch alles erklären kann. Da dran frickeln die ja schon seit weit über 10 Jahren!

Allerdings ist damals der Prototyp abhanden gekommen, fand ich heraus. Der sollte eigentlich verschrottet werden, weil er Suchmaschinenanfragen stellte wie ein Hilfsschüler, und immer nur die Ergebnisse der letzten Suchmaschinenergebnisseite bekanntgab, wenn man ihn etwas fragte, also nur veraltetes Zeugs und Inhalte wie sie jeder Hauptschüler besser beschreiben kann.
Zudem war da mit der Platinen-Verschaltung im Elektronengehirn etwas falsch gelaufen, und der I-Mann war nicht davon abzubringen, dass es sich bei Wikipedia um die aktuellsten veröffentlichten Ergebnisse von Forschung und Wissenschaft handele, und dass alles, was dort steht, auch stimmt, und alles, was dort nicht steht, nicht existiert.
Obendrein bewegte er sich holzig und die Mimik wirkte sehr verkrampft und unnatürlich und er witterte hinter jedem Quatsch ein Riesen-Mysterium, obwohl sich regelmäßig ergab, dass das, war er da herausfand, Bockmist war, der nur die Zeit der Benutzer verschwendete, statt wirkliche Antworten auf echte Fragen zu geben.

Nachdem das gesamte Forschungsteam das Problem nicht lösen konnte, wollten sie ihn schlicht wieder einschmelzen und von vorne beginnen, als er plötzlich verschwunden war.

Aber ich weiß, wo der ist, denn ich habe die Konstruktionszeichnungen gesehen und ihn wieder erkannt:
Der I-Mann ist untergetaucht und arbeitet jetzt unter falschem Namen beim Fernsehen!“

Tja, und dann brach die Verbindung ab, weil der Akku meines Telefons leider leer war.

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6 Antworten to “Lebenszeichen von Agent 13”

  1. cimddwc Says:

    Und dabei dachte ich, dieser Fernseh-I-Mann (deinem Link fehlt übrigens noch ein http://) wär ein Außerirdischer – von Sting besungen: I’m-an alien…

  2. buchstaeblich Says:

    Danke für den Hinweis – der Link ist geflickt!
    Ich hatte auch immer gedacht, der I-Mann wäre nicht von dieser Welt, ich staunte sehr über die Nachricht, dass er auf Batterie läuft.

  3. weltdeswissens Says:

    Hätten Sie mal mit dem Schuhtelefon telefoniert, dann wäre das mit dem Akku nicht passiert 😀 !

  4. buchstaeblich Says:

    Das ist doch aber grad beim Schuster.

  5. Silencer Says:

    Sehr schön! Das erklärt so einiges. Wenn nicht alles.

  6. buchstaeblich Says:

    Das, lieber Silencer, fürchte ich auch.

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