Unterföhring: SAT1 und der breite Hals


Nun, wo es amtlich ist, haben viele Mitarbeiter der Pro7-Sat1-Fernsehgedönserei in Berlin einen breiten Hals, weil sie – abgesehen von einigen Ausnahmen wie N24 mit Sack zu Pack nach Unterföhring ziehen sollen, das nach Meinung von diepresse.com ein billiger Vorort ist.
Auch die Süddeutsche darf nicht fehlen – die sitzen ja nicht weit von hier – und senft: „In der Konzernzentrale im Münchner Vorort Unterföhring“.
Der Tagesspiegel legt noch eine Schüppe drauf und titelt „Endstation Unterföhring“.

Deshalb ist noch ein weiterer breiter Hals hinzugekommen: Meiner.
Ich wohne, wie hinlänglich bekannt, in Unterföhring. Wenn Unterföhring ein Vorort von München wäre, dann würde ich es wissen. Denn dann würde am von mir aus gesehen südlichen Himmel eine Rauchsäule stehen, die nicht vom großen Kraftwerk kommmt, sondern vom erfreuten Händchenreiben des Christian Ude, seines Zeichens OB von München. Denn München wäre natürlich äußerst froh, wenn Unterföhring als reichste Gemeinde Bayerns ihr Vorort wäre:
Sind wir aber nicht!

Unterföhring gehört zwar zum Landkreis München, ist aber eine eigenständige Gemeinde mit eigenem Bürgermeister. Franz Schwarz heißt er, ein Roter ist er, und wenn er nichts taugen würde, dann hätte Unterföhring ihn bei der letzten Kommunalwahl nicht wieder gewählt. Auf jeden Fall ist er unser Bürgermeister und wir Ufös mögen es sehr gern, uns einen eigenen Bürgermeister zu halten und eine eigenständige Gemeinde zu sein, deshalb beißen da weder Mäuse noch Presseschreiberlinge irgendwelche Fäden ab.
Wenn es einen Münchner Vorort mit „-föhring“ gibt, nämlich Oberföhring, heißt das nämlich noch lange nicht, dass Unterföhring sich auch hätte eingemeinden lassen – nochmal: Haben wir nicht!

Mir persönlich wäre es ja peinlich bis hin zu heißen Backen, wenn ich gegen Geld so einen Quatsch schriebe, liebe Journaille!

Wenn SAT1/Pro7 meint, es müsse seinen Firmensitz hierher verlegen, muss es das selbst wissen. Wir haben hier im Medienviertel schon so viele Fernsehsender, da fallen die auch nicht weiter auf, laut Rauschen im Blätterwald wollen ja ohnehin nur 150 Leute mitziehen.

Die, die herziehen, werden wahrscheinlich erst einmal maulen, aber wenn sie dann hier sind, sich zumindest hinsichtlich der Umgebung schnell wieder einkriegen – wenn sie erst einmal gesehen haben, welche Vorteile es hat, hier zu leben.

Ganz ehrlich? Wenn man von mir verlangen würde nach Berlin zu ziehen, das wäre für mich ein Grund zu maulen. Nichts gegen Berlin, doch Berlin und mir geht es besser, wenn ich mich dort nicht verlaufe.

Aber dass der Betriebsrat der Berliner Medienmenschen versuchen will, den Umzug zu verhindern, finde ich schon in Ordnung.
Mein Vorschlag: Liebe Betriebsräte, prüfen Sie mal Kosten/Nutzen der Umzieherei auf Herz und Nieren und legen Sie das den Jungs da oben vor.

Oder sagt denen, dass einige hier produzierte Sendungen der Konkurrenzsender so schlecht sind, weil das am hiesigen Leitungwasser liegt. Oder an den Biergärten. Oder an den beiden (2 Stück, jawoll!)Badeseen. Oder weil die Leute lieber in den Isarauen herumlümmeln, wenn sie nicht sowieso auf dem Deich von Isarkanal oder zwischen den Feldern spazieren gehen.

Aber in der Pressekonferenz können Sie gerne mal auf die Tatsache verweisen, dass Unterföhring kein Vorort von München ist, und dass Unterföhring als Gemeinde keinerlei Berliner Umzugspläne verschuldet hat, weshalb es nicht vonnöten ist, über unsere kleine, aber feine Gemeinde herzuziehen.

Entschuldigungen nimmt das Rathaus großmütig entgegen, möchte ich vermuten.

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8 Antworten to “Unterföhring: SAT1 und der breite Hals”

  1. Gina Says:

    Es lebe Unterföhring!!! – Und die günstigen Gewerbesteuerhebesätze – deshalb siedeln sich die Firmen dort nämlich an! Und wegen der guten Infrastruktur, die andere Gemeinden rund um München einfach nicht hinbekommen. Da fahren oft genug noch Pferdekutschen…

  2. Dr. No Says:

    Ich persönlich würde ja auch darauf wetten, dass in Unterföhrung nicht ganz so viel Hundescheiße herumliegt wie in Berlin – wenn das kein Argument für einen Umzug ist…

  3. Gina Says:

    Tja, Berlin ist ja auch pleite, Unterföhring dagegen reich. STinkreich! Und Reichtum kann zu Sauberkeit führen (bzw zu einem Reinigungsdienst).

    Ob ich allerdings in U-Föhring leben wollen würde? Nun, ich stand mal vor der Wahl…

  4. Petra Says:

    Ach nehm’ses nich so schwer, Frau Doktor! So sind sie halt, die Hauptstädter. Wenn ich in Paris erzähle, dass ich im Elsass lebe, fragen sie auch immer: Liegt das in Deutschland oder schon in Sibirien?

  5. buchstaeblich Says:

    Gina,
    das kommt für Firmen erleichternd hinzu. Aber wenn ich jedes Mal einen Euro bekäme, wenn ich erklären muss, dass wir kein Vorort von München sind, wäre mein Sparschwein voll. Gatte und ich haben den Umzug noch keinen Tag bereut und haben unsere neue Wahlheimat jeden Tag ein bisschen lieber.

    Dr. No,
    seit ich in Bayern wohne (im 20. Monat), habe ich exakt zwei Hundehaufen gesehen, einen davon in München. Hier hängen überall Tütchenspender für hundische Hinterlassenschaften, und die werden auch benutzt!
    Auch ganz schlimm für Norddeutsche: Die Leute haben hier dermaßen wenig schlechte Laune und sind oft genug sogar unaufgefordert freundlich.

    Petra,
    dass die Vorortfrage für Otto Normal schwierig zu begreifen ist, sehe ich ja ein, aber dass Journalisten (und die Süddeutsche sitzt hier quasi vor der Haustür – die müssten es wissen!) schlichtweg falsche Fakten behaupten und sie keiner dafür haut, ärgert mich.

  6. Petra Says:

    Die, die hauen könnten, sind doch schon längst alle entlassen oder outgesourct worden…

  7. buchstaeblich Says:

    Die machen es sich hübsch bequem, den Bloggern die Drecksarbeit zu überlassen. Wir können entweder unbezahlt die Fehler anstreichen oder unbezahlt die miese Leistung vor der Welt stehenlassen und ein schlechtes Gewissen haben. Na, toll!

  8. Medien haben Geographieproblem! « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] Das hatte ich doch neulich schon lang und breit erklärt. […]

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