Tol(l)ette-Syndrom: Deutschland leidet


Es ist nicht leicht auszuhalten, wenn man mit den eigenen Augen feststellt, dass eine Revolution im Gange ist, und man selbst ist nur ein hilfloser Zuschauer.

Gestern stolperte ich ja per Zufall über die Tatsache, dass die Suchmaschinengottheit mal eben 24.800 Einträge findet, in denen dem stillen Örtchen hinterrücks ein i gestohlen wurde. Und dass ausgerechnet einem so stillen Örtchen wie dem stillen Örtchen etwas gestohlen wird, verwundert nicht: Es sagt ja niemals etwas in seiner Schüchternheit!

Dieses Faktum fand ich so bemerkenswert, dass ich all die wichtigen Blog-Artikel zu gesellschaftlich relevanten Themen sowie die von mir ertüftelten Lösungsmodelle gegen den Weltfrieden und die politische Lage beiseite schob, um mich diesem wichtigen Thema zu widmen.

Wie kann es denn sein, dass das i so oft fehlt, ausgerechnet in Beiträgen in Internetforen? Wo doch die ganze Welt mitlesen kann, was ja jeder weiß und sich deshalb ausgesprochene Mühe macht, ordentlich und korrekt zu schreiben, damit die restliche virtuelle Welt einen nicht für einen Vollpfosten hält?

Nehmen wir uns ein Beispiel vor:

Dort schreibt ein junge Mutter, ihr Kind wolle nicht „auf die Tolette gehen“.

Abgesehen davon, dass wir dem Kind für diese Entscheidung gratulieren (es wollte sicherlich lieber auf ein orthografisch korrektes Klo), taugt dieser Hinweis doch als Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt. Würde eine Mutter (!), die die Verantwortung für Deutschlands Zukunft in Händen hält, so verantwortungsfrei mit der deutschen Sprache umgehen, die sie doch im Rahmen ihrer Erziehungsarbeit an das Töchterchen weiterzugeben hat? Ich denke, nein.

Vieles spricht also für die Tatsache, dass dunkle Mächte im Gange sind (warum sie nicht lieber hereinkommen, wo hier doch besser geheizt ist, weiß ich leider auch nicht!).

Doch bringt mich eine weitere Anfrage an die Suchmaschinengottheit binnen 0,1 Sekunden zu 341.000 Einträgen zu einem unterhaltungselektronischen Gerät in bunt mit Äpfeln, das ein völlig unnützes i vor seinen Namen stellt.

Sie erkennen den Zusammenhang, ja?

Offensichtlich ist es dieser (natürlich amerikanische!) Großkonzern, der soviel i verbraucht, dass es im Internet schon zu Versorgungsengpässen mit diesem ja nicht unwichtigen Vokal kommt. So geht er her und stiehlt ein i nach dem anderen aus anderen Einträgen im Internet, vermutlich mit Hilfe eines Virus.

Nicht umsonst sind Viren ansteckend und verbreiten Krankheiten. Da es nun aber ich bin, die diese Machenschaften aufdeckt, fühle ich mich geehrt, dem Skandal einen Namen geben zu dürfen: Ich nenne das Ganze (feierlich, versteht sich) Tol(l)ette-Syndrom.

Das in Klammern eingefügte l diene als Mahnmal dafür, dass auch übelst getrickst wird, indem das i durch ein l ersetzt wird, um die eigenen Spuren zu verwischen.

Zum Beweis, dass ich (natürlich, wie immer) recht habe, hier noch ein Beleg aus einer Synonym-Suchmaschine:

Indizienbeweis - wir beweisen Indizien!

Indizienbeweis - wir beweisen Indizien!

Wer sich die Mühe macht, ein so schwieriges Wort wie eine Synonym-Suchmaschine aufzusuchen, der hat auch in der Grundschule aufgepasst, als die Schreibweise für das sozial akzeptierte Synonym für Scheißhaus vermittelt wurde.

Wir sehen in aller Deutlichkeit:

Der amerikanische Großkonzern segelt piratengleich durch das Internet und kapert, wo immer er will, hier und dort ein unschuldiges i nach dem anderen!

Lassen wir uns das nicht gefallen! Wir fordern vom amerikanischen Großkonzern, keine weiteren unterhaltungselektronischen Geräte mehr zu produzieren und die für die bereits produzierten Geräte gestohlenen i wieder herauszugeben und an den Tatorten zu retransplantieren!

Und überhaupt, wenn schon überhaupt ein unterhaltungselektronisches Gerät, dann doch wohl der Gugl-Fön

Ich bedanke mich übrigens bei Matschwittchen vom Zeitverbringding, die, konspirativ, wie sie ist, mittels eines als harmloser Kommentar getarnten Tipps geholfen hat, diesen Skandal auffliegen zu lassen.

Aktualisierung:
Die allgemeine Empörung über diesen Skandal hat mich bewogen, eine netzweite Solidaritätsaktion ins Leben zu rufen. Wer sich daran beteiligen möchte, kann sich den hier unten abgebildeten Soli-Button für sein Blog abholen:

Soli-Aktion

Gib mir mein i zurück!


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35 Antworten to “Tol(l)ette-Syndrom: Deutschland leidet”

  1. Ansku Says:

    Ich werde umgehend veranlassen, dass bei uns an der Uni eine Initiative zur Rettung des i’s angeleiert wird. Ich bin sicher, da werden noch mehr Leute Interesse dran haben, zum Beispiel die Indogermanisten oder die Indologen.

  2. buchstaeblich Says:

    Ja, wir brauchen konzertierte Aktionen und Widerstandszellen – vielleicht kriegen wir die von den Elektro-Ingenieuren und Physikern. Letztere müssten ja sonst irgendwann mit Onen spielen, und das geht ja auch nicht.

  3. Michi Says:

    Das sind sicher die, die unter dem Tourette-Syndrom leiden und auf Klo vor lauter Wut dann die Buchstaben vergessen. Oder so.

  4. cimddwc Says:

    Velen Dank für dese Aufkarung!

    (Mst, ,etzt werden schon nebenenanderstehende l und ä-Punkte geklaut)

  5. buchstaeblich Says:

    Nicht bei jedem Text, dem ein Buchstabe fehlt, handelt es sich um ein Lipogramm. Und deshalb ist das Ganze ja so gefährlich.

  6. Petra Says:

    Jetzt we’ß ‚ch endl’ch, warum me’ne Om‘ ‚mmer das „‚“ den Buchstaben m’t dem Fl’egensch’ss genannt hat!

  7. buchstaeblich Says:

    Oma hatte es noch gut, so ohne Netzdaten-Buchstabenklau.

  8. elphaba Says:

    Ein Button, wir retten das „i“ ich schmeiß mich weg…

    Das Tollette-Syndrom muss natürlich zu einer anerkannten Krankheit erklärt werden

  9. Ansku Says:

    Ja!!! Ein Button muss her!

  10. matschwittchen Says:

    Ich vermute es ist noch komplexer, als ich glaubte. Dachte zwar das geht nicht, aber was weiß denn ich schon: das R hat stellenweise versucht das I zu verdrängen–> torlette. das ist hundsgemein!
    Und ‚etz mol gonz bläd gfroggt: wer hat denn Rs und Is im Überfluss? hä?MRR. Aber für den Diebstahl an Obstbäumen halt ich ihn für zu gebrechlich, da muss man schon fest auf der Erde stehen können. Ich mag mich irren. Oder verrennen.

  11. buchstaeblich Says:

    Typisch – ich habe es ja immer gewusst! Reich-Ranicki hamstert Buchstaben – das finde ich ja so total egoistisch. Der klettert natürlich nicht selbst, der hat ja seine Hintermänner in der amerikanischen Unterhaltungselektronik-Industrie!
    Bei aller zunehmen Verwirrung – gut, dass wir jetzt das Internet retten können!

  12. zimtapfel Says:

    Ja, ich verstehe die Problematik. Doch. Schon.

    Aber ich glaube kaum das mein Computer und mein portables Musikabspielgerät ihre i wieder rausrücken werden. Will ich das überhaupt?

  13. buchstaeblich Says:

    Immer diese verdeckten Sabotageversuche. Natürlich muss die amerikanische Unterhaltungselektronik-Industrie die Geräte wieder einziehen und jedes einzelne i durch ein legal auf dem Weltmarkt beschafftes ersetzen. Das ist wie bei einem Auto, dass mit kaputter Bremse ausgeliefert wurde.

  14. Schildmaid Says:

    Auch nach mehrmaligem Lesen konnte ich mich jedes mal schlapp lachen. 😀
    Ein großartiger Artikel, werte Frau Buchstæblich. Formidable Deduktion!

    Doch als bekennende Apfelnutzerin werde auch meine „i“s nicht heraus rücken. Dafür spende ich aber gerne ein paar aus meiner Tastatur. 😉

    iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

  15. buchstaeblich Says:

    Immerhin ist das ein Zeichen von Einsicht und der Versuch der Wiedergutmachung. Ich wünschte mir nur, die amerikanische Unterhaltungselektronik-Industrie folgte ihrem beispielhaften Verhalten und würde die hier eingereichten Schadensersatzbuchstaben dann auch hier abholen und an den entsprechenden Tatorten wieder ins Wortgeflecht einfügen.

  16. Schildmaid Says:

    Weder Zeichen der Einsicht, noch ein Versuch der Wiedergutmachung. Mitnichten. Ich bin nur gerne hin und wieder sehr spendabel. 😀

  17. buchstaeblich Says:

    Oh! Sie haben wohl Post bekommen von der amerikanischen Unterhaltungselektronik-Industrie und müssen nun in der Öffentlichkeit zurückrudern, weil man dort einen Hardliner-Kurs fahren will? Ja, ja, die Zeichen sind unübersehbar. Aber nicht mit den Rettern des Internet!

  18. weltdeswissens Says:

    Eieieieieiei!!!

  19. buchstaeblich Says:

    Das können Sie laut sagen, oh, Wunderbare!

  20. weltdeswissens Says:

    (räuspert sich)

    EIEIEIEIEIEIEI!!

  21. buchstaeblich Says:

    Ja, da kann ich nur beipflichten.

  22. cimddwc Says:

    Sind 7 Eier in einer Packung jetzt der neue Standard? Etwa eine neue iBox?

    (Hoppla, hoffentlich beschwert sich jene Firma jetzt nicht wegen Geheimnisverrats!)

  23. weltdeswissens Says:

    Ruhe, sonst singe ich noch das unglückselige Lied vom Eiermann 😯

  24. buchstaeblich Says:

    Ich mag ja Schnellmerker.
    Nun, es ist kein Geheimnisverrat, wenn ich mitteile, dass ich natürlich als Fachberaterin bei der Entwicklung dieser Innovation hinzugezogen war:

    Immer mehr Menschen vereinsamen, weil sie pausenlos im Internet eingebunden sind durch die enormen Erfolge der 2.0-Appellativ-Fallen. Sie leben allein, ohne soziale Bindung und ernähren sich häufig von Spiegeleiern. Die Verbildung von Gelenken in Handbereich durch ständigen Tastaturgebrauch wirkt sich natürlich auf normale Alltagsbewegungen wie Eierkartons auspacken und das Sortieren von Eiern in das vorgesehene Kühlschrankfach aus.
    Statistiken haben gezeigt, dass 8,74 von 10 Verbrauchern der Zielgruppe dabei ein Ei zu Boden schicken. Damit der Verbraucher seine gewohnten 6 Eier im Kühlschrank hat, legte man das zusätzliche Bonus-Ei dazu, nachdem man einen Monat vorher den Preis der 6er-Packung um 30 % erhöht hatte.

    Zudem ist der Verbraucher gewöhnt, in jedem 7. Ei eine Überraschung vorzufinden.

  25. Elke lebt jetzt in Scheidung « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] Buchstaeblich seltsam! Man macht sich ja so seine Gedanken, ne? « Tol(l)ette-Syndrom: Deutschland leidet […]

  26. nedganzbachert Says:

    Erst hielt ich das ganze für einen harmlosen Zwischenfall, aber jetzt beginnen diese Verbrecher sogar schon e aus Soli-Buttons gegen Buchstabenklau zu entwenden.
    Nur damit wieder ein paar andere Verbrecher Spam-eMails versenden können.

  27. Wissen ist Nacht Says:

    Vielleicht könnte man ein kleines L „l“ als I „i“ Ersatz nehmen?
    Dann hören die Leute eventuell mit ihren Bildergallerien(!) auf, da kommt mir nämlich die Galle hoch!

  28. buchstaeblich Says:

    (gratuliert flüsternd zum Finden des versteckten Ostereis, und spricht dann für alle hörbar weiter)

    Siehst Du: Diese perfiden Buchstabendiebe haben ihre Finger überall drin!
    Es ist ja wohl nie und nimmer ein Zufall, dass das ausgerechnet jetzt passiert.
    Wurde nicht erst neulich mit großen Trara dieses E-Book-Geschiss auf der Buchmesse in die Öffentlichkeit getreten? Schon steigt der Bedarf an e! Und wir haben schon wieder mit Versorgungsengpässen im Netz zu kämpfen. So eine Sauerei.

  29. buchstaeblich Says:

    Wissen ist Nacht,
    Galle gehört doch eigentlich in die Mischung für Stucco Lustro-Schöpfungen. Aber ich nehme an, die venezianische Edelputze mit ihrem Hang zur Verschwendung hängt in der Sache drin! Die wirft mit l nur so um sich, wie man hört.
    http://preview.tinyurl.com/6pptk4

  30. Tol(l)ette-Syndrom: Erste Ermittlungen « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] Erste Ermittlungen Langsam kommt Llcht lns Dunkel der Weltverschwörung, dle dle amerlkanlsche Unterhaltungselektronlk-lndustrle angezettelt hat, als es ln der Netzwelt zu Versorgungsengpässen belm Nachschub mlt dem Buchstaben i kam, wle […]

  31. Ansku Says:

    Aaaah, jetzt seh ich es. Sorry, war ein bisschen viel los heute! Vielen vielen Dank, liebste Buchstaeblich, der Button sieht super aus. Darf ich den bei mir einbauen?

    Rettet das i! Rettet das i! Rettet das i!

  32. buchstaeblich Says:

    Den darf jeder mitnehmen, der das i retten will!

  33. Netzwelt: Versteckter Rassismus? « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] für den sachdienlichen Hinweis in der Kommantarspalte, […]

  34. nedganzbachert Says:

    Und j.tzt haben d.. Schw..n. aus D..n.m Button auch noch ..n „r“ m.tg.h.n lass.n …

    L.tzt.s mal war .s noch da! .hrl.ch!
    wo das wohl .nd.t

  35. weltdeswissens Says:

    D.s Bl.gg.n w.rd .cht schw..r.g. M.nn.!!!

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