Reich-Ranicki zu klug für Gottschalk


Ich habe es mir angetan, aus gegebenem Anlass: Ich habe tatsächlich eine halbe Stunde lang Herrn Gottschalk, sein Toupet, und all‘ das, was darunter zu wenig geschieht, ertragen, weil ich hören wollte, was Herr Reich-Ranicki zu sagen hat, nachdem es vor einigen Tagen diesen „Eklat“ bei der Verleihung des deutschen Fernsehpreises gab.

Ich maße mir nun an zu sagen, dass ich sehr klar und einleuchtend fand, was Herr Reich-Ranicki über die Fernsehlandschaft sagte, zumal er dasselbe sagte, was ich auch schon seit 20 Jahren vor mich hinmurmle und in welche Richtung seine Wünsche gehen – nämlich Unterhaltung im besten Schillerschen Sinn: Unterhaltung, die Spaß macht, die man gern sieht, die aber so konzipiert ist, dass sie keines Menschen Intelligenz beleidigt, gleichzeitig aber die nicht auszugrenzt, die keine Aussicht auf einen Nobelpreis haben: Doch, es gibt Witze, über die man mit jedem IQ lachen kann, und Geschichten, die Hilfsschüler und Professoren begeistern können.

Bei Herrn Gottschalk bin ich mir nun aber nicht sicher: Hat er Herrn Reich-Ranicki einfach bloß nicht zugehört, oder ist er wirklich so dumm, wie seine Fragen und Einwürfe den Eindruck vermittelten.

In erster Linie hat sich aber bei mir der Eindruck verfestigt, dass es sich hier um eine Dauerwerbesendung für diese laffe, platte Dauerwerbesendung „Wetten, Dingenskirchen“ handelt, und dass Herr Gottschalk schlicht den einen oder anderen Segen eines zu erschleimen, der von der Allgemeinheit als einer der klügeren Köpfe unseres Landes akzeptiert ist.

Ich glaube, jetzt brauche ich einen Magenbitter.

Ich habe keinen Magenbitter, und hätte ich ihn, würde ich ihn gewiss nicht anrühren. Aber ich glaube, der Satz mit dem Magenbitter sagt genug, ohne dass ich einen Bußgeldkatalog streife.

Zudem pfeife ich auf Bußgeldkataloge:

Herr Gottschalk, das war absolute Grotte!

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16 Antworten to “Reich-Ranicki zu klug für Gottschalk”

  1. zimtapfel Says:

    Tut es auch ein feiner Marillengeist? *glasrüberreich*

  2. buchstaeblich Says:

    (nimmt das Glas und stürzt den Inhalt hinab)
    Danke, jetzt wird mit vielleicht besser. Mein Kopf wackelt immer noch nach vor lauter Schütteln!

  3. vero Says:

    ich habs mir gar nicht erst angetan, weil ich den Auftritt beim Fernsehpreis schon peinlich fand

  4. joulupukki Says:

    Hast Du Reich Ranickys Biografie gelesen? Die steht als nächstes auf meiner Bücherliste. Soll ja lesenswert sein, schon deshalb, weil er gefordert war seinen eigenen hohen Ansprüchen gerecht zu werden.

  5. unterholzbewohner Says:

    Schade. DAS hätte ich gerne auch gesehen.

  6. florian Says:

    @joulu: Die Biografie von MRR ist auf jeden Fall empfehlenswert! Enorm interessant und extrem spannend (ein gutes Beispiel für ein Buch, das jedem gefallen würde)

  7. sevenjobs Says:

    Ich habe reingezappt, dann mußte ich wegschalten, dann überwog die neugierde und ich habe nochmal hingeschaltet. Aber noch das Schlußplädoyer von Herrn Gummibärchen gehört, der den Druck durch die Quote betonte und betonte und betonte. Das gesicht von Herrn RR sprach Bände.

  8. Matze Says:

    Wie sagten schon die Lateiner: „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ Es spricht nicht gerade für MRRs Klugheit, so pauschal übers Fernsehen zu wettern, wenn man es sowieso kaum sieht. Das wäre, wie wenn ich mir ein Urteil über einen Roman von Grass oder Kafka erlauben würde, von dem ich nur die ersten 10 Seiten gelesen habe. – Da schwadroniert MRR darüber, dass es keine Verfilmungen von Shakespeare-Komödien gebe — noch nie z.B. „Viel Lärm um nichts“ von Kenneth Branagh gesehen??

    Sicherlich, Gottschalk war auch nicht besser. Redet 3/4 seiner Redezeit über sich selbst und „Wetten dass…“ und kommt mehrfach mit dem Totschlagargument „Quote“, die für gebührenfinanzierte Öffentlich-Rechtliche zweitrangig sein müsste.

    Die beiden reden aneinander vorbei, Gottschalk schafft es nicht, MRR dazu zu bringen, mal Klartext zu reden. Eine völlig überflüssige halbe Stunde, die nur eine Erkenntnis brachte: MRR, setz dich in deinen Lehnsessel und greife zu Schiller und Brecht — und lass uns mit deinem oberflächlich-inkompetenten TV-Pauschalurteil in Ruhe.

  9. Impi Says:

    Die Biografie von MRR ist äußerst lesenswert. Ich kann auch nicht leugnen, auf die Verfilmung gespannt zu sein.

    Zum „TV-Duell“: Ich fand beide nicht besonders gut vorbereitet. Das MRR Atze Schröder und Helge Schneider verwechselt ist einfach peinlich. Das mag an seinem Alter liegen, es zeigt aber auch, dass er von dem, was er kritisiert, eigentlich keine rechte Ahnung hat. Fernsehen an sich aber als niveaulos zu kritisieren ist eben genau jenes, habituelle Gehabe der Intelektuellen, die Gottschalk durchaus zu Recht kritisiert hat. Einfach mal pauschal als dumm aburteilen und sich in den Elfenbeinturm der Bücher zurückziehen.

    Anderseits hat auch „unser Goldtommy“ eine peinliche Show geliefert. Ein Anwalt der Öffentlich Rechtlichen, der zudem nicht an Eigenlob bei sich gespart hat. Ein eitler Fatzke, der glaubt zu wissen, was „der einfache Mann auf der Straße“ gerne sieht. Das die Öffentlich Rechtlichen nicht ganz auf die Quote pupsen können, mag sein, dass sie ihr aber ähnlich hörig ergeben sind, wie die Privaten, ist einfach falsch.

    Inhaltlich von beiden Seiten enttäuschend. Oder wie SpOn geschrieben hat: Beide haben aneinander vorbeigeredet. Dennoch hat das Duell eine gewisse Relevanz, und sei es auch nur, weil selbst die Bild-Zeitung die niveaulosigkeit des Fernsehens thematisierte (was an sich ein Hohn ist… anders Thema). Ändern wird es freilich nichts.

    These: Die Gewohnheiten ändern sich mit dem Angebot.

  10. buchstaeblich Says:

    Das Dilemma mit dem Fernsehen ist m. E. vielfach:
    Die Menschen möchten fernsehen, aus welchem Grund (Berieselung nach Arbeitsstress, Bedürfnis nach Information, Unterhaltung etc.). Also schalten sie ein und suchen das kleinste Übel im Programmsalat, weil sie die Wahl zwischen Mist und Mist haben.

    Wenn z. B. eine Sendereihe wie Knallileo herginge und ihre Beiträge nicht mehr von Praktikanten, sondern von echten Redakteuren zusammenstellen ließe, dann ginge es vielleicht nicht mehr um die 1000. Currywursthitliste, sondern möglicherweise um ein echtes Thema, und möglicherweise würden die Menschen an den Bildschirmen nicht wegzappen. Aber das wird ja nicht einmal versucht.

    Übrigens geht es Herrn MRR nicht darum, dass gefälligst den ganzen Tag Goethe und Shakespeare im TV laufen sollen: Er wünscht sich, dass Unterhaltung gemacht wird, die so gut ist wie die Theaterstücke unserer Klassikhelden:
    Informativ, spannend, und witzig, anstatt nur irgendwie Sendezeit zu füllen zwischen den Werbeblocks.

    Dass dergleiche nicht unmöglich ist, zeigen Krimis wie Dr. House, der eine oder andere Tatort, das wundervoll freche Switch reloaded und die Sendung mit der Maus.
    Aber es sind einfach zu wenige Rosinen im Fernsehkuchen.

  11. Ecki Says:

    @unterholzbewohner
    Es gibt eine Seite da kann man sich TV Sendungen runterladen. FRagt mich jetzt nicht wie die heisst…

  12. Richensa Says:

    Tja, und nun liest man in der Netzeitung, dass Herr G die intellektuelle Elite überheblich findet. Und dass man bei ARD u RTL Herrn MRRs Urteil für irrelevant hält.
    Hmm, da fällt mir doch glatt wieder ein Zitat ein: „Widerstand ist zwecklos!“
    Ich gehe dann mal „Hanni und Nanni“ wieder lesen, das passt ja..

  13. buchstaeblich Says:

    Ich muss noch mein T-shirt mit dem Aufdruck „überhebliches Elite-Arschloch“ bügeln.

  14. Petra Says:

    Ich hab mir heute die Kritiken beim Friseur angehört (und im Blog belabert): Wenn Gottschalk wüsste, was seine Klofrau wirklich denkt!
    Was die echten Redakteure statt der Volontäre / Praktikanten betrifft: Wir haben doch längst alle wegen Unterbezahlung und Knebelverträgen den Beruf gewechselt 😉
    Ich kenne übrigens einige klasse Weinhändler, die früher klasse Fernsehen produzierten…

  15. Malcolm Says:

    Also genauso, wie es in den 7 Minuten auf Youtube zu sehen ist.
    Pffft…

  16. Nicht “Lesen!” « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] fand es schlimm, dass der Herr Gottschalk in der Fernsehdiskussion mit Herrn Reich-Ranicki nichts weiter versuchte, als Werbung für seine unguckbare […]

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