In Memoriam Haider


Ja, ich habe eine ganz persönliche Erfahrung zum Thema Jörg Haider beizusteuern:

Es muss 1990 oder 1991 gewesen sein, als ich einige Tage Urlaub im wunderschönen Österreich machte. Es war Frühling und Wahlkampf, der auch vor dem verschlafenen Touristenörtchen nicht Halt machte, in dem ich mich damals aufhielt. Obendrein war irgendein Feiertag, als bei einem Spaziergang die ringsum wahrgenommene Stimmung irgendwie rührig wurde.

Am Ortsrand landete ein Hubschrauber: Herr Haider hatte sich einfliegen lassen zwecks Wahlkampfrede, und wenn man ohnehin nichts Besonderes zu tun hat als Tourist: Da geht man hin, das hört man sich doch einmal an.

Inmitten einiger Dutzend Einheimischer lauschte ich also, und mir blieb der Mund offen stehen.

Hätte ich damals geahnt, dass ich heute diesen Blogeintrag zu verfassen hätte, ich hätte mitgeschrieben, aber sinngemäß bekomme ich die Aussage noch zusammen:

Da berichtete der Herr Haider also, dass perfiderweise böse Menschen aus dem Ausland Österreich unterwanderten, indem sie ins Land kommen und arme, nichtsahnende Unternehmer verführten, sie zu Dumpinglöhnen einzustellen, in der Absicht, den österreichischen Eingeborenen die Arbeitsplätze wegzunehmen, und zwar aus lauter Bosheit und Österreichfeindlichkeit. Und dass man deshalb verhindern müsse, dass Ausländer nach Österreich hinein dürften.

Aha. Ich war zwar Ausländerin, die nach Österreich eingereist war, allerdings lediglich, um ein gewisses Quantum an sauer verdientem deutschem Geld dort zu lassen mittels Investitionen in Hüftgold und Souvenirs. Deshalb hat mich die Äußerung jetzt nicht soooo betroffen gemacht.

Aber wer mich kennt, der weiß, dass mein Mundwerk gern einmal schneller ist als ich selbst folgen kann.

So war mir flugs die Äußerung entfahren: „Ja, aber die Unternehmer werden doch von den Ausländern nicht gezwungen, sie zu Dumpinglöhnen zu beschäftigen, die könnte man doch ganz normal bezahlen, oder einfach die österreichischen Arbeitskräfte behalten.“

Ungefähr ein Dutzend Einheimische drehte sich zu mir um mit Äußerungen wie „Stimmt, ja: Die Frau hat recht!“.

Und der Herr Haider, der zusah, wie gerade ein Dutzend Wählerstimmen den Bach hinunterging, funkelte böse von der Bühne herab.

Ich habe dann doch lieber meinen Spaziergang fortgesetzt: Es musste ja nicht jeder sehen, dass ich mir vor Lachen fast in die Hose gemacht hätte.

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12 Antworten to “In Memoriam Haider”

  1. pjebsen Says:

    @buchstaeblich: A leiwande Gschichtn!

  2. entegutallesgut Says:

    Frage 1: In welchem Bundesland warst du zu Gast?
    Frage 2: Du bist sicher, die Zuhörer der Veranstaltung haben dir zugestimmt? Könnte das nicht ein Dialektwirrwarr gewesen sein, das du wohlwollend als Antwort für deine Frage gedeutet hast?
    Frage 3: Damals 1990, konnten Ausländer noch gar nicht mir nichts dir nichts in Österreich Arbeit finden. Ich kenne zwar Haiders Wahlkampfreden nicht auswendig, aber damals war Haider ideologisch schwer im Wahlkampf unterwegs.
    Frage 4: Deutsche wandern zum Beispiel jetzt aus, weil sie im Ausland eher einen Posten erhalten und auch noch besser bezahlt werden, als im eigenen Land. So sind wir in einem steten Wandel.

  3. buchstaeblich Says:

    Entchen,

    ich war damals im schönen Burgenland.

    Bei der Rede waren allgemein Leute versammelt, nicht bloß Haider-Fans, sondern auch schlicht Neugierige, sprich: Passanten, die einfach mal stehen geblieben waren. Meine westfälischen Ohren waren nicht auf Österreichisch gepolt, aber der obige Zuspruch war eindeutig zu verstehen, einige haben aber auch angesichts der Tatsache, dass da eine Zuagroaste sprach, auf mehr oder weniger hochdeutsch geantwortet. Außerdem war Haiders giftiger Blick so giftig, dass nichts mehr misszuverstehen war – der Wind war aus dem Segel.

    Wie es damals mit Eurer Zuwanderungspolitik war, weiß ich natürlich nicht, aber die Bilder, die Haider da in die Luft pustete, sprachen deutlich von einer antiösterreichischen Invasion, die Euer Land zu überrollen drohte: Populismus halt.

    Haider trug zur Sonnenbankbräune einen feschen blauen Trachtenjanker, war aufwendig gefönt. Sein Hubi-Pilot war aber spannender: Der trug eine Krawatte aus Holzstücken, hat mir und meinem Begleiter geduldig sein Fluggerät erklärt und es war ihm ein wenig peinlich, dass er als Mietpilot sich seine Klientel nicht aussuchen konnte.

    In jedem Land gehen Leute weg, Andere kommen – ich selbst bin auch erst vor anderthalb Jahren von NRW nach Bayern gezogen. Und sollte es einmal so sein, dass Deutschland nicht mehr bietet, was man braucht, würde ich auch ins Ausland ziehen.

    Eines hat Österreich übrigens mit Deutschland, aber auch mit vielen anderen Ländern gemein: Es wohnen überall Menschen, die zunächst einmal Leute sind.

  4. Michi Says:

    Ich warte noch auf die Legendenbildung. Es wäre nicht unüblich, wenn seine Anhänger behaupten würden, Haider wäre…. JAJA.

    Warten wir es mal ab.

  5. buchstaeblich Says:

    Du meinst, wie Elvis, Michi?

  6. entegutallesgut Says:

    Haider ist überallhin mit dem Huberer geflogen. So auch nach der Wahlkampffeier vom Plöschenberg (dort gibt es übrigens herrliches Essen) nach Wien zum lachenden Finale für ihn. Seine Flüge wurden von einem Ktn.Unternehmer gesponsert und kostete dem Ldhptm nichts, vielleicht ein paar wohlwollende Bescheide, die für ihn kaum der Rede waren.
    Was mich nur wundert, dass er eine Wahlkampfveranstaltung wegen ein paar Dutzend Leute gemacht hat. H. hat gerne in Menschenmengen gebadet.
    Sein Janker müsste als Kärntner „braun“ gewesen sein, jetzt nicht wegen seiner Haltung, sondern die sind tatsächlich alle braun.
    Ausländerpolitik war damals noch nicht so das Thema, mehr seine ideologischen Sprüche – Stichwort Ullrichsberg.

  7. Ansku Says:

    Meine Freundin, die in Wien studiert, hat mir auch schon so etwas in der Richtung erzählt, dass sie solche Aussagen von Österreichern gehört hätte. Und die wohnt da erst seit ein paar Wochen.

  8. buchstaeblich Says:

    Entchen,
    mich darfst du nicht fragen – ich war zufällig zugegen. Und seine Jacke (dunkelblau, irgendwas mit ein wenig Wildleder und Trachtenornamentik Ton-in-Ton) habe ich ihm genau so wenig ausgesucht wie seinen Piloten, wer immer das gewesen sein mag – da erinnere ich mich nur an die skurille Holzkrawatte und das seltsam peinliche Getue, ob das nun echt war oder nicht.

    Und was nun sein Veranstaltungs-Tenor war, kann ich nicht sagen, ich habe nicht die gesamte Rede verfolgt, wie gesagt, ich ging dann lieber nach dem Erguss über die angebliche Verschwörung, weil ich so lachen musste.

    Vielleicht liest jemand mit, der damals ebenfalls am Neusiedler See umherstand und weiterhelfen kann?

  9. Dr. No Says:

    Nein, natürlich NICHT wie Elvis. Elvis lebt bekanntlich am Südpol, gemeinsam mit Hitler und den Reptiloiden.

    @Michi: Es hat übrigens nicht lange gedauert: Guckst Du hier

    Aber im den Tenor der 1990er Rede zu rekapitulieren: Hat der Haiderjörg diesen Senf nicht ohnehin bei jedem zweiten Auftritt zum besten gegeben?

  10. Metatron Says:

    …lebe seit 27 Jahren in Kärnten – hät aber nicht gedacht das mir da Jörgi nach seinem Tod noch mehr auf den Sack gehen wird als vorher…

  11. Kingsizefairy Says:

    wäre ich gehässig, was ich ja nicht bin, würde ich fragen: wer will schon nach Österreich? Urlaub, okay-wenns nicht anders geht, aber leben? wohnen??? arbeiten???? In Ösiland??????
    neverever…

    zum Glück bin ich ja nicht gehässig *g*

  12. pjebsen Says:

    Hauptmann Haider hackevoll:

    Bei dem Rechtspopulisten wurden 1,8 Promille Alkohol im Blut festgestellt.
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,584336,00.html

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