Gugl-Fön III: Die Flucht


Brandblasen am Hintern.

Kein Wunder, habe ich doch tagelang auf einem Haufen glühender Kohlen gesessen und auf Nachrichten von Agent 13 gewartet.

Endlich erreicht mich ein Brief. Dieser ist aber streng geheim, weshalb ich die Glocke des Schweigens über diese Nachricht hängen muss.

(hängt die Glocke des Schweigens über die Nachricht und liest:)

Hallo, M.u.t.t.e.r.,

Das Wetter ist schön, das Essen geht so, und mir geht es gut.

Es war eine wilde Hatz: Wie Sie wissen, gelang es mir, mich in einer Kakerlake zu verstecken, um die geheimen Konstruktionspläne des Suchmaschinenriesen fotografieren zu können. Ich hoffe, die Mail und der Bildanhang sind gut bei Ihnen angekommen.

Ich war in Gefahr, denn der Kammerjäger machte seine Runde durch die Forschungslabors des Suchmaschinenriesen – Sie wissen, diese Nerds und ihre Pizzakartons ziehen Ungeziefer magisch an. Ich hatte meine liebe Not, von der inzwischen vom Kammerjäger gehetzten Kakerlake zu springen und meine Arbeit zu machen, um dann die nächste Ratte nach draußen zu nehmen. Ratten gibt es beim Suchmaschinenriesen zum Glück reichlich.

Vorher konnte ich in der letzten Sekunde die Falle für die Spezialisten vom CSI platzieren. Hatte ich doch vor einiger Zeit meine Haare in dem britischen Städtchen Keighley schneiden lassen. Phil Allen, der sauertöpfische Friseur, hatte damals seine Arbeit unterbrechen müssen, um wichtige Familienangelegenheiten und die Teilnahme an einer Friseurmeisterschaft zu regeln. Deshalb bekam er es nicht mit, dass ich mich zu seinem Jacket schlich und eines seiner ausgefallenen Haare entwendete für mein Falsche-Fährten-Kit. Geschickt konnte ich das Haar des Friseurs auf den Konstruktionsplänen platzieren, um die Ermittler zu verwirren und schnell ein Foto von den Plänen schießen, bevor der Kammerjäger hereinkam und die Kakerlake ins Visier nahm.

Nach einem rasanten Satz von der Ratte und einer wilden Flucht durch Nordamerika mit verschiedenen Greyhounds (die Biester haben vielleicht eine Menge Flöhe!) landete ich in einem kleinen Verlagshaus in Charlottesville, wo ich mich gerade noch in einen Briefumschlag retten konnte, mit dem ein Manuskript an einen Möchtegernautoren an diesen zurückgesandt werden sollte. Während des langen Postweges tat ich mir die Lektüre an und starb fast vor Langeweile:

Wer, frage ich Sie, wer will etwas wissen über die Geschichten aus dem Leben einer Farmersfamilie, die rothaarige Kinder am laufenden Meter produziert, diese dann mit Doppelnamen wie Mary-Ellen und Jim-Bob straft und diese pausenlos barfuß in Overalls über den Hof hampeln lässt, während der notgeile Großvater Omas Rock hinterherjuchzt, was dieser nur ein Augenrollen abnötigt? Das war die realitätsfremdeste Geschichte, die ich je zu lesen bekam.

Endlich wurde mein Reisegefährt in einem blechernen Briefkasten in Jefferson County deponiert, und eine rothaatrige Rotzgöre schrie: „Ma, die Post! John-Boy bekommt einen Brief!“. Dumm nur, dass dieser John-Boy den ganzen Tag seinem Dad in der Sägemühle helfen musste, so dass ich den ganzen Tag in dem Kuvert ausharren musste. Bis nach dem Abendessen musste ich unfreiwillig diesen unsäglichen Dialogen lauschen, bis der Rotzlöffel sich endlich in seine Dachkammer schlich, um bei Kerzenlicht den Umschlag zu öffnen und ich endlich entkommen konnte. Auf der Treppe hörte ich noch die unsäglichen Rufe der Familie: „Gute Nacht, Erin!“, „Gute Nacht, Jim-Bob!“, und ich war kurz davor, mich auf die Stiegen zu übergeben.

Zum Glück aber hatte diese Sippe, bei der es unangenehm nach Maisbrei, Kohl und Opa-Füßen roch, eines dieser altmodischen Telefone im Flur, bei denen unsereiner noch halbwegs bequem durch die Leitungen passt. Ich ließ mich von der Vermittlung nach Italien vermitteln, wo ich in der Werkstatt eines Tischlers endlich aus der engen Telefonleitung wieder herauskam. Leider war dieser Mensch offensichtlich psychotisch: Eine halbfertige Marionette auf den Knien, saß er da, in einer akustischen Halluzination gefangen, die ihn mit dem Holzprengel diskutieren ließ: Wir sollten uns an die UN wenden, um die Versorgung Italiens mit Antipsychotika zu verbessern!

Mir blieb nichts anderes übrig, als mich im Nasenloch der Marionette zu verbergen, bevor der halbblinde Tischler den Agentenbraten roch. Von hier aus schreibe ich diesen Brief, den ich der hilfreichen Taube ans Bein binde und hoffe, dass dieser Zwischenbericht Sie, werte Mutter, erreicht.

Ich hoffe, mich bald wieder bei Ihnen melden zu können, Mutter, denn es gibt hinsichtlich der Warteliste für den Gugl-Fön wichtige Nachrichten, die ich hier jetzt nicht erwähnen kann, denn in dieser Region Italiens ist Taubensuppensaison, und wer weiß?!

Viele liebe Grüße und bis bald,

Agent 13

Wie alles begann lesen Sie in Teil I und Teil II

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12 Antworten to “Gugl-Fön III: Die Flucht”

  1. Schildmaid Says:

    Meine Güte, hat Agent 13 ein bewegtes Leben! Da bekomme ich auch Brandblasen am Hintern, weil ich gespannt wie ein Flitzebogen auf die Fortsetzung warte. 😀

  2. buchstaeblich Says:

    Ich bin auch froh, dass ich diese anstrengenden Recherchen nicht selbst durchführen muss. Allerdings passe ich auch durch keine Telefonleitung.

  3. weltdeswissens Says:

    (schweigt ehrfürchtig)

  4. buchstaeblich Says:

    Wir möchten nicht tauschen mit Agent 13, was?

  5. weltdeswissens Says:

    Nein, ich würde ja nicht mal mit Agetin 99 tauschen 🙂

  6. joulupukki Says:

    Ha, da hab ich ja mal einen schönen Artikel für Dich ausgegraben: Gugl Mail schützt seine Anwender davor besoffen E.Mails zu schreiben. Menno, das ist doch mal innovativ. WordPress könnte sowas auch einbauen, wenn ich wieder mal dabei bin peinliche Artikel zu verfassen…

  7. buchstaeblich Says:

    Ganz toll, wie Google sich um seine Benutzer sorgt. Man wird mit Werbeanzeigen versorgt, die zum Inhalt privater E-Mails passen sowie zum angeforderten Suchbegriff, und nun gibt es auch noch den virtuellen Alkotest – demnächst werden Inhalte emotionaler Natur wahrscheinlich erst zu einem Google-Psychoanalytiker gelotst, bevor sie zum Adressaten geleitet werden, schätze ich.

  8. Ansku Says:

    Ich dachte, Du machst sowieso nichts ohne Deinen Analytiker??

  9. Silencer Says:

    Apple reagiert jetzt auch auf den Gugl-Föhn: http://www.spiegel.de/img/0,1020,1322057,00.jpg

  10. weltdeswissens Says:

    (lalllllllllllll) unnnnn weer schüzzz uns vor *hicks* besoffffffffenen *hupps* Blockern (fällt ins Koma)

  11. buchstaeblich Says:

    Ist es nicht interessant, wo Spiegel-Zeichner sich so ihre Ideen holen?

  12. Lebenszeichen von Agent 13 « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] hatte, um mich mit Neuigkeiten aus der Welt der Technik zu versorgen und seine dramatische Flucht erforderlich war, um nicht enttarnt zu […]

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