Kurti iacta est


Schon neulich merkte ich an, wie fröhlich der Herr Beck auf die „Münte is back on stage“-Nachricht reagierte. Der konnte wohl an zwei Barthaaren abzählen, was kommt.

Und was kam, war eine feurige Antrittsrede von Franz Müntefering, in der über das Aroma voller Hosen gepiesackt wurde – diese Pfeilspitze ging eindeutig in die Becks Richtung, und so ganz unverdient hat er diese Klatsche ja auch nicht bekommen, ein hierzu nachzuschlagendes Stichwort dürfte „rumeiern“ sein. Man hätte sich aber sicherlich ein wenig mehr Stil unter Erwachsenen gewünscht, die zumal in der Öffentlichkeit stehen.

Überrascht und schockiert von Becks Rücktritt? Der Steinmeier? Ach, komm! Der wollte doch ohnehin nur kanzlern, wenn Münte im Sandkasten ganz nah neben ihm buddelt.

Müntefering himself hat bei seiner Rückkehr auf die Politbühne den Parteipapa gegeben, der im nächsten Atemzug leidenschaftlich über Arbeit und Schweiß referierte, was ja ganz ausgezeichnet als Bild für ein sozialdemokratisches „Back to the roots“-Gefühl taugte, geschickt unterstrichen durch das Transpirieren unter Bühnenscheinwerfern.

Unter letzterem leidet Mario Barth ja auch immer, wenn er vor Publikum gebetsmühlt, dass er eine Freundin hat, sowas kommt also offensichtlich an, das füllt Stadien!

Also gebetsmühlt Münte „Agenda, Agenda“ und chefft, als wäre er nie weg gewesen.

Zumal der Steinbeißer, äh: Steinmeier ja die weiße Tolle schon jetzt auf Wahlplakaten für die K-Frage sehen möchte. Und weil er als weitgereister Außenminister ja töfte trainiert ist im Reisen, war das gestern bereits erwähnte Spiel „Reise nach Jerusalem“ kein großes Ding für ihn – da wird der Beck vom Stuhl geschubst und der Schrödiant Münte drauf gehievt. Was ein ganzjähriger Wahlkampf als Gegner von Anschela in der Welt mit seinem Außenministerposten und der Glaubwürdigkeit auf internationaler Bühne anstellt, scheint den Beteiligten im Moment nicht wichtig. Nu, ja.

Ob das alles überhaupt lohnt angesichts der sich stellenden Wahrscheinlichkeitsfrage, innerhalb eines Jahres aus einem derartigen Umfragenrückstand einen Sprint nach vorne hinzulegen, ist eine ganz andere Frage.

Agenda, Agenda soll die SPD singen, aber will die das eigentlich? Ob die vor lauter Chorgesangsübung überhaupt merken, was sie singen, in all ihrer Freude über den heimgekehrten Papi? Es wird jedenfalls ein bißchen laut vor Flügelkämpfen gewarnt – das klingt schon wie Pfeifen im Keller, aber hat das seinerzeit den Mann von La Mancha abgehalten, auf die Windmühlen loszugehen? Siehste. Mal sehen, wer in der SPD Windmühle ist und wer das Rasierbecken auf dem Kopf trägt.

Noch wird abwechselnd behauptet, die Tanti Ypsilanti habe gegen das Schrödiantenduo gestimmt, oder aber sich enthalten – wir stecken ja alle nicht drin, gell?

Verdächtig ruhig ist die Nahles. Auch da stecken wir nicht drin, wir wissen nicht, ob man ihr eine Belohnung versprochen hat oder heimlich einen Fleckenentferner gegen irgendwas gereicht hat. Das ist alles Spökenkiekerei, zugegeben. Vielleicht hat sie den Maulkorb ja auch genommen, weil sie bei Münte noch was im Salz liegen hat, und fürchtet, dass er es rausholt – keine Ahnung, es bleibt spannend.

Sollte das vergangene Wochenende eigentlich der SPD dazu dienen, eine Orientierung zu finden, so ist das bedingt gelungen. Rumeiern wie mit Beck will man nicht mehr. Teile der SPD wollen nach links, Steinmeier und Müntefering aber nicht, und weil das mit dem Eiern jetzt nicht mehr läuft, wird dann wohl ein Ruck durch die Partei gehen müssen. Das kann aber genau so gut bedeuten, dass der Reißverschluss schlicht platzt und das Parteigebilde in zwei Teile reißt.

Die tauziehenden Meuten sollten aber daran denken, dass beim Umfallen größerer Ansammlungen auch so eine in Bronze gegossene Agenda beim Umfallen bersten könnte, wenn es zu sehr rummst.

Womit ich zum Kern des Pudels komme, der mir Befindlichkeiten verschafft:

Das völlige Wegballern der Agenda droht ruinöse Folgen für unser Land zu haben. Vor allem, wenn es aus der Hüfte geschossen kommt, indem Hinterbänkler lustige Vorschläge in dem Raum rufen, um auch einmal in die Zeitung zu kommen. Wir wissen ja alle nicht, was da in den Blätterwald gerufen und was dann wieder herausschallen wird.

Das Gießen in Bronze ist aber ebenfalls riskant, denn wenn die Glocke misstönend klingt, ist auch keinem geholfen. Zumal zu feste Strukturen eine Sprödigkeit des Materials mit sich bringen können, die das ganze Ding in Brösel haut, wenn die Mischung nicht stimmt.

Und weil die Welt immer wieder eine Unwägbarkeit bereithalten kann. Das sehen wir u. a. an der Entwicklung der Energiekosten und ihren Folgen für das einzelne Verbraucherleben. So ein klein wenig Flexibilitätsspielraum sollte kluge Politik beinhalten.

Wie jeder gute Stundenplan, um einmal ein ganz einfaches Wort für Agenda lässig in den Raum zu werfen:

Kluge Muttis versprechen abends ihren Kindern, man gehe am nächsten Tag in den Zoo, sofern es nicht regnet – das verstehen Kinder, da gibt es viel weniger Geheul, wenn es am nächsten Morgen schifft.

Aber ob es dann demnächst in der SPD Rührei gibt oder nicht, das weiß ich mangels Wahrsagerkugel auch nicht. Die Frage ist aber auch, ob das überhaupt noch wichtig ist, denn wer im Falle von Hauen und Stechen noch alles auf dem Feld fällt, das werden wir dann sehen.

Doch egal, wer fällt: Es wird niemand sein, der noch nie gelogen hat.

Und für den Fall, dass sich jemand hierher verirrt: Ich bin eine Katzenbloggerin, die ihre ganz persönlichen Gedanken auf den vielfachen Wunsch eines einzelnen Mitbloggers aufgeschrieben hat. Ich habe keine Ahnung von Politik, und das ist gut so!

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27 Antworten to “Kurti iacta est”

  1. Schildmaid Says:

    Ich habe unvorsichtiger Weise einen Blick in meine Wahrsagekugel geworfen:

    Die Märchensteuer wird NICHT wieder gesenkt, egal welcher von den Heinis Regieren spielen darf. 😦

    Mist, das wollte ich gar nicht wissen…

  2. buchstaeblich Says:

    „Die Mehrwertsteuer wird gesenkt“ ist ja auch ein Satz mit mehr als 3 Wörtern – den kann Münte nicht.

  3. T.M. Says:

    Die Nahles ist so verdächtig ruhig, weil erstens im Moment andere die Drecksarbeit machen und zweitens sie in ein, zwei Jahren, wenn genügend Gras über die Sache gewachsen und auch Müntefering in Ablösung befindlich sein wird, plötzlich als Sauberfrau wie Phönix aus der politischen SPD-Asche steigen kann. Die sitzt jetzt schon nervös in den Startlöchern.

  4. julial49 Says:

    Also wenn jeder Politikunahnige so hübsche Metaphern produzieren würde, sähe die (Blogger)Welt sehr viel besser aus!

  5. buchstaeblich Says:

    Ich kann zwar sonst nicht viel im Leben, aber wenigstens kenne ich hübsche Wörter. Zu irgend etwas muss ja sogar ich gut sein.

  6. Michi Says:

    Und grad als ich die Beckmussweckpartei aufmachen wollte – zack, da isserwech.

    Trauriges Lied um die SPD. 2009 wird sie wieder verlieren. Naja. Schwarzgrüne Optionen vielleicht…mal sehen was Hamburg so macht, dann.

  7. romanmoeller Says:

    @buchstäblich: Vielen Dank für deine Stellungnahme zu dem Thema, jetzt bin ich wahrlich schlauer. Wie bereits von JuliaL49 bemerkt, hast du deine Gedanken wahrlich in hübsche Metaphern gepackt.

    In einem Punkt muß ich dir aber Unrecht geben. Natürlich kann Münte sagen, das sie Mehrwertsteuer gesenkt wird – er muß nur den Artikel weglassen. Er hat ja auch nicht gesagt: „Die Opposition ist Mist!“ Er will es eben nur nicht sagen.

  8. buchstaeblich Says:

    Recht hast du, Roman, der Münte ist ein ganz perfider Wörterweglasser.
    Aber dass Du tatsächlich schlauer bist nach der Lektüre meines Beitrages, kann ich mir nicht recht vorstellen. Es sei denn, Du meinst die Stelle, an der ich erwähne, von Politik keine Ahnung zu haben.
    🙂

    Michi,
    vielleicht hatte der Beck soviel Angst vor der Gründung deiner Partei, dass er Präventivtauchen vorzog.

  9. weltdeswissens Says:

    Das war Kurt
    ohne Helm und ohne Gurt
    Der Kurt Beck
    Grad noch da, schon issa weg
    Das war Kurt
    Der vorne bellt und hinten knurrt
    Geschubst in die Polit-Heia
    Von Münte und Steinmeier

  10. buchstaeblich Says:

    Treffend. Äußerst treffend.
    Aber hoffentlich hält sich Zanders Frank jetzt nicht für einen Propheten. Noch schlimmer: Wenn er nach dem Versuch, mit Knut eine Platte zu kochen, jetzt den Kurt musikalisch aufwärmt. Mit angeklebtem Bart statt mit Ledermantel – oh, Grusel!
    😎

  11. weltdeswissens Says:

    (Wickelt Frau Dr. BuStä sanft in Alufolie)

  12. buchstaeblich Says:

    Ach ja, das hält mich frisch.

    (seufzt wohlig)

  13. romanmoeller Says:

    @buchstäblich: Das du vom Politik keine Ahnung hast, ist natürlich Understatement. 😀

    Ich bin schon etwas schlauer, da der voherige Beitrag sich ja nur auf Beck bezog und nicht auf das neue Duo Steinmeier/Müntefering.

  14. buchstaeblich Says:

    Whow! Habe ich Metaphern benutzt, die Du noch nicht kanntest?

  15. Silencer Says:

    Ein Meisterstück, Frau Buchstäblich! Meine alten Lehrmeister Franz Walter und Peter Lösche wären stolz auf Sie – Sie sezieren in prägnanten Worten die aktuelle Situation!

  16. buchstaeblich Says:

    Meine Güte, was habt Ihr denn bloß alle? Ich habe doch nur Metaphern gestreut, in Ermangelung echten politischen Wissens. Ich kann keine Politik, ich kann maximal Leute.

  17. romanmoeller Says:

    Sicherlich hast du auch Metaphern genutzt, die ich noch nicht kannte – aber das spielt keine Rolle. Du hast den Sachverhalt geschmeidig in Worte gepackt! Und jemand, der keine Ahnung von Politik hat, kann das so nicht schreiben… 😀

  18. joulupukki Says:

    Da muss ich doch auch gleich den Hut ziehen! Ob Du von Politik etwas, viel oder nichts verstehst vermag ich nicht zu beurteieln, aber ein messerscharfer Haus-&Menschenverstand pfeffert da durch die Zeilen, dass mir heiß und kalt wird. Beste Vorrausetzungen zur Politikerin, würd ich mal meinen…

  19. buchstaeblich Says:

    Ach, Ihr Lieben! Ich habe nur draufgeschaut und das, was offensichtlich ist, in launige Assoziationen gepackt und mit dem bißchen gesunden Menschenverstand abgerundet, den man so braucht, um sich durchs Leben zu wurschteln.

  20. romanmoeller Says:

    Und das Ergebnis liegt klar über dem Durchschnitt!

  21. weltdeswissens Says:

    Ich schließe mich an! Bis auf das mit „Beste Voraussetzungen für eine Politikerin“. In der traurigen politischen Realität ist ein scharfer Verstand nicht gefragt, eher hinderlich. Wünschen würde ich mir solche Politiker/innen natürlich auch.

    Bleiben Sie immer schön frisch, Frau Dr. BuStä, bitte!

  22. buchstaeblich Says:

    In der Politik ist Wahrheit so wenig gefragt wie klare Worte: Mich würden sie da ohnehin nicht nehmen. Zudem würde ich immer lachen müssen, wenn einer Unfug redet – das macht sich ja auch nicht gut vor all den Leuten.

  23. joulupukki Says:

    Also da bin ich anderer Meinung. Für mich sind klare Worte, Wahrheit und eine Meinung, die nicht nach Tagesbefindlichkeit mit dem Wind dreht in der Politik gefragter denn je. Ich möchte den Status Quo auch weder als ‚ist nun mal so‘, noch als ‚gehört so‘ sehen. Gehört eben nicht so und hat sich auch erst nach und nach so eingeschlichen. Es gab schließlich auch Zeiten, in denen Politik konstruktiv betrieben wurde, für das Wohl der Bevölkerung, nicht der Wirtschaft und nicht der eigenen Parteifarbe. Und das sollte dann schön langsam auch wieder mal so werden.
    Daher: Buchstäblich 4 President!

  24. weltdeswissens Says:

    Frau Joulu, ausnahmsweise muss ich DuSie widersprechen. Ich glaube, die wenigsten Menschen wollen WIRKLICH die Wahrheit hören. Ich dachte auch immer, alle würden lieber die harte Wahrheit hören als die offensichtlichen Lügen, die einem so aufgetischt werden. Die Realität ist anders: die großen Lügner werden gewählt. Die meisten Menschen wollen lieber, dass alles bleibt, wie es ist, auch wenn das bedeutet, dass der Karren im Dreck steckt. Lieber ein bekanntes Elend als eine unbekannte Chance, die auch ein Risiko in sich birgt. Ich merke das schon im Alltag: wer will schon unbequeme Dinge hören, wenn er auch ein „Alles ist gut“ hören kann? Die meisten Menschen lesen Blöd und schauen RTL und glauben, was man ihnen da erzählt.

  25. buchstaeblich Says:

    Selbst, wenn wirklich eine(r) kommt, der/die mit Rechtschaffenheit an die Sache herangehen möchte – und ich kann mir vorstellen, dass dies in jeder Partei irgendwo im Lande vorkommt: Wie weit kann so jemand kommen im politischen Haifischbecken?
    Es geht im Ortsverein los mit: „Ja, also, du müsstest dann jetzt für ein Jahr die Kassenbücher machen (das will ja immer keiner!), aber wenn du mich dann nächstes Jahr für Posten X unterstützst, dann sorge ich dafür, dass du auf Posten Y nachrückst“.
    Inhalte, Kompetenzen? Das interessiert kein Schwein.

  26. weltdeswissens Says:

    Das geht wirklich schnell so. Selbst wenn alle engagiert sind. Die erforderlichen Kompromisse gehen schnell an die Grenzen dessen, was man selbst für vertretbar hält. Ja, und die Postenschacherei.. die haben Sie gut auf den Punkt gebracht, liebste Friederike.

  27. romanmoeller Says:

    Also Ehrlichkeit und klare Worte sind in der Politik natürlich nicht gefragt, als vielmehr ein Talent, das Grauen in verbal in Watte zu packen und den Wählern als Politikerfolg zu verkaufen.

    Bei den meisten Leuten müsste ich auch ständig lachen! 😀

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