Bäh-lämmert


Anlässlich eines Ausfluges bot sich die Gelegenheit zu einer sehr interessanten Beobachtung:

An einem Hang befand sich eine Schafweide mit passendem Getier darauf.

Als es zu regnen begann, verzogen sich die Schafe unter einen Baum am Rand der Weide. Der Schauer dauerte nicht lang, rasch war es wieder sonnig, weil die Regenwolke forttrieb.

Die Herde stand noch unter dem Baum, wurde unruhig und nervös, blieb aber trotzdem stehen und machte keine Anstalten, zurück auf die offene Wiese zu traben. Ohne übersinnlich klingen zu wollen, es war fast, als könne man die Gedanken der Unterschafe in Richtung des Leithammels hören: „Bääääh, Du dämlicher Hammel, jetzt beweg‘ doch endlich die verdammten Hufe, wir wollen grasen, verdammte Hacke!“.

Bei Herdentieren ist es ja nun einmal so, dass die nicht einfach loslegen können, etwas zu tun, da muss immer erst das Chefschaf vorneweg anfangen, damit alle anderen hinterherdackeln können.

Diese Unruhe zog sich einige muntere Minuten hin, bis endlich – endlich! – der Dödel von einem Leithammel in Bewegung geriet und die Herde ihm nachtrotteln konnte, um frischgeduschte Kräuter von der Wiese zu mümmeln.

Diese Szene, liebe Leser, machte mich sehr nachdenklich.

Und nun denke ich darüber nach, warum sie mir ausgerechnet gestern abend wieder einfiel, ist es doch schon über ein Jahr her, dass ich sie beobachten durfte.

Na, mal sehen.

Aber auf jeden Fall: Danke, Schafe, ich habe, glaube ich, etwas fürs Leben von Euch gelernt.

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13 Antworten to “Bäh-lämmert”

  1. luckyjack42 Says:

    Da solltest Du nicht zuviel hineininterpretieren, vielleicht wollten sie nur warten, bis die Gräser und Kräuter getrocknet waren. 😉

  2. Micha Says:

    Wieso ist eigentlich der Hammel dämlich? Bloß weil die anderen nicht kapieren, dass es aufgehört hat zu regnen? Bloß weil er ihnen nicht sagt, sie dürfen wieder grasen? Unselbständiges Wollpack. Und uberhaupt: Was sind das denn für Jammerlappen-Schafe, die sich wegen ein bisschen Wasser unters Bäumchen verkriechen? Ich lerne daraus: Die Gesellschaft verweichlicht, auch die tierische. Jawoll.

  3. buchstaeblich Says:

    Die Anderen hatten ja kapiert, dass es nicht mehr regnet, bloß der Leithammel stand auf seiner eigenen Leitung. Deshalb haben die Schafe ja so nervös drängelig rumgedruckst, bis er endlich losläuft.
    Das ist so, wie wenn eine Regierung sich mal wieder nicht entschließen kann und das Volk warten muss, wie es denn nun weiterläuft.

  4. weltdeswissens Says:

    Von den Schafen lernen heisst grasen lernen.

    Dabei sind die Folgeschafe doch auch dämlich, sind sie doch zu doof, sich eine eigene Meinung zu bilden und selbst Entscheidungen zu treffen. Dafür haben sie lieber einen Leithammel, über den sie meckern können.

  5. buchstaeblich Says:

    Das ist ja das Faszinierende: Sie sind so mensch(enähn)lich.

  6. weltdeswissens Says:

    Herdentiere eben 😉

  7. buchstaeblich Says:

    Wenn uns Menschen bewusster wäre, dass „Herdentier“ sehr viel mit „Herd“ zu tun hat, könnte die Evolution rapide Fortschritte machen.

  8. weltdeswissens Says:

    Eigener Herd ist goldes wert, eigenes Herdentier, weiter kommt man ohne ihr?

  9. buchstaeblich Says:

    Wer zu sehr Herdentier ist, wird sich eines Tages wundern, wenn er in der Backröhre hockt und verbraten wird.

  10. weltdeswissens Says:

    Stimmt. Der guckt dann ganz schön bäh-lämmert.

  11. impuls2008 Says:

    …DEN muss ich noch schnell loswerden, denn dazu fällt mir [sehr passend]sofort ser alte Albert ein:

    „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein.“

    Albert Einstein

    Quelle: http://impuls2008.wordpress.com/2007/08/01/zitat-des-tages/#comment-465#comment-466#comment-466

  12. buchstaeblich Says:

    Ja, der Albert und ich …
    😉

  13. weltdeswissens Says:

    Der Albert und Du? Habt Ihr wieder irgendwas angestellt???

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