Der Wulff ist aber auch einer …


Der Wulff, der Christian, der stetsgefönte, ist ein Muster an Bescheidenheit.

So konnte man es heute morgen der Online-Welt der Welt erblättern: Er traut sich die Kanzlerschaft nicht zu…

Erst dachte ich: Dem kann ich nichts hinzufügen, da sind wir uns einig.

Wir sind uns einig?!?!?! Der Wulff und ich? Da kann ja etwas nicht stimmen.

Also musste den Worten des Herrn Wulff doch ein wenig näher auf den Zahn gefühlt werden.

Dass er aus Machtpositionen keinen Lustgewinn zieht, sagt er. Und dass die Alphatiere Merkel, Münte und Koch heißen.

Aha. Die ziehen dann also sehr wohl Lustgewinn aus Macht. Gut, das war jetzt nichts Neues. Das nennt man im Fechtsport, glaube ich, Seitenhieb. Er selbst habe sich zuviele Selbstzeifel erhalten – damit will er wohl sagen, das vorgenannte Dreigestirn hat keine. Schon wieder nichts Neues.

Außerdem solle dat Anschela keine Ämtertrennung anstreben, sondern CDU-Vorsitz und Kanzlerschaft beibehalten. Da denkt man erst mal an Zuspruch, aber: Wulff meint, sie solle das deshalb tun, weil sie außer ihrer Büroleiterin ja doch niemandem vertraue: Oh, oh! Zumal: „Ich werde nie meine eigene Meinung an der Garderobe abgeben, sondern vertrete sie auch dann, wenn die Kanzlerin mal gegenteiliger Meinung ist.“, er findet also nicht gut, was Anschela so macht. Ich auch nicht, aber das ist etwas ganz Anderes.

Weiter steht dann in der Welt, was Wulff so von sich gibt:

Die Kanzlerin führe im Sinne von Nelson Mandela, wie ein guter Hirte, der die Herde von hinten führe: „Ihm geht kein Schaf verloren, und trotzdem geht die Herde in die Richtung, die er möchte.“

Auf gut deutsch: Anschela dackelt hinterher. Das wussten wir schon, Herr Wulff.

Und er kündigt Widerspruch an, für den Fall, dass in der großen Koalition seine Partei auf der Strecke bleibt. Äh: Auf der Strecke liegt doch schon die SPD – nicht, dass es da eng wird im Staub!

Was im Volk nach der Meinung des Herrn Wulff benötigt werde, sei „neues Vertrauen der Leistungsträger, der Familien, der Arbeitnehmer und der Mittelständler“ – tja, wenn Altes aufgebraucht ist, muss man Neues kaufen, das weiß jede Hausfrau. Die Hausfrau weiß aber auch, dass das nur geht, wenn das Portemonnaie noch nicht leer ist.

Außer man kauft auf Kredit, aber glaubt Herr Wulff, er hätte bei den Wählern automatisch Kredit, nur weil Merkel, Münte und Co. Ebbe im Vertrauensportemonnaie haben? Da muss ich ihm auch seine eigenen Worte entgegenhalten: „Es reicht nicht, einseitig über das Verteilen zu diskutieren.“. Das gilt aber nicht nur für Haushaltsgelder bei Hausfrauen und in der Regierung, sondern auch für ein so kostbares Gut wie Vertrauen. Nicht, dass ich die jetzige Regierungsspitze verteidigen will, aber man treibt den Teufel nicht mit dem Beelzebub aus.

Die CDU habe ihre stärksten Phasen immer dann gehabt, „wenn sie vermeintlich Unpopuläres durchgesetzt und mehrheitsfähig gemacht hat“, sagt Wulff – so steht es jedenfalls in der Welt.

Warum habe ich jetzt das Gefühl dass der Herr Wulff mit diesem Satz sich selber meint? Er ist unpopulär und er möchte sich durchsetzen und eine Mehrheit! Und dass er eigentlich drauf wartet, dass seine Spezis und/oder die Gegner von Anschela jetzt zu ihm gerannt kommen und sagen: „Ey, Christian, Du schaffst das schon, komm, vergiss‘ deine Selbstzweifel, und wenn Du uns die richtigen Pöstchen zuschacherst, dann stärken wir dir schon den Rücken und schießen die Anschela in den Wind, das ist doch sowieso kein Job für eine Frau!“.

Ich mache jetzt schon mal „Bing, bing“, denn die nächste Runde kommt bestimmt.

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22 Antworten to “Der Wulff ist aber auch einer …”

  1. zimtapfel Says:

    Tja. So ein altes Naturgesetz in der Politik besagt, das derjenige, der als erstes für eine Position ins Gespräch gebracht wird, es definitiv nicht werden soll. Ich ziehe, Herrn Wulff betreffend mal den Umkehrschluss: Der, der sich selbst demonstrativ für eine bestimmte Position ausschließt, will genau diese langfristig unbedingt bekleiden.

  2. buchstaeblich Says:

    Jepp!
    Erinnerst Du dich an: „Wir dürfen auf keinen Fall die Mehrwertsteuer erhöhen!“?
    Man ruft etwas in die Runde, dann ist die Gegenpartei gezwungen zu sagen, man müsse ganz unbedingt dringend und schnell das Gegenteil tun.
    So funktioniert Politik. Wenn man etwas will, behauptet man gegenüber der Presse das Gegenteil, dann kommt das schon.

  3. Mcp Says:

    Wie sich die Zeiten ändern. Früher, ich meine ganz früher, hätte dem Christian noch Beiname „der Mutige“, „der Kühne“ oder „der Gerechte“ zugestanden. Heute heißt er „Christian der stetsgefönte“. Na ja, vermutlich ist der Fortschritt auch nicht mehr das, was er mal war .

  4. buchstaeblich Says:

    Wann war denn dieses Früher, zu dem Christian Wulff Beinamen wie „mutig“, oder „gerecht“ zugestanden hätten? Kühn – ja, da lasse ich mit mir reden, obwohl es m. E. ein „tollkühn“ eher trifft – jedenfalls nach dem, was er jetzt abgelassen hat.
    😉

  5. Selerwil Says:

    … ich denke mal an kalkuliertes Selbstmarketing. Is ja nich doof, der wulffi! 😉
    Wuff!! (ohne l) :mrgreen:

  6. Frau Weitergelesen Says:

    Zimtapfel hat es hervorragend auf den Punkt gebracht. 😉

  7. buchstaeblich Says:

    Selerwil,
    doof für ihn ist jetzt nur, dass es Leute gibt, die lesen können, was? 😉

  8. Selerwil Says:

    … stimmt schon, nur haben wir vieles andere auch schon gelesen, lesen müssen (oder doch dürfen!?) und dann??
    Anders. Nicht Christian.
    Kam’s.
    :mrgreen: 😉

  9. weltdeswissens Says:

    Das netteste, was ich über den Chrischan sagen kann, ist, dass er wenigstens nicht der Koch ist.

  10. buchstaeblich Says:

    Dass wir heute doch noch etwas Positives übers Wulfferl sagen können, überrascht mich jetzt. Aber es stimmt: Sogar zwei Wulffe wären noch besser als ein Koch.
    Das hat aber auch damit zu tun, das viele Köche den Brei endgültig verderben.

  11. weltdeswissens Says:

    Ich hab ja seinerzeit sehr gelacht über das Titelfoto von Koch in der Titanic mit dem Unterttitel „Ethik-Kommission ratlos: wo beginnt menschliches Leben“.
    Böse inkorrekt, aber sehr lustig.

  12. buchstaeblich Says:

    Politische Korrektheit ist für Spaßbremsen. Man muss wissen, an welchen Grenzen man haarscharf vorbeischrappen kann. Außerdem halten wir so manches aus, was die Bundesburschis uns so aufs Auge drücken – da gilt dann auch: Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, muss damit rechnen, drin umzukommen.

  13. Mcp Says:

    Nun ja, meine Dame. Ich lasse mit mir über vieles reden. Sogar über Beinamen. In aller Bescheidenheit wollte ich nur darauf aufmerksam machen, wie unterschiedlich die Wahrnehmung selbiger, zwischen den Geschlechtern ist. Wäre ich cholerisch, was ich nicht bin, würde ich antworten: Ein. Mann. wäre. niemals. auf. die. Idee. gekommen. den. Christian. den. stets. Gefönten. zu. nennen.

    Darauf kommt wirklich nur eine Frau und zwar deshalb, weil ein Mann als solcher, die Tatsache als solche einfach nicht bemerkt. Selbst dann nicht, wenn er sich selber täglich föhnt. Oder heißt es fönen? Na egal, es ist u.n.w.i.c.h.t.i.g. Der Christian, diese niedersächsische Schwuchtel, hat diese Beleidigung einfach nicht verdient.

    Ich seh schon, ich bin hier in eine kaffeeklatschende Weiberrunde geraten. Nichts für ungut Mädels. Weitermachen.

    Ich hoffe Frauen, wie ihr, verstehen ein wenig von männlicher Ironie.

    Ich bin schon weg, bevor ihr mich jetzt verprügelt. So feige bin ich allemal.

  14. Verdammich! « Mit elektrischer Feder Says:

    […] was für Weicheier uns heutzutage als Ministerpräsidenten regieren. Selbst dann Weichei, du “stetsgefönter“, wenn die Bemerkung eine hinterfotzige Bewerbung […]

  15. buchstaeblich Says:

    Frisuren, lieber mcp, insbesondere Politikerfrisuren, sind – ich gebe dir nicht unrecht – unwichtig. Meistens. Aber wenn sie die Denke eines Trägers so dermaßen symbolisieren, als seien sie der verlängerte Kopfinhalt desselben, also eine Manifestation des cerebralen Betons nach außen hin, dann kann man ruhig darüber sprechen, ohne dass es Weiberkacke ist.

    Und außerdem hau‘ ich keine Jungs – ich brauche Gegner, keine Opfer! 😉

  16. zimtapfel Says:

    Oh ja, die niemals zugegeben gefärbten Haare des Altkanzlers hatten schon auch so ihren Symbolgehalt…

  17. buchstaeblich Says:

    Genau, und so wie der Gasriese nie gefärbt hat, so ist der Wulffi kein Betonkopf.

  18. weltdeswissens Says:

    „Ich hoffe Frauen, wie ihr, verstehen ein wenig von männlicher Ironie.“

    Ich verstehe Ihren ganzen Beitrag nicht. Die Punktuierung trägt das ihrige dazu bei.

    Schlimmer als die Haarefärberei finde ich, dass erwachsene Männer bereits die vierte oder fünfte Ehe geschlossen haben. Wenn’s nicht klappt, dann lasst es doch einfach mit dem Heiraten! Schlimm finde ich das übrigens nicht aus „moralischen“ Erwägungen, sondern aus der Überlegung, ob solche Menschen überhaupt langfristige Entscheidungen treffen können, also für das ihnen übertragene Amt geeignet sind.

  19. buchstaeblich Says:

    Ach, liebe weltdeswissens,
    es wird doch ohnehin immer nur maximal bis zum nächsten Wahlkampf entschieden, oder bis zur nächsten auftauchenden Statistik, oder bis die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird, und fast so lange halten die Beziehungen des Gasriesen oder des joggenden Weinfasses doch immerhin auch.
    Und da wird mcp mir recht geben müssen, wenn ich die Beständigkeit der Frisur des Herrn Wulff hervorhebe – da ist ein Funken Stabilität in der Politikwelt sichtbar.

  20. weltdeswissens Says:

    Sie haben ja recht, Gnädigste, aber gerade das find eich das beklagenswerte. Niemand hat mehr Visionen, nur noch Ziele wie die nächste Landtagswahl. Und irgendwo wird doch immer gewählt 😦

    Ich hoffe, die Stabilität der Wulffschen Frisur ist nicht ds Ergebnis klimaschädigenden Verhaltens.

  21. buchstaeblich Says:

    Wenn wir Stabilität und Nachhaltigkeit wollen, sollten wir Wahlen abschaffen.
    Stattdessen müssten wir Politiker unbefristet einsetzen, allerdings mit der Möglichkeit der Absetzung von Bürgerseite und evtl. anderer Strafen im Falle von Schlechtleistung und/oder bösartigen Lügen.

  22. weltdeswissens Says:

    Ich plädiere eher für Mindestvoraussetzungen für den Eintritt in Ämter und gegen Berufspolitikerkarrieren. So war die Demokratie doch nie gedacht, als ein Kastenwesen.

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