Bauch-Busen-Bananen-Battle, Teil I


Weil der Theleprompter so lieb nach der volksseligen Mutmaßung über die Entstehung der Wörter Bauch, Busen und Banane bei mir nachgefragt hat, will ich an dieser Stelle versuchen, ihm auf die Sprünge zu helfen, und mal schauen, ob ich es nicht doch schaffe, seine Unterarmhaare in Hab-Acht-Stellung zu bringen:

Ich beginne mit

Bauch:

Die Entwicklung dieses Wortes mit seiner Ursprungslautfolge muss

auf jeden Fall in sehr grauer Vorzeit begonnen haben, und zwar entweder in einem Stamm, der genetisch zu den unmittelbaren Vorfahren der Westfalen gehört, oder aber es gibt ein eigenes Spezialgen auf dem dieser Bauch-Vorfahr wörtlich notiert ist. Dieses Gen ist keinesfalls ein rezessives, denn die Lautfolge ist bis heute, wenn auch in verwischter Bedeutung, tief in die westfälische, besonders aber in die ruhrpöttische Volksseele eingebrannt.

Die Rede ist natürlich vom Standardlaut der Ruhrpötter: „Boah!“

Diese Lautfolge dient dem gemeinen Pötter zur Einleitung oder Beendigung von Sätzen, aber auch zum Ausdruck von Erstaunen jeglicher Art , sowie als Widerspruch oder um die Kommunikation in ganzen Sätzen überhaupt zu vermeiden, etc.

Doch schon in grauer Vorzeit, als die Menschheit so langsam von den Bäumen kletterte und rudimentäre Grunzlaute als Vorläufer von Sprache die Oberhand hatten, war „Boah“ bereits vorhanden. Und zwar in einer Vielzahl von Variationen.

„Boah!“

  • laut hervorgestoßen mit einem in der Tonhöhe aufsteigenden Schmerzlaut: Ich bin vom Baum aus direkt auf die Fresse gefallen, und das tut weh!

„Boah!“

  • mit leicht explodierendem „b“ und langem „o“ vor kurzem „a“, staunend: Kumpel, du hast aber ein Riesenviech erlegt, da kann die ganze Sippe heute abend grillen und fürs Frühstück reicht es auch noch.

„Boah!“

  • nach dem Essen des frisch gegrillten Hümmelhahnhäschens (die wurden damals noch 2,50 m groß!), mit vollem Wanst beim Feuer sitzend: Also, das Viech, dass der Kumpel da erlegt hat, war ja nicht nur lecker, ich bin so satt, ich mag kein Blatt.

„Boah!“

  • hoch, mit eingezogener Luft, aufgerissenen Augen und den Augenbrauen im Haaransatz, hervorgestoßen von der Höhlengefährtin unseres Protagonisten: Macker, ich habe dir erst vor zwei Monaten diesen Umhang aus Muranobock (die hatten damals noch einen Umfang von bis zu 2,5 m) getackert. Und jetzt ist das Ding kurz vorm Platzen, weil du ja jeden Abend grillen musst und dann frisst wie ein Bartschweinvorfahr – nimm dir ein Beispiel am Gefährten meiner Schwester, der hält sich ja auch beim Essen zurück und überhaupt könntest du mir mehr in der Höhle helfen und mal was mit den Kindern machen.

Und dieses letzte „Boah!“ nun sollte Geschichte machen:

Immer, wenn unser Protagonist sich bückte, und der Muranobockumhang sich spannte, lästerte seine Gefährtin mit dem hohen, mit eingezogener Luft, aufgerissenen Augen und den Augenbrauen im Haaransatz hervorgebrachten „Boah!“, bis sie eines Tages gerade angesetzt und das „b“ von „Boah!“ hervorgebracht hatte, als der Umhang platzte und der Gefährte reflexartig mit seiner Keule seiner Holden einen Schlag aufs Hinterteil versetzte, was einen noch älteren Laut, der noch tiefer ins menschliche Genom eingraviert ist, hervorrief, nämlich „Au!“, und im Auslaufen des „u“ mittels des ansteigenden Adrenalins ein fauchendes „ch“ nach sich zog, sowie diverse Boxhiebe, Tritte und Bisse, gepaart mit Kratzwunden.

Die ganze Sippe, die inzwischen ob des Tumults zusammengelaufen war, wurde Zeuge der Entstehung einer neuen Lautfolge: „B-au-ch“ wurde fortan das Platzen eines Kleidungsstücks über einem vollgefressenen Wansts genannt, doch im Laufe der nächsten pi-mal-Daumen 3.475,3 Jahre und weil wir das Wort Lautverschiebung noch nicht hatten, obwohl es hier auch überhaupt nicht gebraucht wird, verschliff sich der Gebrauch der Lautfolge „B-au-ch“ zu „Bauch“. Weil die Weibchen inzwischen aber gelernt hatten, ihre Gefährten ein wenig mehr herumzuschicken, wodurch weniger Muranobockumhänge platzten, so blieb doch „Bauch“ erhalten und rettete sich durch die Jahrtausende als Bezeichnung für die vordere Region zwischen Brustkorb Richtung Südpol.

Auch wenn in der Neuzeit mit dem ausgehenden 20. Jahrhundert die Jogginghose für Nichtjogger den Muranobockumhang ersetzt hat: Die Zusatzdiät aus Bier und Bratkartoffeln hat dafür gesorgt, dass übergroße Wampen nicht aussterben, und wie es aussieht, wird es deshalb das Wort „Bauch“ noch lange geben.

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16 Antworten to “Bauch-Busen-Bananen-Battle, Teil I”

  1. Silencer Says:

    Ist es sehr heiß?
    Da, wo Du schreibst?

  2. buchstaeblich Says:

    Ich kann nicht dafür, ich musste das schreiben.

  3. Silencer Says:

    Legt mitfühlend die Hand auf die Stirn und reicht ein Glas Eistee.

  4. buchstaeblich Says:

    Danke! Du bist so lieb zu mir.

  5. the rufus Says:

    Und ich dachte der Bauch ist von den Sumerern gemeinsam mit dem Bier eingeführt worden …

  6. buchstaeblich Says:

    Ja ja, das dachten viele. Bis das Ding mit dem Ruhrpott entlarvt wurde.

  7. the rufus Says:

    Dann bin ich aber schon einmal gespannt, woher die Bananen kommen. 🙂

  8. buchstaeblich Says:

    Alles zu seiner Zeit …

  9. theleprompt Says:

    Oh! Ah! Oah!

    Muss irgendwie daran liegen, dass ich parallel gerade Blixa Bargeld im Interview darüber reden höre, wie echte Erdnüsse schmecken. Die kennt man hier nämlich gar nicht. Nur in Peking. Da wohnt er jetzt, kommt aber dieses Jahr nicht mehr hin, weil seine Frau in Standford weilt.

    Spannend aber, dass du „Bauch“ und „dicker Bauch“ gleichsetzt. Gibt ja auch sowas wie „flachen Bauch“. Die Übertragung ist dann durch ironische Verwendung passiert? Bei dir ist das ja so negativ konnotiert.

    Was haben Westfalen und Ruhrpötter eigentlich miteinander zu tun, bzw. gerade nicht? Ich glaube mich da an gewisse Migrationsströme in das Gebiet nördlich der Ruhr erinnern, so dass die heute Bevölkerungsmelange überlicherweise nicht auf eine Wanne-Eickelsche mitochondriale Eva zurückgeführt, oder? Was ist mir da entgangen? Sonst fällt doch die genetische Veranlagung zum Boah zusammen, oder?

  10. buchstaeblich Says:

    Der „dicke Bauch“ war ja nur die Entstehung, so fing es an, später regulierte sich das: „so blieb doch „Bauch“ erhalten und rettete sich durch die Jahrtausende als Bezeichnung für die vordere Region zwischen Brustkorb Richtung Südpol.“
    Ich kann doch auch nicht dafür, dass der Protagonist damals so gern Grillfleisch aß.

    Da, wo sich der Ruhrpott heute befindet, haben die Aboriginees von damals ihre Gene gestempelt gekriegt, und das wurden dann später erst einmal die Westfalen. Dann kamen all‘ die Anderen, und verpaarten sich fleißig mit den Westfalen, die nach der ganzen Zeit immer noch das „Boah-Gen“ in sicht trugen und weitervererbten, weil es bei den Zuwanderern auf fruchtbaren Boden fiel und überhaupt dominant war und obendrein zu ganz neuer Blüte kam.
    Dort herrscht es gerecht und Frieden bis zum heutigen Tage.
    Ist doch ganz einfach, oder?

    Aber wenn man sich mit den Nüssen des Herrn Bargeld beschäftigt, ist es gar nicht so leicht, mir zu folgen, was?
    😉

  11. theleprompt Says:

    Well. Yes. Of course. Gelesen hatte ich das. Aber das Zwingende in der Argumentation blieb mir noch verborgen. Gibt’s denn einen Selektionsvorteil durch das Boah-Gen? Und warum sind andere Begrife wie „Wanst“ oder „Wampe“ nicht irgendwann ins Positive umgeschlagen? Sind die eigentlich ins Westfälische eingeschleppt worden?

  12. Schonzeit Says:

    ein sehr schöner Beitrag über die Entstehung der Sprache an sich, denn Boah selbst kann ich schwerlich als Sprache ansehen. 🙂

  13. buchstaeblich Says:

    Wanst sagt man in Westfalen eher nicht, Wampe nur gelegentlich. Aber „Pocke“, „Bierpocke“ und „Plauze“ sind beliebte Synonyme.

    Ob „Boah“ einen Selektionsvorteil ausmacht? Keine Ahnung, aber es hält sich hartnäckig.

    Schonzeit,
    Du bedenkst aber schon, dass die Tante bloß spinnt, ja?
    Wenn Du echte Informationen willst, ist theleprompter die richtige Adresse – der kann sowas in echt! 🙂

  14. theleprompt Says:

    Wieso sollte Boah selbst keine Sprache sein?? Nehmen wir mal ein kurzes „Boah“ und ein langes „Booaaah“ als Grundlage. Dazu den Morsecode. Dann lässt sich der schöne Satz „Das Nichts selbst nichtet, und offenbart damit das Seiende in seiner vollen, bislang verborgenen Befremdlichkeit als das schlechthin Andere – gegenüber dem Nichts.“ ausdrücken als:

    booaaah boah boah boah booaaah boah boah boah booaaah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah booaaah boah boah boah boah boah boah boah boah booaaah boah boah booaaah boah boah boah boah boah boah booaaah booaaah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah booaaah boah booaaah booaaah booaaah boah boah booaaah booaaah boah boah booaaah booaaah boah booaaah boah boah booaaah booaaah booaaah boah boah booaaah boah boah boah booaaah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah booaaah boah booaaah boah booaaah booaaah boah boah boah booaaah booaaah booaaah boah boah booaaah booaaah boah boah boah booaaah boah boah boah boah boah boah boah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah booaaah boah boah boah boah boah boah boah booaaah boah boah boah booaaah boah boah boah boah booaaah booaaah booaaah booaaah boah booaaah boah boah boah booaaah boah boah boah booaaah boah booaaah booaaah boah boah booaaah booaaah booaaah boah boah boah boah boah boah boah boah boah booaaah boah boah boah booaaah booaaah boah booaaah booaaah boah boah boah boah booaaah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah booaaah booaaah booaaah boah booaaah boah booaaah booaaah boah boah booaaah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah boah booaaah boah boah booaaah boah boah booaaah booaaah booaaah boah boah boah booaaah boah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah booaaah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah booaaah boah boah boah booaaah boah boah boah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah boah booaaah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah booaaah boah boah boah boah boah boah booaaah boah boah booaaah booaaah boah booaaah boah boah boah boah booaaah boah boah booaaah booaaah boah boah booaaah booaaah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah booaaah booaaah booaaah boah boah boah booaaah boah booaaah boah boah boah boah boah booaaah boah boah boah boah booaaah boah booaaah boah booaaah

  15. theleprompt Says:

    Ich seh gerade, dass die Leerzeichen hier nicht so richtig gut raukommen. Morse-Code besteht ja tatsächlich nicht aus 2, sondern aus 4 Zeichen (kurze und lange Pause kommen noch dazu). Ich hab jetzt für beim gleichen Satz für die Pausen mal „ey“ gesesetzt:

    booaaah boah boah ey boah booaaah ey boah boah boah ey booaaah boah ey boah boah ey booaaah boah booaaah boah ey boah boah boah boah ey booaaah ey boah boah boah ey boah boah boah ey boah ey boah booaaah boah boah ey booaaah boah boah boah ey boah boah boah ey booaaah ey booaaah boah ey boah boah ey booaaah boah booaaah boah ey boah boah boah boah ey booaaah ey boah ey booaaah ey booaaah booaaah boah boah booaaah booaaah ey boah boah booaaah ey booaaah boah ey booaaah boah boah ey booaaah booaaah booaaah ey boah boah booaaah boah ey boah boah booaaah boah ey boah ey booaaah boah ey booaaah boah boah boah ey boah booaaah ey boah booaaah boah ey booaaah ey booaaah boah boah ey boah booaaah ey booaaah booaaah ey boah boah ey booaaah ey booaaah boah boah ey boah booaaah ey boah boah boah ey boah boah boah ey boah ey boah boah ey boah ey booaaah boah ey booaaah boah boah ey boah ey boah boah ey booaaah boah ey boah boah boah ey boah ey boah boah ey booaaah boah ey boah ey boah booaaah boah ey boah boah boah booaaah ey booaaah booaaah booaaah ey boah booaaah boah boah ey boah booaaah boah boah ey boah ey booaaah boah ey booaaah booaaah boah boah booaaah booaaah ey booaaah boah boah boah ey boah boah ey boah boah boah ey boah booaaah boah boah ey boah booaaah ey booaaah boah ey booaaah booaaah boah ey boah boah boah booaaah ey boah ey boah booaaah boah ey booaaah boah boah boah ey booaaah booaaah booaaah ey boah booaaah boah ey booaaah booaaah boah ey boah ey booaaah boah ey boah ey booaaah boah ey booaaah boah boah boah ey boah ey boah boah booaaah boah ey boah booaaah boah ey boah ey booaaah booaaah ey booaaah boah boah ey boah booaaah boah boah ey boah boah ey booaaah boah booaaah boah ey boah boah boah boah ey booaaah boah booaaah ey boah ey boah boah ey booaaah ey boah booaaah ey boah booaaah boah boah ey boah boah boah ey booaaah boah boah ey boah booaaah ey boah boah boah ey boah boah boah ey booaaah boah booaaah boah ey boah boah boah boah ey boah booaaah boah boah ey boah ey booaaah boah booaaah boah ey boah boah boah boah ey booaaah ey boah boah boah boah ey boah boah ey booaaah boah ey boah booaaah ey booaaah boah ey booaaah boah boah ey boah ey boah booaaah boah ey boah ey ey booaaah booaaah boah ey boah ey booaaah booaaah boah ey boah ey booaaah boah ey booaaah boah boah boah ey boah ey boah booaaah boah ey booaaah boah boah ey boah ey booaaah booaaah ey booaaah boah ey boah boah ey booaaah boah booaaah boah ey boah boah boah boah ey booaaah ey boah boah boah ey boah booaaah boah booaaah boah booaaah ey

  16. buchstaeblich Says:

    Toll geübt, theleprompt: Du klingst ja schon wie ein echter Pötter auf dem Weg zum Frühschoppen mit Herrengedeck!

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