Klein im Garten


Dieser Artikel ist aus Pfuibah-Gründen nichts für Kinder. Aber auch junge Frauen seien gewarnt: Hier wird man desillusioniert!

Vorhin landete ich auf dem Blog von wortkomplex, wo ich spontan an eine Geschichte aus meiner westfälischen Heimat erinnert wurde:


Bevor ich das Bundesland wechselte und noch im idyllischen Ruhrpott mein Gift verspritzte, trieb es mich eines Nachmittags in ein Innenstadt-Café. Es war ziemlich voll zur Kuchenstunde, deshalb hatte ich strategisch wertvoll meine sämtlichen C&A-Tüten auf die drei freien Stühle an meinem Tisch verteilt.
Meine Ruhe bekam ich trotzdem nur bedingt, denn am Nebentisch saß eine Aborigenee mit einem etwas kraftvolleren Organ und trötete ihre sich dazu quetschende wildfremde Tischnachbarin an, sie wäre die Inge, und sie hätte einen Kleingatten.

Was? Kleingatte?
Was ist das denn????
Etwa so (?):

„Willi? Willi, wo steckst Du den bloß wieder? Komm gefälligst aus dem Maulwurfhaufen raus und setz dat rote Mützken wieder auf, dass ich Dich wiederfinden tu‘!“

„Willi, komm sofort ausse Tomatenbüsche wieder raus, sonst hol ich Dich höchstpersönlich mitte Gatten-Kralle!!!“

Ja, so muss das wohl sein mit dem Kleingatten.
Andererseits: Es ist ja auch praktisch!

Paris Hilton und Chiara Ohoven haben schließlich auch so was Kleines für die Prada-Handtasche zum Mitnehmen, bloß halt in haarig und mit Gekläff – einen Klitoris-Schnauzer, wie man so schön sagt. Ja, wenn man nachts so durch die Clubs zieht, dann sind die großen Kerle, die da rumlaufen, letztendlich viel zu zugekokst, um noch die Latte in die Macchiato stellen zu können. Und wenn man selber einen im Tee hat, dann ist es doch letztendlich auch schon egal, wer bzw. was einem da im Busch rumkrabbelt, ne?

Bloß finde ich, dass die deutsche Klein-Gatten-Gattin da wieder wesentlich pragmatischer an die Sache rangegangen ist, denn so ein Kleingatte läuft selbst, kann alleine Gassi und muss nicht gebürstet werden, weil dem die Haare mit der Zeit doch ohnehin von selber ausgehen. Ja, und wenn er grad nicht gebraucht wird, kann man ihn dekorativ im Blumenbeet abstellen.
Sofern er sich nicht dauernd das rote Mützchen runterreißt und in die bereits erwähnten Maulwurfhügel kriecht.
Aber dafür haben wir ja das Tele-Shopping und die Gatten-Kralle. Ja, dass man die zum „Unkrautjäten mit ohne Bücken“ bestellt, das hat doch ohnehin niemand ernsthaft geglaubt, oder?

Ich finde ja, dass „Gatte“ überhaupt ein Wort ist, dass der Logik zeitweise entbehrt?
Woher kommt das überhaupt? Von „Gatter“ kann es nicht kommen, denn ein Gatter ist ein Tor in einem Zaun, das der Landwirt zumacht, damit die Viecher nicht unkontrolliert durch die Pampa laufen, und sich einfach so begatten können, wie sie lustig sind. Das ist also eher Empfängnisverhütung, und damit das Gegenteil von dem, wofür frau sich den Gatten zugelegt hat.

An diesem Punkt muss ich übrigens einwerfen, dass ich – wie manche Frau, die Unterhaltung sucht – mir vor vielen Jahrzehnten selbst kurzzeitig einen Vollidioten gehalten habe. Das Sprichwort „Dumm fickt gut“ hätte ich nicht unbedingt selbst auf Unwahrheit überprüfen müssen, aber wenigstens weiß ich es jetzt aus eigener Anschauung – es geht nichts über empirische Forschung!. Ich habe selbigen dann spontan entsorgt, bevor ich mich totlachen musste, aber folgende Anekdote für mein späteres Leben habe ich doch noch mitgenommen:

An einem Wildgehege gab es zwei eingezäunte Weiden, bei dem durch ein Gatter und reichlich Zaunmaterial auf einer Seite Hirsche und auf der anderen Seite Rehe gehalten wurden. Und mein Idiot erblödete sich zu der Bemerkung , und hier erfolgte anschließend eine Notiz an mich: Niemals in die Waagerechte ohne vorherige Kontrolle der Schulzeugnisse des Sparringspartners:
„Wie praktisch! Der Besitzer will bestimmt nicht, dass die Rehe sich mit den Hirschen paaren!“
Ja, es kostete schon einige Mühe, meine Augenbraue wieder aus dem Haaransatz zu zerren, mit einem strammen Biss auf die Zunge ermöglichte ich mir die Bemerkung: „Was würde denn Deiner Meinung nach dabei herauskommen? BAMBI???? Oder Wildragout?????“

Aus Angst, mir eines Tages die Zunge komplett abzubeißen, beendete ich die Liaison also unmittelbar recht bald.

Aber zurück zu den interessanten Wörtern: Wenn „Gatte“ von „Gatter“ kommt, dann höchstens im Hinblick darauf, dass kaum dass ein Mann per Hochzeit zum Gatten wurde, doch meist recht bald die Zeit kommt, wo die Sportschau dann doch wichtiger wird als die ehelichen Pflichten und somit der Fernseher zum natürlichen Gatter zwischen Gatte und Weib lanciert, was die Begattungsfrequenz als solche mitunter erheblich zu reduzieren vermag!

Die eingangs benannte Inge war übrigens längst wieder aus dem Café verschwunden, als ich es dann doch schade fand, sie nicht mehr fragen zu können, wie sie denn zu ihrem Kleingatten gekommen sei.
Aber wahrscheinlich war der als einziger beim Kleingartenfest noch nicht ins Bier-Koma gefallen und obendrein noch unbeweibt, als Inge einfiel, dass es schon scheißpeinlich sei, wenn bei der nächsten Vereins-Mitglieder-Versammlung das Festprotokoll verlesen wird und der Vorstand dann bekannt geben würde, dass die gute Inge als einziges Blümchen an der schattigen Mauer einsam und alleine im verborgenen blüht wie das sprichwörtliche Veilchen.
Dann doch lieber dem Willi ein rotes Mützken verpassen, das war immer noch besser als weiterhin mit Barbies Ken zu spielen, dem beim Ausziehen immer erst der Arm abfiel, und dann auch noch den Frust mit der gähnenden Leere am Südpol zu ertragen!

Auch frau kann halt nicht alles haben, und so ´nen Kleingatten zu haben ist wohl immer noch besser als wenn gar nichts im Busch ist.

P. S.:
Ich weiß, dass sich einem gewissen Herrn Theleprompt jetzt wieder die Haare senkrecht stellen ob meiner Willkür hinsichtlich der Herleitung von Wörtern, aber die Wissenschaft überlasse ich den Wissenschaftlern: Ich will nur spielen. Dazu gehört die innere Freiheit, Wörter nach Gutdünken misszuverstehen. 😉

P. P. S.:

Für Nichtwestfalen: Diese Geschichte beruht auf der Tatsache, dass Ruhrpötter, was die Aussprache betrifft, niemals in ihren „Kleingarten“ gehen. Sie sagen auf die Frage: „Wo gehsse?“ stets: „Ich geh‘ im Gatten!“

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16 Antworten to “Klein im Garten”

  1. Schildmaid Says:

    Ach du meine Güte, was ist dir denn heute über die Leber gelaufen? 😯
    War aber lustig zu lesen. Ausserdem versuche ich mir gerade vorzustellen, wie das wohl aussieht, wenn du dir die Augenbrauen aus dem Haaransatz zerrst. *schlapplach*

    Haarige, kläffende Kleintiere heißen bei mir übrigens Teppichhupe. Ein trefflicher Begriff, wie ich finde. 😉

    Und meine Mom geht in den Gachten. Mit richtig scharfem „ch“. Dass die Deutschen ziemlich faul sind, ein „R“ auszusprechen, ist ja bekannt. Doch gewöhnlich verschleift es sich zu einem „a“:
    Kommst du mit in den Gaaten? Dann können wir spielen! 😀

  2. buchstaeblich Says:

    Die Leute im Pott waren schon immer ein wenig …. anders.
    Vor allem sind sie, außer am Wortanfang, überhaupt nicht in der Lage, ein R auszusprechen. Deshalb sind die Dortmunder auch bekannt als die Pötter, die nicht einmal den Namen ihrer eigenen Stadt aussprechen können – ich komme nämlich aus Doatmund.
    Teppichhupe bietet sich vor allem an, wenn Minderjährige in der Nähe sind, und man nicht Klitoris-Schnauzer sagen will.
    Die Mama wohnt im Rheinland, ja?

  3. Schildmaid Says:

    Nein, meine Mom stolpert in hannöverscher Weise über den spitzen Stein. Ohne „sch“- Verschleifungen! Auch typisch für diese Gegend ist das „i“, das zu einem „ü-ö“ Gemisch wird. Es ist ümmer gut Körschen essen hier. 😀
    Für mich hört sich das gruselig an. Ich bevorzuge das klare norddeutsche „i“. Wenn ein „i“ da steht, dann gehe ich davon aus, dass es auch gesprochen werden möchte. Nur bei meinen „r“ und „a“ muss ich ein Gatter dazwischen setzen, sonst paaren die sich zu gerne. 😉

  4. wortteufel Says:

    Hach ja, die Ruhrpottler. So erkärt sich das nette „,ne“ oben im Header. Sonst auch hinter jedem zweiten Satz zu finden.

  5. buchstaeblich Says:

    Da sagst Du was. Ich bin ja stets bemüht, zuviel Pott-Platt zu vermeiden. Das „ne“ im Blogkopf musste aber sein, um die Menschheit vorzuwarnen, wie ich ticke. Den ob Hochdeutsch oder Pöttisch – im Herzen sind wir Pötter furztrocken.

  6. wortteufel Says:

    Ja, ihr seid ja schließlich auch Westfalen.

  7. buchstaeblich Says:

    (unauffällig en „n“ für den vorigen Kommentar nachreichend)

    Man nennt mich nicht umsonst die „gemeine Westfälin“.

  8. wortteufel Says:

    Mmh. Sind wir halt zwei, ne.

  9. theleprompt Says:

    Öhm.

    1. ich habe gar keine Haare.
    2. wird da ja gar keine echte Behauptung über Wortherkünfte aufgestellt, die widerlegungsfähig wäre
    3. hab ich prima gelacht
    4. kann ich mit gut an die Gattenkralle erinnern, weil ich zu der Zeit, als die teleshopbeworben wurde, im Baumarkt jobben durfte und jede zweite Kundin danach fragte
    5. ein möglicher Zusammenhang zwischen Zeugnis und Zeugung mir jetzt erst aufgeht
    6. haben sich auch bei anderen Wortgeschichten meine nicht vorhandenen Haare nicht versenkrechtet. aber das im Detail zu exegieren wäre Spalterei derselben.
    7. sagt man bei uns eher gahten und „das ferd fährt“. sind ja auch, dialektal gesehen, nordostwestfalen, die osnabrücker.
    8. die Leute im Pott können R nicht nur am Wortanfang, sondern auch am Silbenanfang. Wie zum Beispiel in „berichtigen“. Das noch zum Rollenverständnis…

  10. buchstaeblich Says:

    Stimmt, nach Vokalen, die vor Vokalen stehen, können wir manchmal auch ein „r“, obwohl wir uns gern „eainnan“. Aber ich bin dabei zu verbajuwaren und auch sonst konfus.
    Wenigstens weißt Du jetzt, was die Mädels mit den Gattenkrallen vorhatten.
    Das Absurde an Dortmundern ist, dass die „im Gatten gehn, weil da is heute Gahtenfest“. Aber Hauptsache, es gibt gehäkelte Eierwärmer in schwarz-gelb.

  11. theleprompt Says:

    Aaaber, bei ist das /r/ ja auch nicht am Silbenanfang.. Was ist denn mit sowas wie „abrauchen“. Das ist doch auch ein R, ohne vorhergehenden Vokal, oder? Und, noch ne Frage, wo wie grad bei spannenden Feldstudien sind: Ist das bei anderen Vokalen genauso? Gürtel? Wirbel? Gurgeln? Nörgeln? Gärtner? Weber? -> Güttel? Wibbel? Guggeln? Nöggeln? Gättner? Webber? – doch nicht, oder? Außer vielleicht beim Gättna. Aber dann Forelle Gäatnarin, woll, äh, gell, äh, ne?

  12. theleprompt Says:

    Der Doofie-Worpress hat mein eainnern geschluckt, nur weil ich’s in spitze Klammern geschrieben hatte. Man denke sich also ein eainnern nach dem zweiten Wort im letzten Kommentar..

  13. buchstaeblich Says:

    Boah, abrauchen: Da ist doch kein Vokal vornewech, stimmt! Ich sollte demnächst eine Stunde meditieren, bevor wir konferieren.
    „Im Gatten gehen“ ist so eine seltsame Ausnahme.
    Zum Rest: Güätel, Wiäbel, Guägeln, Nöageln, Gäatna, Weeba.
    Pöttisch zu erklären ist gar nicht so leicht, wenn man mit „Wassa ausse Leckenbecke getauft“ ist, kann man das einfach.

    „Forelle Gäatnerin“ ist aber für wenn einer kein Pötter is, schomma töfte kombiniät.

    Die echte Pest am Pöttischen ist übrigens, es zu tippen, wenn man zehn Finger hat, die auf Hochdeutsch zu tippen gedrillt sind, und ständig drohen, ihren Dienst zu verweigern, weil „man doch so nicht artikuliert, pfuibah“.

    Überhaupt sollten wir fusionieren:
    Ich spinne die „Herleitungen“ aus dem Bauch, und die Wissenschaft legt sachlich untrocken nach – das könnte ein toller Spaß werden.

  14. theleprompt Says:

    Nun ja.. Als alter Adolf-Tegtmeier-Afficionado hab ich ja im zarten Alter von 6,5 meine ersten dialektologischen Betrachtungen quasi am Pöttischen himself vornehmen können:

    „Wilhelm Tell, dat is von diesen berühmten Dichter, na, ich komm’ jetz nich auf den sein Name – der auch Schillers Räuber geschrieben hat. – Merkwürdig, wat dieser Tell sachte, dat war’n alles Sprichwörter, Die Axt in Haus … und wat er da alles von Stapel ließ.“

    Oder so. :-/ Wobei das /i/ in „is“ ja noch wat ganz besonderes is. Kurz, aber geschlossen. Gibbet im Deutschen sonst nich. Das müsste Ruhrpottkinder eingetlich bevorteilen, wenn es um’s Lernen bestimmter Fremdsprachen geht. Und? Stimmt’s??

  15. theleprompt Says:

    Ach ja, und, fusionieren. Hmm. Da bin ich skeptisch. Vulkanier, Spok und geistewverschmelzung und so. Ging nie gut! Aber so battlemäßig, skillz gegen skillz, da wären ich und meine Homies schon dabei.

    also, first one für dich: bauch, busen und banane – alle fangen mit „b“ an. Zufall?

  16. buchstaeblich Says:

    Ich weiß jetzt nicht, ob ich die Antwort gebe, die Du zu erahnen scheinst, aber bitte: In Englisch und Spanisch falle ich mit meiner „authentischen“ Aussprache auf. Muttersprachler legen da volle Möhre los, bis ich die Hand hebe, denn ich scheine so echt zu klingen, dass man anscheinend meint, ich beherrschte die Sprachen perfekt. Da ich aber eine faule Socke bin, ist das eigentlich nicht der Fall.
    Ob das aber durch das Pöttische kommt oder durch mein individuelles Gefühl und meine Liebe für Wörter/Sprache … Ich glaube, es war nicht so sehr die pottwestfälische Herkunft, wenn ich überlege, wie Mitschüler in Schule/Sprachkursen in der alten Heimat sich oft gequält haben.

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