Didgeri-doo-doch-nicht!


Das Didgeridoo ist ein australisches Blasinstrument – ein Röhre, in die hineingeblasen wird, damit Geräusche herauskommen, bei denen der Zuhörer nicht weiß, ob es sich um nach oben oder nach unten entweichende Flatulenzen handelt.
Didgeri-doo-doch nicht!

Zumindest dann nicht, wenn Unkundige dies Instrument bepusten. Als Unkundige bezeichnet man Personen, die eine bestimmte, gerade erforderliche Fähigkeit nicht besitzen, bzw. nicht erlernt haben. Das macht ja zunächst einmal in den meisten Fällen nichts aus. Ich z. B. kann nicht auf meinen Händen laufen. Da ich über Füße in ausreichender Anzahl verfüge, kann ich das Laufen auf den Händen also getrost sein lassen und gehe weiterhin zu Fuß, und niemand hat einen Verlust.

Doch was das Didgeridoo-mir-das-nicht-an betrifft, so gibt es neben der Gruppe Kundiger, also Menschen, die das Spiel auf diesem Instrument beherrschen, noch eine weitere Spezies. Diese allerdings hat offensichtlich die Worte von Joseph Beuys „Jeder ist ein Künstler“ geringfügig dahingehend fehlinterpretiert, als sie glaubt, solch unbedeutende Dinge wie Unterricht, Lernen oder gar Üben seien überflüssig. Die Exemplare dieser Spezies sind vielmehr der Überzeugung, die Welt habe gefälligst hinzunehmen und obendrein mindestens mit Applaus, wenn nicht gar einem Obolus zu honorieren, wenn sie durch z. B. störende Geräusche aus Holzröhren penetriert wird.

Diese fehlgeleitete Spezies geht offensichtlich von der irrigen Annahme aus, dass ihr ebenfalls eine Belohnung für Holzröhrengetröte zustehe, wenn doch schließlich anderswo in der Welt Menschen umherlaufen, die das Spiel auf dem Didgeridoo bezahlt bekommen.

Man weiß leider bislang noch nicht, ob es eine besondere Laune der Natur oder eine Ironie des Schicksals ist, dass viele dieser ungeheuren Röhrenpuster durch ihre Statur so wirken, als hätten sie die Bezeichnung für das Instrument akustisch nicht so ganz mitbekommen; so, als könne man sagen: „Dein Instrument ist dicker-wie-du!“
Natürlich würde jeder, der die Hauptschule auch nur mit dem 10 B-Abschluss beendet hat, dies niemals so formulieren. Schließlich benutzt man für die Formulierung eines Unterschiedes das Wörtchen „als“. Aber weiß oder respektiert dies jemand, der sicher ist, dass jeder, der sich einredet, ein Künstler zu sein, auch einer ist?

Helfen wir den Fehlinterpreten der exotischen Muse ein wenig auf die Sprünge:
Lieber Rohrtröter, wenn du bereit wärst, die handwerklichen Aspekte des Musizierens nicht länger zu ignorieren, wärst du sicher bald in der Lage, Dir von den Honoraren für dein Spiel soviel zu essen zu kaufen, dass Du dich bald nicht mehr hinter Deinem Instrument verstecken könntest, bzw. müsstest!

Doch kommen wir zu einem weiteren Hindernis für das erfolgreiche Entlohntwerden für musikalische Einlagen der australischen Art. Denn es scheint ein weiterer Hörfehler seitens unserer Rohrflatulenzierer vorzuliegen. Offensichtlich haben einige von ihnen statt „Didgeridoo“ ein „dichter-wie-Du“ gehört. Dies ist nicht nur schon wieder falsches Deutsch, es führt auch zu vergrößertem Missmut der Zwangszuhörer. Denn wenn jemand Unkundiger, der zudem kurz vor dem Hungerkoma steht, obendrein meint, es würde die Qualität seiner kreativen Darbietung fördern, wenn er seine Hirnzellen mit Kräuterdämpfen der verbotenen Art verpappt, dann ist dies ein erneuter Fehlschluss.

„Dichter-wie-Du“ impliziert doch bereits, dass der arme Zuhörer wacheren Bewussteins ist als der Fehlinterpret, und es stellt sich die Frage, wie das arme Publikum das aushalten soll.

Lieber unbekannter Röhrenröhrer, der du dein Instrument mittels eines angeschmuddelten Batiklappens am dürren Leibe drapierst: Wenn du unbedingt meinst, eine Musikkarriere anstreben zu müssen, dann wirf doch einfach dein Instrument ins Bananenfeld und lass´ den Wind auf deinen Rippen das Vaterunser flöten – das dürfte sich als lukrativer erweisen.

Oder lass es ganz sein, kauf Dir einen Kugelschreiber und werde „Dichter-wie-ich“!

———

P.S.:
Das beschriebene Instument steht nur für eines von vielen, denn ich kenne auch jede Menge Menschen, die gerne einmal den Blasebalg eines Akkordeons aufschlitzen würden oder ihr Grillfeuer mit hölzernen Musikinstrumenten betreiben möchten.

Update vom 04.07.2011:
Der aufmerksame Leser Zensor fand, wie Sie der Kommentarspalte entnehmen können, das seinerzeit von mir versteckte „Osterei“:
Natürlich heißt es in korrektem Deutsch „dicker-als-du“. Aber erstens will ich wissen, wie aufmerksam meine Leser sind, zweitens bot sich genau dies Eichen an, weil es sich so hübsch auf Digeridoo reimt.
Beglückwünschen wir also gemeinsam einen Leser, der so richtig gut aufgepasst hat!

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20 Antworten to “Didgeri-doo-doch-nicht!”

  1. Schildmaid Says:

    Wenn ich mir den Knilch so ansehe, wage ich es, die These aufzustellen, dass er seine Fähigkeit, jemals die Zirkuläratmung zu erlernen durch ein anderes Rohr/Rauchgerät geblasen hat! 😀

  2. buchstaeblich Says:

    Genau so klang das auch.

  3. mistershrink Says:

    unterricht, lernen, üben – das treibt jeden mithörer zwangsläufig in den wahnsinn. ich habe mir singen und gitarre selber beigebracht. dafür gibt es zum glück aber übungsräume (wenn man den einen findet) und dort störst du höchstens das grundwasser. ich hatte jeweils eine faustregel: kannst du nach einem monat redlich üben noch keine einzige kleine komposition hinknorzen, dann lass es mit DIESER kunst und lies ein buch… einigen quellen zufolge habe ich das knapp geschafft. also das komponieren jetzt.

  4. the rufus Says:

    Mist, hast mich letztens beim Grillen beobachtet, aber ich gelobe Besserung und werde nächstes Mal den letzten Ausdruck des Internets verheizen …

  5. zentao Says:

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Ist das überhaupt Musik, bis jetzt nenne ich so was nur Lärm. Dieses Didgeridoo hat seine Berechtigung im Australischen Busch, für die Ureinwohner hatte es eine Spirituelle funktion aber in unserer moderner Welt ist es fehl am Platz
    Liebe Grüsse zentao

  6. buchstaeblich Says:

    Mistershrink,
    und ich habe erkannt, dass ich besser schreibe als musiziere – es stört die Nachbarn nicht. 😉

    zentao.
    vor allem auf La Gomera finde ich das Getröte wahnsinnig passend:
    Man fährt in Batiklappen auf eine spanische Insel im geografischen Afrika um australische Musik zu machen in der Hoffnung auf asiatische Erleuchtung und verabredet sich per SMS, um am Abend die Sonne ins Meer zu trommeln:

    „Logisch“ ist anders, aber die Garantie, den halben Urlaub brüllend vor Lachen zu verbringen, lässt mich immer wieder hinfahren und denen zugucken.

  7. piri Says:

    Nun ja, Didgeridoo zu spielen scheint eine Kunst zu sein, die nur die Aborigines richtig gut beherrschen.

  8. buchstaeblich Says:

    Keine Ahnung, aber wer es nicht kann, sollte es nicht unaufgefordert öffentlich tun.

  9. Dr. Buchstaeblichs Worte zum Sonntag II « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] nachbarn lärm 1. heißt es Didgeridoo, aber wenn ich dich so anschaue: Didgeri-Doo-doch-nicht! 2. was glaubst Du, werden deine Nachbarn sagen, wenn Du Lärm machst? Es ist 22 Uhr […]

  10. pearl Joe Says:

    Sehr schönes Bild. Danke für das Foto von mir. Lebenskünstler sind nicht zu verstehen. Ich bin so frei. Alles Liebe Pearl Joe

  11. Medo Says:

    Ich hab den ganzen Text nich kapiert.

    Macht nix.

    HARE KRISHNA HARE KRISHNA KRISHNA KRISHNA HARE HARE

    HARE RAMA HARE RAMA RAMA RAMA HARE HARE

  12. buchstaeblich Says:

    Medo,

    das macht nichts. Der Text ist auch kompliziert.

  13. Dr. Buchstaeblichs Worte zum Sonntag XI « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] didgeridoo doch nicht […]

  14. Doktor Peh Says:

    Eben erst entdecke ich diese Perle schreiberischen Koennens. Sind Sie sicher, dass das abgebildete Menschenaehnliche dort Laute produziert, oder zieht es sich nur einen ganz gewaltigen Joint rein? Ich meine, so ein Multifunktionsrohr eignet sich doch ideal dafuer: sieht aus wie ein Musikinstrument, droehnt bei kompletter Stopfung mehr als komplett zu und dient, in der Regenzeit, als Behausung. Deswegen sind die Traeger auch so duenn. Laufen Sie doch mal vergleichsweise mit einem 200-Liter-BASF-Chemiefass durch die Gegend. Da geht zwar Trommeln und man hat mehr Platz drin, notfalls kann man es auch zum Baden nutzen (iih-baeh!), aber das Tragen ist sehr schwer.

    Besonders, wenn Badewasser drin ist.

  15. buchstaeblich Says:

    Baden? Das ist eine böswillige Unterstellung.

  16. Dr. Buchstaeblichs Worte zum Sonntag XXXVI « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] didgeri doo doch nicht! […]

  17. Musik wird störend oft empfunden … « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] – nämlich der unbestellten Beschallung – beschäftigt, auch wenn das dort vorkommende Didgeridoo in der bayrischen Blasmusik nicht vorkommt. Ein bisschen Gnade kennt Bayern dann ja […]

  18. Der Zensor Says:

    Muss es sein? Es muss sein! Es muss sein!
    .
    Also: „Dein Instrument ist dicker-wie-du!“
    Nach dem Komparativ immer „als“.

    • buchstaeblich Says:

      Ich weiß, aber dann hätte es sich nicht so schön auf Didgeridoo gereimt. Außerdem verstecke ich hin und wieder ein solches Osterei in meinen Texten, um mich dann darüber zu freuen, dass es Leser gibt, die die Kompetenz besitzen, es zu finden:

      Sie haben sehr schön aufgepasst, vielen Dank! Hoffentlich hatten Sie am Rest des Textes mehr Freude.

      Da dies Rätsel nun endlich gelöst ist, werde ich Sie namentlich lobend erwähnen, wenn ich nun das Update eintrage!
      Allerdings muss ich sie ein klein wenig dafür rügen, das folgende im nächsten Satz überlesen zu haben:
      „Natürlich würde jeder, der die Hauptschule auch nur mit dem 10 B-Abschluss beendet hat, dies niemals so formulieren. Schließlich benutzt man für die Formulierung eines Unterschiedes das Wörtchen „als“.“
      Tststs.

  19. gertjeedelmann Says:

    Vielleicht haben Sie da irgendetwas total missverstanden! Vielleicht möchten die von ihnen beschriebene Jünger der Unfähigkeit ja gar keinen Obulus für die Darbietung ihrer nicht vorhandene Kunstfertigkeiten. Vielleicht liegt der Sinn ihres Tuns tatsächlich im Penetrieren. Und wenn nur alle Malträtierten nur emsig viele Münzen in das hierfür vorgesehene Behältniss tun, hört die Qual auf. Für Zuhörer, Instrument und, wer weiß, vielleicht auch für den Straßennichtkünstler?

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