Leser ärgere dich!


Ich habe ein Buch auf den Boden fallenlassen.
Auf den Boden meines frisch geleerten Mülleimers.


Das Buch heißt „Meltdown“, es ist ein Roman von James Powlik, und er ist im Ullstein Verlag erschienen, inzwischen aber nicht mehr lieferbar. Übersetzt wurde er seinerzeit von jemandem namens Heinz Zwack.

Ich lese eigentlich gern solches Thriller-Zeugs, jedenfalls zur Entspannung in der Badewanne, oder abends im Bett vor dem Einschlafen.

Es fing ja auch ganz nett an. Aber dann kam ich zu Seite 28, ganz unten:

„…. Carol hatte immer noch Mühe, ihr bittersüßes, unverhofftes Glück richtig einzuordnen. Fünf Wale. Zweihundertfünfzig Kilo Meeressäuger. Direkt unter ihr.“

Waaas?

Vorher wurde im Buch lang und breit erklärt, dass es sich bei den Meeressäugern um Blauwale handelte.
Also:
*Ein* Blauwal wiegt schon 2,5 Tonnen, wenn er geboren wird. Zweihundertfünfzig Kilo sind also gerade einmal 1/10 Blauwalsäugling.
Fünf neugeborene Blauwale müssten somit 12,5 Tonnen wiegen. Und es war vorher an keiner Stelle die Rede davon, dass es sich um Walsäuglinge handele.

250 Kilo Meeressäuger:
Das war im Leben nicht der Fehler von Jamens Powlik, der Autor ist gelernter Meeresbiologe und weiß, was ein Wal wiegt.

Der Fehler von Herrn Zwack? Der wird auch nicht zu dumm für große Tiere sein.
Aber auch, wer nicht zu dumm für große Tiere ist, kann sich im Überarbeitungsprozess einmal verhaken und vertippen.

Vor allem, wenn er unter Zeitdruck steht, wie es bei Verlagen gern einmal der Fall ist.

Also wird man sich wohl ein (gründliches) Korrekturlesen gespart haben, nicht wahr? Das kostet ja auch.

Dieses Buch ist nicht das erste, das bei mir den Weg alles Irdischen gegangen ist. Es wird auch mit Sicherheit nicht das letzte sein.

Die Lust am Lesen wird durch dergleichen aber nicht größer.

Um eines klarzustellen: Wenn in allen Verlagen, von denen ich schon ein Buch (oder auch mehrere Bücher) entsorgt habe, weil es schlampig gemacht wurde, die Mitarbeiter über Nacht eine grüne Nase bekämen, würde es morgen ziemlich grün sein in Deutschland: Ullstein ist hier nur ein Beispiel, aber es ist das aktuellste mir passierte Beispiel.

Ich habe dann noch versucht, weiter zu lesen, aber ich schaffte es nicht mehr, die Lektüre ernst zu nehmen.
Als ich dann auf Seite 31 über den nächsten Klops stolperte, nahm ich das Buch mit in die Küche. Hier steht mein Mülleimer.

Schade, ich werde wohl nie erfahren, ob Herr Powlik eine schöne Geschichte zustande gebracht hat.

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7 Antworten to “Leser ärgere dich!”

  1. Schildmaid Says:

    Ist der Ruf erst ruiniert, lektoriert sich’s völlig ungeniert!
    😉

  2. buchstaeblich Says:

    Wobei das „bittersüße, unverhoffte Glück“ auch reichliches Sodbrennen verursacht. Einzige Entschuldigung für den Übersetzer: Der macht das schon fünfzig Jahre oder so, damals waren diese Formulierungen „in“.

    Keine Entschuldigung für den Verlag: Solche Geschmonze durchgehen zu lassen. Man kann Mitarbeiter nachschulen lassen, wenn man sie nicht in Pension schicken möchte. Oder schlicht einen Korrektor daran setzen, der ein Handwerk versteht.

  3. Schildmaid Says:

    Wohl war.
    Ich bin inzwischen dazu übergegangen, Bücher im englischen Original zu lesen. Da hat es fix ein Ende mit dem Ärgernis „unfähiger Übersetzer“. Ist doch oft zu dreist, dass diese Übersetzer für ihre schlechte Arbeit auch noch bezahlt werden!
    *kopfschüttel*

  4. buchstaeblich Says:

    Originale lese ich auch lieber, aber in der Wanne bzw. direkt vor dem Einschlafen ist mir das zu anstrengend.

  5. Silencer Says:

    Mittlerweile habe ich auch keine Hemmungen mehr schlechte Bücher zu entsorgen. Manche denken ja tatsächlich, dass ein Teil der Seele des Autors stirbt, wenn das Buch ins Altpapier wandert. Mit ist das egal. Wenn´s langweilig und/oder schlecht ist: weg damit. Nimmt nur Platz weg.

  6. buchstaeblich Says:

    Miese Bücher mag ich auch nicht mehr weiter verschenken – ich habe eine Verantwortung Beschenkten gegenüber.

  7. pjebsen Says:

    @Schildmaid: Ich halte es genauso wie du. Teilweise auch aus Faulheit: Ich habe bei einer schlechten Übersetzung keine Lust, mir darüber den Kopf zu zerbrechen, welche schlecht übersetzte englische Redewendung oder welcher Slang-Ausdruck in Wirklichkeit gemeint gewesen sein könnte. 😉

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