Böse Gedanken


Wenn ich wirklich bösartig veranlangt wäre, würde ich angesichts der aktuellen Situation in China auf Gedanken kommen, die ich nicht einmal denken dürfte, wenn ich in China wäre.

Aber ich wohne ja nicht in China, sondern zu Hause und das ist gut so.

Bis zum Anpfiff der Olympischen Spiele sind es keine drei Monate mehr. Die Bundes-Angie ist schon vor längerer Zeit aus dem Reich der Mitte angepfiffen worden, weil sie mit dem Dalai Lama Leuten spricht, die wo die Chinesen nicht leiden können, und das nennt man Einmischung. Auch andere Staatsoberhäupter haben mit dem Mann im orangefarbenen Badelaken gesprochen, und das ist eine Einmischung in chinesische Belange (Ihr doofen Chinesen, der wohnt gar nicht bei Euch!) und wo kämen wir denn da hin?

Also wurden ganz viele Leute ganz sauer auf China und wie stehen die denn jetzt da? Die haben Mühe, ihren ein wenig voll genommenen Mund hinsichtlich des Olympischen Gedönses nicht zur Peinlichkeit verkommen zu lassen, werden noch von überall her kritisiert, kriegen den Fackellauf gestört und werden wegen Abguckens im höchsten Maße allgemein und Umweltsauerei im besonderen angezickt.

Nur weil sie Arbeitsschutzbestimmungen nicht kennen und auf das Leben von Bergarbeitern genauso pfeifen wie auf das von Fabrikarbeitern und Menschenleben überhaupt, regen sich überall die Leute auf, also sowas.

Dann passiert auch noch die Sturmkatastrophe von Myanmar (the nation formerly known as Birma), wo die ganze Welt Hilfe anbietet, die der Chef von Myanmar aber gar nicht haben will, und alle Leute reden nicht mehr über China sondern über die Massen der Sturmopfer woanders, pff.

Aber zum Glück zu allem Übel hat nun die Heide die Erde gewackelt. 7 komma 8 sagte der Spiegel, die üblichen Verdächtigen sagten 8 komma 0, aber egal, gewummst hat es. Und China schaltet die Telefonleitungen ab, die nicht ohnehin zu Bruch gingen, und meldete taktisch klug vier Tote Grundschüler. Das glaubte ja sowieso keiner, also wird Salamitaktik gespielt nachgelegt. Es dauert ja auch, bis man vor die Tür gehen und gucken kann, was los ist.

Die Jugend der Welt guckt schnell im Atlas nach, ob ihr Stadion auch kaputtgegangen sein könnte und was denn jetzt mit der Medaille wird, die Touris bangen um das seit langem gebuchte Hotelbett – man sorgt sich.

Ich staune indessen. Zwar wusste ich, dass die Chinesen ein Volk mit großer Vermehrungsfreude sind, aber dass sich Tote auch vermehren können, und in welchem Tempo … also sie sind schon drauf, diese Chinesen, ja ja.

Weltweit stehen die Hilfstrupps in Hab-Acht-Stellung, mal gucken, wer als erster darf. In den Banken wurde gestern sicherlich eine Feiertagsschicht eingelegt, zum vorsichtshalberen Anlegen von Spendenkonten.

Bei wem haben die Chinesen eigentlich die Erdbeben-Maschine abgeguckt? Jetzt kriegen sie geholfen, die Chinesen, wetten?. Und so kommt die Kohle zusammen, die sie für die Fertigstellung ihres Olympischen Gedönses noch brauchen. Angesichts einer solch schlimmen Katastrophe darf man ja nicht kleinlich sein. Da muss die Welt dann einfach mal vergessen, dass sie uns den Käse vom Weltmarkt runterfuttern, so dass die Milch teurer wurde. Und dass sie uns unsere PET-Flaschen billig abkaufen und in Form noch billigerer Fleece-Pullover in kopierten Designs wieder zurück verkaufen.

Angie, steck das Portemonnaie nicht ins Dekolletée, da fällt es heraus!

Soeben habe ich beschlossen, lieber etwas anderes zu denken.

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19 Antworten to “Böse Gedanken”

  1. Silencer Says:

    Sehr böse, Frau Buchstäblich, seeehr böse.
    Lassen Sie mich raten: das Buch „Schwarze Gedanken“ von Franquin liegt bestimmt auf Ihrem Nachtisch, stimmts?

  2. buchstaeblich Says:

    Nee, das kenne ich leider gar nicht. Ich bin von ganz allein ein Mistvieh.

  3. Schildmaid Says:

    Euch beiden beim Kommentieren zuzugucken ist schon lustig! 😀

  4. buchstaeblich Says:

    Schildmaid,

    Du darfst gerne mitspielen!

  5. Silencer Says:

    Argh, NACHTtisch.
    Druckware im Dessert ist immer unschön. Gibt im Zweifelsfall sogar Flecken auf dem Teppich.

  6. buchstaeblich Says:

    Vielleicht verleihen „Schwarze Gedanken“ meinem Pudding ja eine ganz neue Form von Würze!
    Der Teppich ist zudem reserviert für Kaffeeflecken – jedenfalls der auf dem Balkon.

  7. Silencer Says:

    Dann darf es draußen nur noch Tiramisu geben. Da ist Kaffee drin.

  8. buchstaeblich Says:

    Draußen nur Kännchen – und wie kriege ich da das Tiramisu hinein? Und wieder heraus?

  9. Roy Says:

    Komische Sichweise, sehr komisch.

  10. Silencer Says:

    Tiramisu in Kännchen? Igitt. Servier doch einfach Kaffee! Aber Vorsicht mit dem Rotweinmuster des Teppichs

  11. buchstaeblich Says:

    Roy,

    so ist das, wenn man alt und komisch wird. Und meine Idee ist, mit Komischwerden anzufangen – alt kommt dann später.

    Silencer,

    weißt du nicht, was Du willst? Erst soll ich Tiramisu auf den Balkon bringen, dann wieder nicht….

  12. Silencer Says:

    Hm.
    Klassischer Fall von Zirkelschluss.

  13. sOjahund Says:

    verdammt. ich wohne in in china…

  14. buchstaeblich Says:

    Sojahund, das tun viele Menschen.
    Aber was genau willst Du mit deinem Statement sagen?

  15. reiseschreibmaschine Says:

    Werden die Spiele nicht entzündet statt angepfiffen? Und das Stadion der Weltjugend ist schon lange kaputt. Da wohnt bald der BND, ganz ohne tektonisches Erdbeben, wohl aber mit politischem. Fragt sich nur, was uns das über China sagt.

  16. buchstaeblich Says:

    Ich sehe auch eine Olympische Entzündung auf die Welt zukommen, da muss ich dir recht geben – wenn das mal nicht ansteckend ist. Die Weltjugend ist in einem Stadium, der Grund zur Sorge bietet.

    Über China sagt es zumindest mir, dass zuviel Reis stopft.

  17. sOjahund Says:

    @buchstaeblich
    bezog sich darauf…: „Wenn ich wirklich bösartig veranlangt wäre, würde ich angesichts der aktuellen Situation in China auf Gedanken kommen, die ich nicht einmal denken dürfte, wenn ich in China wäre.“

  18. buchstaeblich Says:

    Sojahund,

    das hängt damit zusammen, dass ich im richtigen Leben meine Gesichtszüge nicht unter Kontrolle habe, und man kein Gedankenleser sein muss, um zu sehen, was ich denke: In China wäre ich überall gleich unten durch – da ist es besser, wenn ich zu Hause wohne, wo ich relativ kontrolliert unangenehm auffallen kann.

  19. Melamilch macht kleine Nieren steinig « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] macht kleine Nieren steinig Dass ist es mit China und den dortigen Zuständen nicht so sehr habe, ist ja nichts […]

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