Grillen, Nachgrillen und Kopfgrillen


Morgens, wenn die Stimmbänder nach einer schlafend durchschwiegenen Nacht noch ein wenig knarzen, und die Ratio-Sektion des Gehirns noch nicht auf Hochtouren läuft, sind wir komisch.
Komisch im Sinne von „lustig“, aber auch komisch im Sinne von „seltsam“.

Wir sind dann immer ganz froh, dass George Orwells Idee der ständigen Beobachtung sich doch nicht bis in unsere Privaträume durchgesetzt hat. So kann es nicht so leicht geschehen, dass ein Rudel Männer in weißen Kitteln uns zum Ausflug abholen will.

Heute morgen auf dem Balkon sinnierten wir noch ein wenig über den gestrigen Grillabend mit Nachbarn, als Gatte fragte, ob man denn die Asche in die Normalmülltonne einfüllen dürfe, die im Rest der Welt Restmülltonne heißt, was wir wissen, aber im internen Beziehungscode geflissentlich ignorieren.

Ich hätte einfach antworten können, aber einfache Antworten sind ja langweilig, schon gerade morgens: „Du hast jetzt garantiert unterbewusst die Aufschrift von den Mülltonnen unserer Kindheit im Kopf ‚Keine heiße Asche einfüllen!`, was?“ – „Stimmt!“ – „Also, der Spruch bezieht sich explizit auf das Einfüllen heißer Asche. Unsere Asche ist ja schon kalt, die darf man einfühlen…“.

Wie gesagt, die Stimmbänder und der Sprechapparat sind morgens gern ein wenig knarzig.

„In heiße Asche fühlt es sich auch viel unangenehmer ein, nicht?“
„Guck mal, der ist total sensibel, der hat Brandblasen an den Händen!“

Kurz darauf:
„Diese Brennpaste, die die Nachbarin mitgebracht hat, ist übrigens wirklich toll!“
„Reibt man sich damit die Hände ein, bevor man sich in die heiße Asche einfühlt! Brennt das dann geschmeidiger?“

Wir hätten statt Kunstrasen lieber einen dunklen Teppichboden auf den Balkon legen sollen. Bei morgendlichem Gepruste ist es so schwierig, die Kaffeetasse unfallfrei auf den Tisch zurückzustellen, aber vielleicht entsteht mit der Zeit ein filigranes Kaffeefleckenmuster, das den Boden erst so richtig interessant macht.

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5 Antworten to “Grillen, Nachgrillen und Kopfgrillen”

  1. reiseschreibmaschine Says:

    Beim Grillen im Park ergab sich bei uns gestern gleiches Problem: Wohin mit der Kohle? Diese hatten wir wiederum als Restkohle von anderen Parkbesuchern geschenkt bekommen, damit unsere schneller zum Glühen kommt. Also auf die Suche gemacht nach potentiellen Abnehmern und schnell bei einer Großfamilie mit Migrationshintergrund erfolgreich gewesen. Gutes Prinzip eigentlich, denn man ist ja oft so gierig, dass wenn die Kohle am besten ist, man eigentlich schon satt auf dem Rasen liegt. Nur einer bleibt bei diesem Recycling-Prinzip am Ende auf den Kohlen sitzen, ist verkohlt und muss sich mit dem Restmüllproblem herumschlagen.

  2. Silencer Says:

    Ich musste erstmal zur Mülltonne springen und nachsehen, ob der Spruch da wirklich nicht mehr draufsteht.

    Teppiche mit Kaffeefleckmusterung sind übrigens nur so lange praktisch, bis der Erste ein Glas Rotwein drüberkippt.

  3. buchstaeblich Says:

    Der Tonnen-Spruch war früher nötig, als noch in vielen Haushalten unter Geschwistern gestritten wurde, wer diese Woche dran ist mit „Kohlen holen“ (mit diesen tütenförmigen Blecheimern, aus dem Keller), weil man einen Ofen in der Zimmerecke hatte, der nichts anderes fraß.

    Seit Hausfrauen nicht mehr täglich die Fensterbänke abwischen müssen, um den Ruß zu entfernen, der in der Luft liegt, lässt man den aktiven Griller im Regen stehen – der muss nun selber denken.

    Ansonsten arbeite ich an einem Balkon-Erlass: Rotwein-Verbot zum Schutze der Kaffeekunst – dann gibt es abends nur noch Weißwein – oder gleich Klaren?

  4. Silencer Says:

    Oder Schokoladenlikör, der fällt nicht so auf.

  5. buchstaeblich Says:

    Ja, und Mokkalikör ist auch noch in Ordnung, aber bei allen Getränken mit anderen Farben als unsichtbar oder kaffeebraun werde ich einen Reglementierungsriegel vorschieben: Es soll ja alles seine Ordnung haben, nicht wahr?

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