Beweise


So.

Jetzt kann ich es endlich beweisen:

Der gemeine Bayer ist Teilzeitanarchist.



…und bei Rot macht einfach jeder, was er will!
Wird man mir weiterhin widersprechen, wenn ich sage, dass es nicht egal ist, ob und wo in Sätzen Satzzeichen vorkommen?

Es ist großartig, wenn man eine Digitalkameradin hat, mit der man seine alltäglichen Feststellungen konservieren und jederzeit beweisen kann.

Natürlich muss ich täglich mit meiner Verhaftung rechnen, oder wahlweise mit einer vorläufigen Einweisung in die Psychiatrie. Es ist ja nicht alltäglich, dass jemand, der gerade noch wirkte wie eine harmlose Passantin, plötzlich stehen bleibt, kreischt vor Lachen und dann die um den Hals baumelnde Kamera in Betrieb nimmt.

So auch die Verkäuferin in einer Boutique am Münchner Marienplatz, die recht sparsam blickte, als sie bemerkte, dass ich ein Plakat in ihrem Schaufenster knipste. Warum? Darum:

Wird hier auf rheinländisch die Schul' ussverkauft?

Ich kann künftig viel Spucke sparen – ich zeige nur noch meine Bildchen her und sage: Sieh selbst!

Und wer meint, die Bayern seien konservativ, der irrt!

Natürlich bauen sie mit Freude an Regelwerken und kleistern sich mit Verbotsschildern voll, aber ob Eislaufverbotsschilder an Weihern und Seen oder Schilderwälder in den Städten: sie reglementieren sich doppelt, dreifach, oder mindestens gründlich.

Denn sie fühlen sich großartig, wenn sie trotzdem machen, was sie wollen. Und je mehr Schilder sie ignorieren können, desto fröhlicher werden sie. Richtig auf die Schenkel klopfen sie sich, wenn sie die Millionen Touristen, die jährlich nach Bayern kommen, dabei beobachten, wie sie krampfhaft versuchen, sich den Pseudo-Reglements zu beugen, die eigentlich nur zum Spaß dienen. Schließlich hatten die Touristen ja gehört, die Bayern seien erzkonservativ und furchtbar streng. Ja, ja, sowas macht Angst.

Oft lauern Einheimischen-Kleingruppen gegenüber der Staatsoper und versuchen unauffällig zu tun, während sie beobachten, wie Touristen aus aller Welt vor der folgenden Situation kapitulieren und hilflos zusammenzubrechen drohen:

Die Grüppchen habe ich jetzt mal lieber nicht mitfotografiert – ich bin zu jung zum Sterben, und werde wegen Landes-Geheimnisverrats ohnehin sicher bald wieder des Landes verwiesen.

Aber bis dahin genieße ich jede Sekunde!

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7 Antworten to “Beweise”

  1. buchstaeblich Says:

    Als normale Touristin gewiss nicht, aber als gemeine Touristin hat man da durchaus eine Chance – man muss nur gemein genug sein! Also – bei Dir z. B. mache ich mir da überhaupt keine Sorgen, so wie ich meine Adoptiv-Bayern inzwischen kenne.

  2. serviervorschlag Says:

    …aber wie geht man mit Touristen vor, die sich ebenso nonchalant über die Verbotsschilder hinwegsetzen wie die Einheimischen es tun?

  3. buchstaeblich Says:

    Touristen? Kommt ganz drauf an, auf welche Weise sie das tun. Ich als Zuagroaste werde mit erfreutem Erstaunen behandelt à la „Hey, die traut sich was, aber Spitze!“. „Für eine Preußin“, versteht sich.

  4. serviervorschlag Says:

    Bleibt fraglich, ob man auch als Nicht-Zugereiste, (also als gemeine Touristin) eine reelle Chence hat, von der Saupreußin zur Preußin und dann auch noch zur bewundernswert schilderignorierenden Preußin befördert zu werden.

  5. gabelsberger Says:

    Schau dich mal in Aschheim um! Eine Fundgrube für Schildbürgerstreiche.

  6. Bayerisches Rauchverbot: Ein Lösungsansatz « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] längerer Zeit wurde ja schon der Beweis angetreten, dass die Bayern ein Volk von Teilzeitanarchisten ist, die es schlicht lieben, sich zu […]

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