Liebes Tagebuch,
mein Name ist Zweio. Ha Zweio. Ich habe mich entschlossen, hier die wichtigsten Ereignisse der letzten Zeit niederzuschreiben. Bevor alles verloren ist. Denn ich bin auf der Flucht. Ich habe Angst, dass sie mich kriegen. Ich weiß nämlich nicht, was passiert, wenn ich der Hahnemann-Connection in die Finger falle …
Man hört da so einiges. Und das klingt nicht gut.
Es heißt, sie hämmern einem Dinge ein. Fremde Erinnerungen. So, als seien sie Latein-Vokabeln. Und diese Dinge klingen bedrohlich: Plumbum, Uranium … um nur die am bedrohlichsten klingenden zu erwähnen.
Ich weiß nicht, was passiert, wenn die das mit mir tun. Ich meine, was passiert mit den anderen Erinnerungen? Sind die dann weg?
Auch da hört man so einiges:
“Schlag’ dir das aus dem Kopf!”, hörte ich neulich den Vater einer Waldorfschülerin sagen, “du wirst Heilpraktikersgattin wie deine Schwester auch!”. Zuvor hatte sie die Idee geäußert, studieren zu wollen, weil sie gern eine Schulmedizinerin werden wollte, wenn sie groß ist.
Ich wäre ja nicht der erste, der nach heftigen Schlägen ein Hirntrauma erleidet, und seine Erinnerungen verliert. Und wenn man sich vorstellt, dass die einen bis zu 10 hoch 199 mal volle Möhre auf die Tischplatte wemmsen. Wie lange dauert das eigentlich? Egal, ich will das nicht erleben und meine anderen Erinnerungen dabei verlieren. Das wäre nämlich schon schade. Schließlich kommt man als Wassermolekül ganz schön herum.
Im Moment bin ich sicher. Ich befinde mich im Magen der adipösen Teilzeitprostituierten Anneliese Sch. aus Klein-W. Irgendwie ist es hier ganz schön ätzend. Hierher gelangte ich, gebunden in Tomatengewebe, als diese in der Pizzeria Al Capone einen gemischten Salat aß.
Die Tomate hatte mich über ihr Wurzelsystem aufgenommen, gerade noch, bevor eine fiese glitschige Nacktschnecke über mich gleiten konnte, weil die Erde, auf die ich gefallen war, mich noch rasch aufgesaugt hatte.
Mir war ja noch ganz schwindlig von dem Fall aus mehreren hundert Metern Höhe, wo ich erst kurz zuvor kondensiert war, als eine Kaltfront mich kalt erwischt hatte.
Ja, man denkt, man sei sicher in so einem Stausee, mit all den Gleichgesinnten um einen herum. Aber dann scheint die Sonne zu sehr und aus ist ‘s mit dem Frieden. Das kommt davon, wenn man im Leben zu sehr an der Oberfläche bleibt und sich nicht traut, die Dinge in der Tiefe zu ergründen. Und sei es ein Stausee.
Das war es für heute. Bis bald. liebes Tagebuch,
Dein Ha Zweio
(Dies, liebe Leser, ist eine Abschrift aus einem Notizbuch, welches ich gestern am Isarkanal fand. Falls Ha Zweio oder jemand, der seinen Verweilort kennt, dies hier liest, kann er sich bei mir melden, ich gebe ihm das Buch dann gern wieder zurück. Hoffentlich ist der Gute nicht ins Wasser gegangen. Bei dem Wetter!)
Weil sich noch niemand gemeldet hat, der mir sagen kann, wie ich dem guten Ha Zweio sein Tagebuch zukommen lassen kann, geht es weiter mit Teil 2 und möglicherweise erhellenden Details.
Schlagwörter: H2O, Ha Zweio, Hahnemann, Homöopathie, Molekül, schlagen, Tagebuch, Trauma, Wasser
2. November 2009 um 3:38 nachmittags |
Mir scheint, die Freunde von Ha sind schon fleißig auf der Suche nach ihm – massenweise im Sturzflug…
2. November 2009 um 4:00 nachmittags |
Ja, auch hier jede Menge Suchkommandos, wenn man aus dem Fenster schaut. Dass die nicht einfach klingeln …
2. November 2009 um 7:49 nachmittags |
Die Stelle mit der Nacktschnecke finde ich fragwürdig.
2. November 2009 um 7:57 nachmittags |
Ich auch. Ich hätte nicht gedacht, dass Wassermoleküle so seltsam ticken.
2. November 2009 um 8:42 nachmittags |
sehr schön geschrieben
der kann einem ja glattweg ans herz wachsen … *g
3. November 2009 um 8:02 vormittags |
Danke! Der Tag fängt gut an… so ein Lacher am Morgen ist schon was feines
3. November 2009 um 11:25 vormittags |
schattenzwerg,
das ist sehr sensibel von Ihnen.
verhaltensoriginell,
finden Sie es richtig, sich an den Ängsten eines Verfolgten und Bedrohten zu ergötzen und über ihn zu lachen?
3. November 2009 um 11:29 vormittags |
-> guckt beschämt unter sich.
Als Buße bete ich vier Vater unser zu meinem atheistischen Gott *g*
3. November 2009 um 2:01 nachmittags |
[...] Buchstaeblich seltsam! Man macht sich ja so seine Gedanken, ne? « Wassergedächtnisprotokoll [...]
8. November 2009 um 10:55 vormittags |
[...] Wassergedächtnisprotokoll: Aus dem Tagebuch des Ha Zweio [...]
2. Dezember 2009 um 10:59 vormittags |
WAnn kommt die nächste Seite?