Der finsterste Ort Europas


Zu früh gefreut hat sich, wer denkt, ich würde jetzt spannende Geschichten über sizilianische Mafiaspelunken erzählen.

Am dunkelsten Ort Europas, der geografisch aber ohnehin eher Afrika zuzuordnen ist, scheint obendrein dauernd die Sonne – zumindest tagsüber. Er liegt nämlich erstens auf dem kanarischen La Palma, zweitens über den Wolken. In fast zweieinhalb Kilometern Höhe über dem Meeresspiegel ist zwar die Freiheit nicht völlig grenzenlos, aber die Freiheit von Lichtverschmutzung hat dafür gesorgt, dass da oben ein paar äußerst wichtige wissenschaftliche Einrichtungen residieren. Natürlich haben die Menschen auf La Palma abends auch das Licht an, aber die wohnen alle ziemlich weit weg und durch die zwischen 1000 und 2000 Metern oft vorkommenden Wolkenschichten wird das Licht, dass die Observatorien stören könnte, im Zaum gehalten. Dort oben am Roque de los Muchachos allerdings ist es meist klar, die Luft schneidend scharf.

Weil ich so gerne auf Astrodicticum Simplex lese, wo Florian Freistetter immer Spannendes aus der Welt der Wissenschaft berichtet, habe ich natürlich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen, wenn ich schon einmal auf dieser Insel war, dort oben nicht nur eine kleine Wanderung mit atemberaubenden Ausblicken zu machen, sondern obendrein ein Auge auf die Himmelsbeobachter zu werfen und extra für den Florian ein paar Bilder mitzubringen:

schön links halten ...

schön links halten ...

Auf der (schmalen) Strecke da hinauf ächzte sich unser treues Mietgefährt ab dem Ort Mirca 34 km weit aufwärts durch 433 Kurven, und ein paar Mal war ich kurz davor, die Reisetabletten zu zücken. Im Nebel, bzw. den  Wolken, immer vorbei an imposanten Kiefern, landet man irgendwann doch dort oben:

Den Topf voller Gold fanden wir aber nicht.

Den Topf voller Gold fanden wir aber nicht.

Da oben ist es so schön, dass es einem die Tränen in die Augen treiben kann:

Ist das toll?

Ist das toll?

Und wenn man sich wieder eingekriegt hat von dem unweigerlichen Begeisterungsanfall, dann wandert man immer schön an einem mächtig steilen Abhang entlang und fragt sich, wie die Damen und Herren Weltallinspizienten es hinkriegen, in einer solchen Umgebung brav in ihren Obervatorien zu sitzen und das Universum abzuklopfen – das nenne ich Disziplin!
Andererseits ist das Gelände, auf dem die diversen Sternenguckmaschinen stehen, aber auch eine Augenweide. Man kommt sich dort nämlich vor wie in einem Science-Fiction-Film:
dscf2999
Wie es sich für einen finsteren Ort gehört, trieben sich dort oben aber auch finstere Gestalten herum, die ein wenig zutraulicher waren, als man es als Touri, der von Hause aus jetzt nicht sooo das Naturkind ist, geheuer findet. Denn das Gelände schien fest im Griff zweier Gesellen, die die Gestänge der Observatorien als ihren persönlichen Spielplatz auserkoren hatten, aber aufgrund von naturgegebener Neugier auch gern auf Tuchfühlung mit uns wollten:
Ups.

Ups.

Der da hopste in typischer Rabenvogelmanier zwischen unseren Füßen herum, und war ein wenig unheimlich, zudem er bewaffnete Füße hat:
Respekt!

Respekt!

So, wie dieser Vogel sich aufgeführt hat, stellten wir uns die Frage, ob er für die Menschen, die hier oben arbeiten eine Plage oder ein Maskottchen ist. Leider lief dort niemand herum, den ich hätte fragen können. Aber vielleicht liest hier jemand mit, der das weiß? Wenn nicht ,werde ich wohl mal ganz frech eine Mail an die Leute da oben schicken – Sternengucker sind ja nur Sternengucker, wenn sie Sterne gucken, ansonsten ganz normale Leute, wie ich finde.
So richtig beeindruckend mit der Tendenz “das haut mich um” fanden wir dann das Magic II, das u. a. auch von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt wird und (habe ich das richtig verstanden?) das Weltall auf Gammastrahlung
untersucht.
Aktualisierung 18.12.2008:
Näheres zu den Teleskopen erzählt Dr. Wagner von den Scienceblogs hier.
 Falls jemand sich fragt, warum jemand, der überhaupt keine Ahnung von oder Verwendung für Astronomie hat, sich trotzdem hin und wieder an das Thema hängt: Die Bilder von Spiralnebeln, Galaxien und Gaswolken sind so wahnsinnig schön – die schaue ich mir immer wieder gern an. Wahrscheinlich ist das der schlechteste Grund, den man haben kann, aber ich genieße es!
Und hier Bildchen vom Magic II:
dscf3069
Wie in einem Film, gell?

Wie in einem Film, gell?

Das ist das Verrückte dort oben:
Man steht auf Lavabergen, die aus dem Inneren der Erde gespuckt wurden, aber über den Wolken, also im Himmel, und guckt sich diese Mordsdinger an, die in die Tiefen des Weltalls lauschen um zu gucken, was es da noch alles gibt und wie es da zugeht: So ganz normal fühlt sich das nicht an. Vielleicht für die Leute, die da oben arbeiten und deren Alltag es ist. Aber für so einen unkundigen Touri wie mich?
Ich weiß nicht, wie oft ich an diesem Tage “Boah, ist das irre!” gesagt habe. Wahrscheinlich ungefähr so oft wie: “Scheiß die Wand an, das ist ja unglaublich!”
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10 Antworten to “Der finsterste Ort Europas”

  1. the rufus Says:

    Echt ein finsterer Ort und finstere Gesellen fliegen dort auch herum – richtig zum Fürchten.

  2. zentao Says:

    Was Du da schreibst ist ja auch irre, auch die Bilder, vor allem die dritte Foto gefällt mir sehr, ganz Zenmässig.
    Liebe Grüsse zentao

  3. zimtapfel Says:

    Hach, genauso wie letztes Jahr auf Teneriffa…da stehen ja auch oben im Hochgebirge so ein paar Observatorien rum.
    Und das hast du schon richtig verstanden, das die Dinger da unter anderem von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt werden, die wissenschaftlichen Einrichtungen dort wurden größtenteils aus EU-Fördermitteln oder in Zusammenarbeit mehrerer europäischer Staaten gebaut und werden auch von diesen genutzt, d.h. Astrophysiker von allen möglichen europäischen Unis mieten sich jeweils für ein paar Wochen da oben ein und betreiben dann dort ihre Forschungen über Sonne, Mond und Sterne.

  4. buchstaeblich Says:

    Das All ist ja auch ein ziemlich große Sache – da ist es gut, wenn die ganze Welt gemeinsam nach Neuigkeiten und Erkenntnissen sucht.

  5. Jantarblog Says:

    Ich bin positiv überrascht: La Palma habe ich irgendwie nur als Insel mit fiesem Nebel und Bananenplantagen in Erinnerung ;-) Aber vielleicht sollte man da auch einfach nicht im Juni hinfahren…

  6. buchstaeblich Says:

    Meine Empfehlung: Zwischen den Bananenplantagen nach den netten Seiten der Insel suchen – da gibt es mehr als genug, wenn auch eher nicht an den Orten mit Badestrand. Verlässt man diese, findet man ganz schnell pralles Leben, das nichts mehr mit Disney-Themenparks zu tun hat.

    Und wenn man im Winter fährt: Genug Langärmliges mitnehmen.

  7. Jantarblog Says:

    Hm, vielleicht war unser Problem eher, dass wir zu ruhig untergebracht waren, nämlich irgendwo auf einem echt fiesen Hügels, den man nicht ohne Auto bewältigen wollte (trotz Wanderurlaub) und von dem aus man nicht ein Restaurant/Supermarkt ohne Auto erreichen konnte. Und drei Wandertouren führten uns stundenlang durch den Nebel – ein Glück, dass der Rother Wanderführer bebildert ist ;-)

  8. buchstaeblich Says:

    Meine Erfahrung: Es ist verdammt hilfreich, seine Reiseunterkünfte bei Guggl-Örrs zu begucken, bevor man bucht.

  9. florian Says:

    Hab ich ja jetzt erst gesehen! Schöne Bilder :)

  10. buchstaeblich Says:

    Extra für Dich, Florian!
    Ohne die Leserei bei Dir wäre ich vielleicht gar nicht extra dort hinauf gefahren und hätte die tollen Ansichten verpasst – dafür spendiert man doch gern vor lauter Dankbarkeit ein paar Bildchen.

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