Feringa Kunst: Fragen an Helga Graf


Unterföhring ist bekannt als Medienstandort. Aber hier wird auch richtige Kunst geschaffen.

Zum Beispiel von Helga Graf:

Helga Graf, geboren und aufgewachsen in München, lebt seit 1981 in Unterföhring.

Schon früh begann sie mit der Malerei, von der sie sagt, sie sei für sie so wichtig wie das Atmen.

Bereits in jungen Jahren erhielt sie Unterricht bei Professor Alexander Wecker-Bergheim. Zudem hat Helga Graf u. a. vier Jahre an der Kunstakademie in Trier studiert.

Im Rahmen zahlreicher Ausstellungen wurden ihre Werke auch schon in New York und in der Schweiz präsentiert.

Aus aktuellem Anlass habe ich Frau Graf gebeten, mir ein paar auf den Nägeln brennende Fragen zu beantworten:

Die rasende Reporterin

Die rasende Reporterin

Dr. Buchstäblich-Seltsam: Frau Graf, Sie als geborene Münchnerin haben sich 1981 entschlossen, mit Sack und Pack nach Unterföhring zu ziehen und hier zu leben: Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Helga Graf: Ja, eigentlich erfolgte der Umzug nach langer Suche. In Unterföhring fand ich die gleiche Wohngelegenheit, wie ich sie als Kind hatte, und ich fühle mich hier sehr wohl. Unterföhring ist eine Gemeinde, die sich um das Wohl ihrer Bürger sehr kümmert.

B.-S.: Unsere Gemeinde wird erstmals urkundlich erwähnt in einem Dokument aus dem Jahre 807 und ist damit erheblich älter als die benachbarte Landeshauptstadt: Ist dieser Umstand für Sie in ihrem künstlerischen Empfinden wichtig?

Helga Graf: Dass Unterföhring älter ist als München, war mir damals schon bekannt. Ob dies für mein künstlerisches Empfinden wichtig ist, kann ich so nicht sagen. Auf alle Fälle fand ich es großartig, dass mir gleich der damalige Erste Bürgermeister, Herr Lässing, einen Besuch abstattete und mich gewissermaßen zu einer Ausstellung in der Unterföhringer Gemeindebücherei drängte.

B.-S.: Ihre jetzige Schaffensperiode hat sich immer mehr in Richtung Abstraktion entwickelt. Wie kam es zu diesem Wandel?

Helga Graf: Wenn man als Künstler schon einiges erreicht hat, will man mehr, man will einfach noch mehr in die Herausforderung gehen. Und dies ist für mich die Abstraktion.Der lateinische Begriff „abstrahere“ umschreibt das Weglassen, Entfernen und Trennen unwesentlicher Details zugunsten der wesentlichen Elemente. Dies ist das Malen aus dem Bauch heraus. Dabei verfolge ich nicht die gegenstandslose abstrakte Malerei, sondern ich möchte abstrakt sein im Figürlichen und in den Farben. Die Abstraktion muss auch sinnvoll sein, damit der Betrachter fehlendes oder undefiniertes von sich aus ergänzen kann. Er wird damit zum „Mitschöpfer“ des Bildes und kann direkt seine eigenen Erfahrungen einbringen. Das macht das Bild interessanter und begreifbarer.

B.-S.: Ihre aktuelleren Gemälde kreisen immer intensiver um das Thema “Südamerika”, was natürlich mit Ihren zahlreichen Reisen nach Guatemala, an den Amazonas, etc. zu tun hat: Ist die Entwicklung Ihres künstlerischen Schaffens in Richtung Abstraktion damit einher gegangen oder verschmelzen da zwei eigenständige Entwicklungprozesse?

Helga Graf: Es ist richtig, dass ich zahlreiche Reisen nach Süd- und Mittelamerika machte. Es verbindet mich einfach sehr viel mit diesen Ländern. Durch meinen Einblick in diese Kultur, den Bräuchen und Riten sehe ich mich noch mehr verwurzelt und den Menschen dort tief verbunden. Es ist mir ein inneres Bedürfnis, dieses in meinen Bildern festzuhalten und dabei fand ich auch den Weg in die Abstraktion.

B.-S.: Frau Graf, trotz Ihrer vielen Reisen und den oft langen Akademie-Aufenthalten in Trier merkt man Ihnen an, dass Sie mit Leib und Seele Bayerin sind. Wie wichtig ist Ihnen speziell Unterföhring und was ist für Sie der besondere Reiz an dieser Gemeinde?

Helga Graf: Ja, selbst wenn ich eine große „Reisetante“ bin, weiss ich dass ich nach Bayern gehöre. Der besondere Reiz an dieser Gemeinde ist seine Bürgernähe und auch das große Angebot an Veranstaltungen für Kunst und Kultur, das nach dem Bau unseres Bürgerhauses noch mehr Bürgern zugute kommt.

B.-S.: Sie zogen hierher, als Unterföhring nur rund 4000 Einwohner hatte, inzwischen hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt: Hat sich dieses rasche Anwachsen auf Ihr persönliches Leben, auch als Künstlerin, ausgewirkt?

Helga Graf: Diese Frage ist noch zu früh gestellt. Ich kann mir gut vorstellen, dass der enorme Zuzug sich auch für mich als Künstlerin positiv auswirken wird, zumal ich in 2009 zwei Ausstellungen plane (eine in Unterföhring und eine im Münchner Norden).

B.-S.: Im August diesen Jahres hatten Sie im hiesigen Rathaus eine Ausstellung mit einer Auswahl Ihrer Landschaftsaquarelle. Dort waren – neben Ihren Gardaseeszenen – auch einige sehr eindrucksvolle Bilder von Unterföhring und dem Umland: Wie wichtig ist das bayrische Landschaftsbild für Ihre künstlerische Entwicklung, früher und jetzt?

Helga Graf: Ich liebe meine bayrische Landschaft und wenn man was liebt, dann malt man es eben.

B.-S.: Frau Graf, Sie haben soeben eines Ihrer Aquarelle an die Gemeinde verkauft: Fühlt sich das anders an, als ein Bild an einen privaten Kunden zu verkaufen?

Helga Graf: Dass die Gemeinde Unterföhring ein Aquarell von mir erworben hat, ehrt mich sehr. Ob sich das jetzt anders anfühlt: Ich verkaufe auch gerne an private Kunden.

Frau Graf übergibt Bürgermeister Franz Schwarz "Poschiner Weiher"

Frau Graf übergibt Bürgermeister Franz Schwarz das Bild Poschinger Weiher

(Zur Entstehung des Bildes lesen Sie brisante Einzelheiten)

B.-S.: Im kommenden Frühjahr werden Sie – erneut im Unterföhringer Rathaus – eine große Ausstellung Ihrer Südamerika-Gemälde haben. Zu diesen Bildern sagten Sie einst, Sie fühlten sich während Ihrer Reisen dort wie Zuhause: Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie lieber dort leben als hier?

Helga Graf: Hierzu möchte ich sagen, dass sich meine Seele dort wie Zuhause fühlt und dies möchte ich in meinen Bildern auch zum Ausdruck bringen. Doch mein Zuhause in meiner physischen Gestalt ist mein Bayern und eben mein Unterföhring.

B.-S.: Frau Graf, ich danke Ihnen – auch im Namen meiner Leser – für das Gespräch, nicht ohne Ihnen für Ihr weiteres künstlerisches Fortkommen von Herzen viel Erfolg zu wünschen.

(Aus Helga Grafs Südamerika-Zyklus)

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5 Antworten to “Feringa Kunst: Fragen an Helga Graf”

  1. romanmoeller Says:

    Interessant. Ich bin mir ziemlich sicher, das ich ein Plakat von ihr in einer der zahlreichen im Ort verteilten Schaukasten gesehen habe.

  2. buchstaeblich Says:

    Hast Du!
    Das war die Ausstellung mit den Aquarellen im September.

  3. weltdeswissens Says:

    Sie sind übrigens unerhört fotogen, liebste Freiderike :)

  4. weltdeswissens Says:

    ei = ie

  5. buchstaeblich Says:

    (knickst artig, hochrot)
    Dabei war ich durch die Versteckaktion unterm Tisch doch eigentlich derangiert.

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